In Polen sind die Bruttolöhne im Unternehmenssektor im Februar 2026 auf 9.135,69 Zloty gestiegen. Das entsprach einem Plus von 6,1 Prozent im Jahresvergleich und lag damit unter den Erwartungen der Analysten. Zugleich sank die Beschäftigung um 0,8 Prozent, was auf eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarkts hindeutet.

Lohnanstieg unter Prognose

Die durchschnittlichen Bruttolöhne im polnischen Unternehmenssektor stiegen im Februar 2026 auf 9.135,69 Zloty. Das entsprach einem Plus von 6,1 Prozent im Jahresvergleich und lag unter dem Analystenkonsens von 6,6 Prozent.

Beschäftigung weiter rückläufig

Die Beschäftigung im Unternehmenssektor sank im Jahresvergleich um 0,8 Prozent auf 6.398,1 Tausend Stellen. Der Rückgang entsprach den Erwartungen des Marktes.

Schwächste Lohndynamik seit fünf Jahren

Mehrere Medien ordneten das Lohnwachstum als das niedrigste seit fünf Jahren ein. Das deutet auf eine deutliche Abschwächung des zuvor sehr angespannten Arbeitsmarkts hin.

Polens Statistik Polen (GUS) hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die durchschnittlichen Bruttolöhne im Unternehmenssektor im Februar 2026 auf 9.135,69 polnische Zloty gestiegen sind. Das entsprach einem Zuwachs von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit blieb der Wert hinter den Erwartungen der Analysten zurück und markierte zugleich die schwächste Lohndynamik seit fünf Jahren. Veröffentlicht wurden die Daten am 19. März. Am Markt war mit einem stärkeren Anstieg gerechnet worden. Der von PAP Biznes erhobene Analystenkonsens hatte bei 6,6 Prozent im Jahresvergleich gelegen. Das tatsächliche Ergebnis lag damit um 0,5 Prozentpunkte darunter. Im Monatsvergleich stiegen die Löhne gegenüber Januar 2026 um 1,5 Prozent. Das bot Beobachtern, die auf kurzfristige Trends achten, zumindest einen begrenzten positiven Aspekt. Die Daten bestätigten, dass Beschäftigte in Polen nominal zwar weiterhin mehr verdienen, sich das Lohnwachstum aber verlangsamt.

Beschäftigung sinkt erneut und entspricht den Erwartungen Die Beschäftigung im Unternehmenssektor ging im Februar 2026 im Jahresvergleich um 0,8 Prozent zurück. Das entsprach den Markterwartungen, verlängerte aber die Reihe negativer Werte. Die Gesamtzahl der Vollzeitstellen im Sektor lag bei 6.398,1 Tausend. Anders als beim schwächer als erwarteten Lohnanstieg überraschte der Rückgang bei der Beschäftigung die Analysten nicht. Das deutet darauf hin, dass der Stellenabbau inzwischen als erwartbares Merkmal der gegenwärtigen Phase am Arbeitsmarkt gilt. Die gleichzeitige Abschwächung von Lohnwachstum und Beschäftigung hat in Medienkommentaren dazu geführt, das Gesamtbild als „Abkühlung“ des polnischen Arbeitsmarkts zu beschreiben. Medien wie Rzeczpospolita bezeichneten die Lohndynamik als die niedrigste seit fünf Jahren. Das unterstreicht den Abstand zu den kräftigen Zuwächsen der vergangenen Jahre. Die unterschiedliche Entwicklung von weiterhin positivem nominalem Lohnwachstum und sinkender Beschäftigung beschrieb Business Insider als Bewegung zweier zentraler Indikatoren „in entgegengesetzte Richtungen“.

Das nachlassende Lohnwachstum verweist auf einen breiteren Wandel am Arbeitsmarkt Polens Arbeitsmarkt verzeichnete in den Jahren nach der COVID-19-Pandemie ein außergewöhnlich kräftiges Lohnwachstum. Gründe waren Arbeitskräftemangel, hohe Inflation und mehrere Anhebungen des gesetzlichen Mindestlohns. Der Unternehmenssektor, der Firmen mit mindestens zehn Beschäftigten umfasst, gilt als wichtiger Gradmesser für die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt in Polen. GUS veröffentlicht für diesen Bereich monatlich Beschäftigungs- und Lohndaten im Rahmen seines regulären statistischen Berichtszyklus. Der Februarwert bedeutet einen merklichen Rückgang gegenüber den hohen Wachstumsraten, die den polnischen Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren geprägt hatten. Nach Darstellung von Rzeczpospolita ist der nominale Zuwachs von 6,1 Prozent der schwächste Lohnanstieg seit ungefähr fünf Jahren. Dadurch wird die aktuelle Abschwächung in eine längere historische Perspektive eingeordnet. Analysten hatten zwar mit einer Abkühlung am Arbeitsmarkt gerechnet. Das Tempo des Rückgangs bei der Lohndynamik fiel jedoch stärker aus als in Teilen der Prognosen angenommen. Die Daten zum Unternehmenssektor bilden nicht die gesamte Volkswirtschaft ab. Die Lage in kleineren Firmen und im öffentlichen Sektor kann daher abweichen. Pulshr.pl schrieb, steigende Löhne seien der einzige positive Punkt in einem ansonsten zurückhaltenden Bericht, während die Beschäftigungsentwicklung auf eine anhaltende Anpassung am Arbeitsmarkt hindeute. Die Kombination aus geringerem als erwartetem Lohnwachstum und sinkender Beschäftigtenzahl hat unter Marktbeobachtern die Einschätzung verstärkt, dass sich die außergewöhnlich angespannte Lage auf Polens Arbeitsmarkt seit der Pandemie nun zurückbildet.

Märkte verarbeiten die Abweichung, Analysten justieren ihre Modelle Die Differenz zwischen dem PAP-Biznes-Konsens von 6,6 Prozent und dem tatsächlichen Wert von 6,1 Prozent dürfte Analysten dazu veranlassen, ihre Modelle für die kommenden Monate anzupassen. Interia Biznes berichtete, die Daten seien von den Erwartungen abgewichen, und wertete das als Signal für eine schnellere Anpassung des Arbeitsmarkts, als viele angenommen hatten. Superbiz.se.pl schrieb, der Bericht enthalte gute und schlechte Nachrichten zugleich: Die Löhne steigen weiter, das Beschäftigungsbild verschlechtert sich jedoch. Der Rückgang der Beschäftigung um 0,8 Prozent im Jahresvergleich entsprach zwar den Prognosen, steht aber für eine anhaltende Verringerung der Zahl der Beschäftigten in größeren polnischen Unternehmen. Parkiet verwies darauf, dass das Februarergebnis bei den Löhnen erneut das schwächste seit Jahren gewesen sei. Die Formulierung deutet darauf hin, dass sich hier eher ein Muster als ein einmaliger Ausreißer abzeichnet. Ob sich die Abschwächung stabilisiert oder vertieft, wird auch von der Binnennachfrage, der Inflationsentwicklung und dem Kurs bei der Mindestlohnpolitik in den kommenden Monaten abhängen. Bestätigte Prognosen zu diesen Faktoren enthielten die veröffentlichten Daten allerdings nicht.