Premierminister Sébastien Lecornu hat ein weitreichendes Maßnahmenpaket vorgestellt, um die Abhängigkeit Frankreichs von fossilen Energieträgern bis 2035 massiv zu senken. Das Programm ist eine Reaktion auf die durch den Nahostkonflikt ausgelöste Energiekrise und sieht eine Verdoppelung der staatlichen Mittel auf jährlich 10 Milliarden Euro vor.

Massive Senkung fossiler Energien

Frankreich will den Anteil fossiler Brennstoffe am Energieverbrauch bis 2035 auf 29 Prozent reduzieren.

Verdoppelung der Fördergelder

Die staatliche Unterstützung für die Elektrifizierung steigt bis 2030 auf 10 Milliarden Euro jährlich, ohne neue Schulden aufzunehmen.

Verbot von Gasheizungen

Ab Ende 2026 sind neue Gasboiler in Neubauten verboten; der Fokus liegt auf Wärmepumpen und Elektroheizungen.

Leasing-Modell für einkommensschwache Haushalte

Neue Subventionen von bis zu 2.000 Euro sollen die Amortisationszeit von Wärmepumpen auf drei Jahre verkürzen.

Der französische Premierminister Sébastien Lecornu hat am Freitag, den 10. April 2026, einen umfassenden Elektrifizierungsplan vorgestellt. Ziel ist es, die Abhängigkeit Frankreichs von fossilen Brennstoffen von derzeit 60 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf 40 Prozent bis 2030 und 29 Prozent bis 2035 zu senken. Der Plan, der von den Stufen des Regierungssitzes Matignon präsentiert wurde, ist ausdrücklich als Reaktion auf die Energiekrise infolge des Nahostkrieges konzipiert, der am 28. Februar 2026 mit Militäroperationen der USA und Israels gegen den Iran begann. Die Schließung der Straße von Hormus ließ die Preise für Kohlenwasserstoffe massiv ansteigen und legte laut Lecornu die strukturelle Anfälligkeit Frankreichs gegenüber importierten fossilen Brennstoffen offen. Der Premierminister argumentierte, dass Frankreich mit seinem im Inland produzierten Strom – überwiegend aus Kernkraft und erneuerbaren Quellen – über einen strategischen Vorteil verfüge. Die Beschleunigung der Elektrifizierung in den Bereichen Verkehr, Gebäude und Industrie sei daher sowohl ein wirtschaftliches als auch ein sicherheitspolitisches Gebot. „„Der Krieg im Nahen Osten ist nicht der unsere, und doch betrifft er uns sehr direkt. Glücklicherweise verfügt Frankreich über einen Trumpf: den auf seinem Boden erzeugten Strom.“” — Sébastien Lecornu via France 24 Staatliche Förderung verdoppelt sich, aber keine neuen Mittel versprochenDas Kernstück des Finanzpakets ist die Verdoppelung der jährlichen staatlichen Unterstützung für die Elektrifizierung von 5,5 Milliarden auf 10 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Lecornu stellte jedoch klar, dass diese Erhöhung nicht durch neue Staatsausgaben finanziert werde, da die Regierung das Ziel verfolgt, das Haushaltsdefizit bei 5 Prozent des BIP zu begrenzen. Die Finanzierung soll stattdessen durch die Umleitung bestehender öffentlicher Beihilfen, Einsparungen bei den staatlichen Energiekosten und Beiträge von Energielieferanten über den Mechanismus der Energiesparzertifikate erfolgen. Das Climate Action Network und der Thinktank Negawatt begrüßten die Richtung des Plans, forderten jedoch zusätzliche Finanzmittel und kritisierten das Fehlen von Maßnahmen zur Energieeinsparung. Auch die Union Française de l’Électricité und der Verband der Elektro- und Digitalindustrie drängten auf eine ehrgeizigere budgetäre Vision. 10 (Milliarden Euro pro Jahr) — angestrebte staatliche Förderung der Elektrifizierung bis 2030Elektrifizierungsförderung Frankreich: Jährliche staatliche Unterstützung (before: 5,5 Milliarden Euro, after: 10 Milliarden Euro bis 2030); Anteil fossiler Brennstoffe am Gesamtverbrauch (before: heute 60 %, after: 40 % bis 2030, 29 % bis 2035); Betriebene Wärmepumpen (before: 4 Millionen, after: Ziel: 8,8 Millionen bis 2030) Verbot von Gasheizungen und Leasing-Modelle für WärmepumpenAb Ende 2026 wird die Installation von Gasboilern in Neubauten – einschließlich des kollektiven Wohnungsbaus – untersagt. Lecornu erklärte, Elektroheizungen zum Standard im Wohnungsbau machen zu wollen. Die Regierung setzte sich zum Ziel, dass zwei Millionen Sozialwohnungen, von denen 2023 noch 55 Prozent mit Gas beheizt wurden, bis 2050 die Umstellung vollziehen. Um den Wandel zu beschleunigen, führt der Plan ein Leasing-Modell für Wärmepumpen ein. Dieses richtet sich an einkommensschwache Haushalte, für die die verbleibenden Kosten nach Abzug bestehender Beihilfen – laut Finanzministerium durchschnittlich 3.000 Euro – oft unerschwinglich bleiben. Maud Bregeon, beigeordnete Ministerin für Energie und Regierungssprecherin, präzisierte, dass die zusätzliche Unterstützung bis zu 2.000 Euro pro Haushalt betragen könne. Dies solle sicherstellen, dass sich die Anschaffung einer Wärmepumpe innerhalb von drei Jahren amortisiert. Frankreich verfügt derzeit über 4 Millionen Wärmepumpen und strebt eine Steigerung auf 8,8 Millionen bis 2030 an. „„Die Aufstockung der Hilfe könnte bis zu 2.000 Euro betragen, um die Amortisation der Wärmepumpe in drei Jahren zu garantieren, bei geschätzten Mehrkosten von 200 Millionen Euro bis 2030.“” — Maud Bregeon via Le Parisien Baugewerbe warnt vor Vernachlässigung von WärmedämmungDie Bauindustrie reagierte mit differenzierter Kritik. Während die Dekarbonisierung begrüßt wurde, äußerten Branchenvertreter Bedenken hinsichtlich des Zeitplans und des Umfangs. Jean-Christophe Repon, Präsident der CAPEB, bezeichnete das Verbot von Gasheizungen angesichts der Krise im Baugewerbe und steigender Materialpreise als unpassend. Er wies darauf hin, dass Förderungen für die Fassaden- und Innendämmung im Vorjahr gestrichen worden seien und der neue Plan diese Lücke nicht schließe. Zwar biete das Paket eine Orientierung, reagiere aber nicht ausreichend auf die Existenzängste der Handwerker. Ein Berater aus Regierungskreisen kritisierte zudem die Kommunikationsstrategie; die Ankündigung an einem Freitagabend sei taktisch ungünstig gewählt. Lecornu selbst räumte ein, dass die Finanzierung bis 2030 letztlich von den Entscheidungen künftiger parlamentarischer Mehrheiten abhänge.Frankreichs Energiepolitik ist seit dem Ölschock von 1973 durch den massiven Ausbau der Kernkraft geprägt, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Der aktuelle Vorstoß knüpft an das im Februar 2026 vorgestellte Energieprogramm an. Bestehende Förderprogramme wie MaPrimeRénov' haben bereits erhebliche Mittel in die Energieeffizienz gelenkt, doch Kritiker bemängeln das Tempo der Umsetzung. Die Blockade der Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Energiehandels läuft, hat die Notwendigkeit einer beschleunigten Energiewende verdeutlicht.

Mentioned People

  • Sébastien Lecornu — Premier Francji od 9 września 2025 roku
  • Maud Bregeon — Delegowana minister ds. energii i rzeczniczka rządu
  • Jean-Christophe Repon — Prezes CAPEB (Konfederacji Rzemiosła i Małych Przedsiębiorstw Budowlanych)
  • Christian Buchel — Prezes Francuskiego Związku Elektroenergetyki

Sources: 14 articles