Nach dem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz in Berlin halten die ostdeutschen Regierungschefs das neue Spritpreisgesetz des Bundestags für unzureichend. Sie verlangen niedrigere Energiesteuern und die Abschöpfung von Ölgewinnen. Hintergrund sind steigende Kraftstoffkosten, die aus ihrer Sicht die wirtschaftliche Entwicklung in der Region zusätzlich belasten.

Ostländer halten Gesetz für unzureichend

Nach dem Treffen mit Friedrich Merz fordern die Ministerpräsidenten aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin weitergehende Entlastungen bei den Spritpreisen.

Neue Preisregel soll Anhebungen begrenzen

Tankstellen dürfen Preise künftig nur noch einmal täglich um 12.00 Uhr erhöhen; Preissenkungen bleiben jederzeit möglich, das Kartellamt erhält mehr Befugnisse.

Merz verspricht Unterstützung für den Osten

Der Kanzler sagte weitere Schritte für Ostdeutschland zu und verwies auf Leuchtturmprojekte, Infrastruktur und bessere Bahnverbindungen nach Tschechien und Polen.

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten haben das am Donnerstag vom Bundestag beschlossene Spritpreisgesetz nach einem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz in Berlin als nicht ausreichend bezeichnet. Sie fordern deutlichere Kürzungen bei den Energiesteuern und die Abschöpfung von Gewinnen der Mineralölunternehmen. Nach ihrer Darstellung gefährden die weiter steigenden Kraftstoffkosten, die durch den anhaltenden Krieg im Iran getrieben werden, die wirtschaftliche Entwicklung in der gesamten Region.

Der Bundestag hatte das Fuel Price Adjustment Act am Donnerstag mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und Grünen beschlossen. Die ostdeutschen Ländervertreter sagten dennoch, die Regelung gehe nicht weit genug. Das Gesetz begrenzt Preiserhöhungen an Tankstellen auf einen einzigen täglichen Anstieg um 12.00 Uhr. Senkungen bleiben zu jeder Zeit möglich.

Der Krieg im Iran, der am 28. Februar 2026 mit US-israelischen Angriffen im Rahmen der Operation Epic Fury begann, hat die Kraftstoffpreise in ganz Europa deutlich steigen lassen. Deutschland wurde 1990 wiedervereinigt, und die ostdeutschen Bundesländer haben historisch strukturelle wirtschaftliche Nachteile gegenüber dem Westen gehabt. Diese Lücke, so räumte Kanzler Merz ein, bestehe auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch fort. Die ostdeutsche Ministerpräsidentenkonferenz, bekannt als MPK-Ost, tagt regelmäßig, um regionale Interessen abzustimmen und gemeinsame Forderungen an die Bundesregierung zu formulieren.

Die Länderchefs drängen auf Steuersenkungen und Gewinnabschöpfung Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, bezeichnete das Bundestagspaket als Schritt in die richtige Richtung, sagte aber, es reiche nicht aus. „Das ist uns nicht genug. Wir meinen auch, dass die Spritpreise kurzfristig durch eine Senkung der Energiesteuern, alternativ der CO2-Steuer, gesenkt werden müssen.” — Manuela Schwesig via Der Tagesspiegel Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ging noch weiter und forderte, der Bund solle zugleich Abgaben senken und die aus seiner Sicht übermäßigen Gewinne der Ölkonzerne abschöpfen. Niedrigere Energiepreise seien für die wirtschaftliche Stabilisierung und neues Wachstum im Osten unverzichtbar. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner, ein Mitglied von Merz' eigener CDU, stellte sich hinter den schärfsten Vorschlag auf dem Tisch. „Wir können uns vorstellen, einen Eingriff in das Eigentum aus den rechtswidrigen Gewinnen der Konzerne vorzunehmen. Wir müssen alles tun, damit sich die Menschen, gerade auch diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind, das Fahren noch leisten können.” — Kai Wegner via Der Tagesspiegel Dass sich ein CDU-Bürgermeister bei der Frage der Gewinnabschöpfung mit SPD-Ministerpräsidenten einte, zeigt den parteiübergreifenden Druck, der Merz aus dem Osten beim Thema Spritpreise entgegenschlägt.

Neues Gesetz begrenzt Preisanhebungen auf einmal täglich, Bußgelder bis 100.000 Euro Das Fuel Price Adjustment Act führt eine konkrete operative Vorgabe für die Preisgestaltung an Tankstellen ein. Nach den neuen Regeln dürfen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12.00 Uhr mittags. Preissenkungen sind weiterhin jederzeit erlaubt. Das Federal Cartel Office erhielt durch das Gesetz erweiterte Befugnisse und kann Unternehmen nun auffordern, zu belegen, dass spürbare Preiserhöhungen durch gestiegene zugrunde liegende Kosten gerechtfertigt sind. Nach den Angaben könnte die neue Regelung noch vor Ostern in Kraft treten. Das Gesetz wurde von CDU/CSU, SPD und Grünen unterstützt. Das zeigt einen breiten parlamentarischen Konsens darüber, dass ein Eingriff in den Kraftstoffmarkt notwendig sei.

Fuel Price Adjustment Act: Key Changes: Tägliche Preiserhöhungen erlaubt (before: Unbegrenzt, jederzeit, after: Nur einmal pro Tag um 12.00 Uhr); Preissenkungen (before: Jederzeit erlaubt, after: Weiterhin jederzeit erlaubt); Befugnisse des Kartellamts (before: Übliche Aufsicht, after: Kann Unternehmen zur Begründung von Preiserhöhungen verpflichten)

Merz sagt der ostdeutschen Entwicklung weitere Unterstützung zu Kanzler Merz räumte bei dem Berliner Treffen ein, dass Ostdeutschland auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung noch wirtschaftliche Strukturprobleme habe. Zugleich verwies er auf positive Entwicklungen bei Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie bei Unternehmensgründungen. „Mir ist vor allem wichtig zu zeigen, dass der Bund weiter zu Ostdeutschland steht.” — Friedrich Merz via Der Tagesspiegel Merz sagte, eine Auswahl aus einer Liste von mehr als 100 Vorschlägen für sogenannte Leuchtturmprojekte - etwa in den Bereichen Energieerzeugung, Infrastruktur und Bildungseinrichtungen - solle bis zu den Sommerferien getroffen werden. Danach solle entschieden werden, wie die Vorhaben umgesetzt werden können. Der Kanzler warb bei dem Treffen zudem für stärkere Bahnverbindungen zwischen Ostdeutschland und den Nachbarstaaten in Mittel- und Osteuropa, namentlich Tschechien und Polen. Das Thema solle noch einmal im Kabinett behandelt werden. Er sagte, sowohl die polnische als auch die tschechische Regierung hätten ihn direkt auf dieses Anliegen angesprochen. Schwesig formulierte die größere Lage klar und warnte davor, dass die Milliarden aus einem Sondervermögen für die Wirtschaft durch den Spritpreisanstieg faktisch neutralisiert werden könnten. „Wir sind sehr besorgt darüber, dass die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Iran dazu führen, dass solche Impulse sozusagen aufgefressen werden.” — Manuela Schwesig via Der Tagesspiegel

Mentioned People

  • Friedrich Merz — 10. kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od maja 2025 roku i federalny przewodniczący CDU
  • Manuela Schwesig — minister prezydent kraju związkowego Meklemburgia-Pomorze Przednie i przewodnicząca SPD Meklemburgii-Pomorza Przedniego
  • Dietmar Woidke — minister prezydent kraju związkowego Brandenburgia od 2013 roku
  • Kai Wegner — rządzący mer Berlina od kwietnia 2023 roku

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