Ein Flugobjekt, das aus dem russischen Luftraum nach Estland einflog, hat in der Nacht zum 25. März 2026 den Schornstein des Kraftwerks Auvere getroffen. Verletzt wurde niemand, größere Schäden an der Strominfrastruktur entstanden nach Angaben der Behörden nicht. Die Regierung in Tallinn berief dennoch eine außerordentliche Sitzung zur Sicherheitslage ein.

Einschlag am Kraftwerk Auvere

Eine aus russischem Luftraum kommende Drohne traf am 25. März 2026 um 3:43 Uhr den Schornstein des estnischen Kraftwerks Auvere im Kreis Ida-Viru. Verletzt wurde niemand, größere Schäden an der elektrischen Infrastruktur gab es nicht.

Ermittlungen laufen

Generalstaatsanwältin Astrid Asi erklärte, nach vorläufigen Erkenntnissen sei die Drohne nicht absichtlich auf Estland gerichtet worden. Der Inlandsgeheimdienst ermittelt unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft.

Regierung beruft Sondersitzung ein

Justiz- und Digitalministerin Liisa-Ly Pakosta kündigte eine außerordentliche Regierungssitzung zur nationalen Sicherheit nach dem Vorfall an.

Warnung vor weiteren Zwischenfällen

ISS-Chef Margo Palloson sieht den Vorfall als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und hält weitere ähnliche Ereignisse für wahrscheinlich.

Auch Lettland betroffen

Am selben Tag meldeten lettische Behörden den Absturz einer aus Russland kommenden Drohne auf lettischem Gebiet. Auch dort gab es keine Verletzten.

Eine Drohne, die aus Russland in den estnischen Luftraum eindrang, hat am 25. März 2026 um 3:43 Uhr den Schornstein des Kraftwerks Auvere im Kreis Ida-Viru getroffen. Nach bisherigen Angaben gab es keine Verletzten und keine nennenswerten Schäden an der elektrischen Infrastruktur der Anlage. Der estnische Inlandsgeheimdienst bestätigte den Vorfall in einer Mitteilung und erklärte, die Drohne sei aus dem russischen Luftraum in den Luftraum des Landes gelangt. Das von dem Energieunternehmen Enefit Power betriebene Kraftwerk Auvere liegt im Nordosten Estlands in der Nähe der Stadt Narva an der Grenze zu Russland. Enefit Power teilte mit, die Anlage habe keinen Schaden genommen. Zudem sei kaum davon auszugehen, dass der Vorfall erhebliche Auswirkungen auf das estnische Stromsystem habe.

Generalstaatsanwältin: Drohne war nicht auf Estland gerichtet Generalstaatsanwältin Astrid Asi erklärte in einer Pressemitteilung, vorläufige Informationen deuteten darauf hin, dass die Drohne weder absichtlich auf das Kraftwerk Auvere noch allgemein auf Estland gelenkt worden sei. „Nach den derzeitigen Informationen war die Drohne nicht auf Estland gerichtet. Eine Voruntersuchung läuft, um die näheren Umstände aufzuklären.” — Astrid Asi via Adnkronos Mit den Ermittlungen wurde der Inlandsgeheimdienst betraut, die Aufsicht liegt bei der Staatsanwaltschaft. Die Lage des Kraftwerks im Kreis Ida-Viru bedeutet, dass die Anlage direkt jenseits des Flusses Narva gegenüber russischem Territorium liegt. Damit ist sie in besonderem Maß fehlgeleiteten Flugkörpern oder Drohnen ausgesetzt, die im Grenzraum operieren. Nach der Pressemitteilung der Generalstaatsanwältin war auch die Rettungsbehörde an dem Einsatz beteiligt. Die Ministerin für Justiz und Digitales, Liisa-Ly Pakosta, kündigte nach dem Einschlag eine außerordentliche Regierungssitzung zur nationalen Sicherheit an.

Geheimdienstchef warnt vor weiteren ähnlichen Vorfällen Margo Palloson, Generaldirektor des Inlandsgeheimdienstes, ordnete den Vorfall als unmittelbare Folge des anhaltenden Kriegs in der Ukraine ein. „Dies sind die Folgen des groß angelegten Angriffskriegs, den Russland führt. Wir müssen davon ausgehen, dass wir weitere ähnliche Vorfälle erleben werden.” — Margo Palloson via Adnkronos Palloson sagte, er habe das Eintreten von Vorfällen dieser Art bereits zuvor befürchtet. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der seit mehr als vier Jahren andauert, wurden wiederholt Drohnen im Luftraum europäischer NATO-Mitgliedstaaten gesichtet, darunter an Flughäfen und in der Nähe militärischer Einrichtungen in Deutschland, Polen, den baltischen Staaten und Rumänien. Russland und Estland teilen sich eine knapp 300 Kilometer lange Grenze, die Teil der Außengrenze der NATO ist. Nach ukrainischen Militärangaben, auf die sich Berichte stützen, griffen russische Streitkräfte die Ukraine in derselben Nacht mit insgesamt 147 Kampfdrohnen an. 121 davon seien abgeschossen oder durch elektronische Luftabwehr unschädlich gemacht worden. Einschläge seien an 18 Orten in der Ukraine registriert worden.

Auch Lettland meldet Drohnenabsturz aus russischer Richtung Am selben Tag teilten auch die lettischen Behörden mit, dass auf lettischem Gebiet eine Drohne abgestürzt sei, die aus Russland gekommen sei. Darauf verwiesen die lettischen Nationalen Streitkräfte. Am Fundort seien Trümmerteile der Drohne entdeckt worden. Nach Berichten, die in Websuchen auf lettische Meldungen verweisen, sei keine weitere Gefahr für die Sicherheit der Zivilbevölkerung oder für den lettischen Luftraum festgestellt worden. Bei dem Vorfall in Lettland wurden keine Verletzten gemeldet. Die nahezu gleichzeitigen Zwischenfälle in zwei baltischen NATO-Staaten verdeutlichten, wie stark die Region durch fehlgeleitete Flugkörper und Drohnen betroffen ist, die im Zusammenhang mit groß angelegten ukrainischen Angriffen auf russisches Gebiet operieren. Seit Beginn der umfassenden russischen Invasion in die Ukraine im Februar 2022 sind Drohnen und Militärflugzeuge aus Russland wiederholt in den Luftraum von NATO-Mitgliedstaaten an der Ostflanke des Bündnisses eingedrungen. Estland, Lettland und Litauen zählen wegen ihrer direkten Landgrenzen zu Russland oder dessen Verbündetem Belarus zu den am häufigsten betroffenen Staaten. Die baltischen Staaten verlangen als Reaktion auf diese Vorfälle seit Längerem stärkere Luftverteidigungsmaßnahmen der NATO. Estland trat 2004 der NATO bei, und seine östliche Grenze zu Russland verläuft auf einem erheblichen Teil ihrer Länge entlang des Flusses Narva. Die estnische Regierung wollte bei ihrer von Justiz- und Digitalministerin Liisa-Ly Pakosta einberufenen Notsitzung die weiterreichenden Folgen des Drohneneinschlags für die nationale Sicherheit sowie das Muster ähnlicher Vorfälle erörtern.

Die estnischen Behörden machten keine Angaben dazu, ob die Drohne russischer oder ukrainischer Herkunft war. Sie verwiesen jedoch darauf, dass die Ukraine in derselben Nacht zahlreiche Angriffe auf Ziele in Russland ausgeführt habe, darunter auch auf den Hafen Ust-Luga im Finnischen Meerbusen, der an die estnische Küste grenzt.

Mentioned People

  • Margo Palloson — dyrektor generalny estońskiej Służby Bezpieczeństwa Wewnętrznego (Kaitsepolitseiamet) od czerwca 2023 roku
  • Liisa-Ly Pakosta — estońska minister sprawiedliwości i spraw cyfrowych od lipca 2024 roku
  • Astrid Asi — prokurator generalna Estonii

Sources: 17 articles