Nach einem schweren Arbeitsunfall in einer hessischen Gerberei am 16. April 2026 sind drei Arbeiter verstorben. Zwei weitere Personen befinden sich in kritischem Zustand, während Ermittler eine Abfallgrube als Quelle giftigen Kohlenmonoxids untersuchen. Kriminalpolizei und Arbeitsschutzbehörden haben eine gemeinsame Untersuchung der Ursachen eingeleitet.

Drei Todesopfer in Runkel

Drei Arbeiter starben nach einer mutmaßlichen Gasvergiftung in einer Lederfabrik, zwei weitere schweben in Lebensgefahr.

Ursache Abfallgrube

Ermittler vermuten, dass bei Zersetzungsprozessen organischer Abfälle tödliches Kohlenmonoxid oder Schwefelwasserstoff entstand.

Außergewöhnlicher Vorfall

In der hessischen Lederindustrie gab es zwischen 2015 und 2024 statistisch keine tödlichen Arbeitsunfälle.

Bei einer mutmaßlichen Kohlenmonoxidvergiftung in einer Lederfabrik im mittelhessischen Runkel sind am Donnerstag, den 16. April 2026, drei Arbeiter ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen schweben in Lebensgefahr. Die Ermittlungsbehörden konzentrieren sich bei der Untersuchung des Unfalls in der Pelzgerberei auf eine Abfallgrube auf dem Werksgelände als wahrscheinliche Quelle des giftigen Gases. Die Kriminalpolizei hat unterstützt durch Arbeitsschutzbehörden und die zuständige Berufsgenossenschaft Ermittlungen zur Ursache aufgenommen. Am Freitagabend, den 17. April, fand ein Trauergottesdienst für die Verstorbenen und Verletzten statt. Die beiden überlebenden Arbeiter befanden sich laut Polizeiangaben am 18. April weiterhin in Lebensgefahr.

Verrottende Tierabfälle als Quelle des Giftgases vermutet Die spezifischen Abläufe der Lederherstellung schufen laut Martin Kleban, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Lederindustrie mit Sitz in Frankfurt, die Bedingungen für die mutmaßliche Vergiftung. Bei der Bearbeitung von Tierhäuten fallen organische Rückstände an, die bis zur Entsorgung in Abwasser- oder Abfallgruben zwischengelagert werden. Mit der Zeit gärt und verrottet dieses Material, wobei Kohlenmonoxid, Schwefelwasserstoff und andere toxische Gase freigesetzt werden können. Kleban merkte an, dass Schwefelwasserstoff weltweit die häufigste Ursache für tödliche Unfälle in Gerbereien sei und den Geruchssinn lähmen könne, sodass Arbeiter eine lebensbedrohliche Exposition oft nicht rechtzeitig bemerken. „Die meisten schweren Unfälle in einer Gerberei ereignen sich erst nach dem eigentlichen Herstellungsprozess” — Martin Kleban via Frankfurter Allgemeine. Die Lederproduktion umfasst bis zu 40 Bearbeitungsschritte – vom Einweichen und Reinigen der Rohhäute bis hin zur Gerbung und Veredelung –, was sie zu einem chemisch komplexen Betrieb mit mehreren Gefahrenstellen macht.

Seit einem Jahrzehnt kein tödlicher Unfall in hessischer Lederindustrie Der Unfall in Runkel stellt für den Sektor eine statistische Ausnahme dar. Nach Angaben der DGUV wurde zwischen 2015 und 2024 in der hessischen Lederherstellung und -verarbeitung kein einziger tödlicher Arbeitsunfall verzeichnet. Auch die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie meldete für die Jahre 2023 und 2024 keine tödlichen Unfälle in der Lederindustrie im gesamten Bundesgebiet. Branchenübergreifend wurden in Hessen zuletzt jährlich etwa 50.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle registriert (gegenüber mehr als 60.000 im Jahr 2015), wobei die Zahl der Todesfälle üblicherweise zwischen 25 und 40 pro Jahr liegt. Seit Beginn des Jahres 2026 ereigneten sich in Hessen bereits mehrere tödliche Arbeitsunfälle, darunter ein zwischen Laderampe und Anhänger eingeklemmter Arbeiter in Brechen, zwei Abstürze aus einer Windkraftanlage in Birstein und ein durch eine herabstürzende Baumkrone getöteter Forstarbeiter in Nordhessen. Der Fall in Runkel wird von Ermittlern und Branchenvertretern vor diesem Hintergrund als außergewöhnlich bezeichnet.

2015: 60000, 2025: 50000

0 (tödliche Unfälle) — Todesfälle in der Lederindustrie in Hessen, 2015–2024

Die deutsche Lederindustrie ist in den letzten Jahrzehnten erheblich geschrumpft, da sich die Produktion in Regionen mit größerem Angebot an Tierhäuten verlagert hat, darunter Nord- und Südamerika, China und Indien. Dem Verband der Deutschen Lederindustrie zufolge umfasst der Sektor in Deutschland noch mehr als 70 Hersteller mit rund 2.000 Beschäftigten, womit das Land hinter Italien und Spanien der drittgrößte Lederproduzent Europas ist. Die Branche unterliegt strengen Umwelt- und Sicherheitsauflagen, einschließlich obligatorischer Abwasserüberwachung. Die gesetzliche Unfallversicherung für Beschäftigte in der Privatwirtschaft wird in Deutschland durch Berufsgenossenschaften verwaltet, die arbeitgeberfinanziert sind und auch Entschädigungen sowie Rehabilitation für Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten leisten.

Psychologische Betreuung für Rettungskräfte nach belastendem Einsatz Die Einsatzkräfte vor Ort waren nach der Bergung erheblichen psychischen Belastungen ausgesetzt. Kreisbrandinspektor René Schultheis vom Landkreis Limburg-Weilburg beschrieb den Einsatz mit deutlichen Worten. „Das war ein trauriger und belastender Einsatz” — René Schultheis via N-tv. Führungskräfte beobachteten die Helfer genau; bei Anzeichen von Belastung oder Verhaltensänderungen wurden diese an die Notfallseelsorge vermittelt. Diese Maßnahmen folgen den Standardprotokollen für Einsätze mit mehreren Todesopfern. Zudem rückte die finanzielle und praktische Unterstützung für die Familien der Verstorbenen und die zwei Verletzten in den Fokus, für die im privaten Sektor primär die Berufsgenossenschaften zuständig sind.

Mentioned People

  • René Schultheis — Powiatowy komendant straży pożarnej powiatu Limburg-Weilburg
  • Martin Kleban — Dyrektor zarządzający Związku Niemieckiego Przemysłu Skórzanego

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