Das kanadische Start-up Cohere übernimmt den Heidelberger Konkurrenten Aleph Alpha, um einen neuen Champion für „souveräne KI“ zu formen. Unterstützt wird die Fusion von der Schwarz-Gruppe, die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe sowie Rechenzentrumskapazitäten in Brandenburg zugesagt hat. Bei einer Pressekonferenz in Berlin betonten Regierungsvertreter beider Länder die strategische Bedeutung des Zusammenschlusses gegenüber der US-amerikanischen und chinesischen Dominanz.

Übernahme von Aleph Alpha

Das kanadische Start-up Cohere übernimmt Aleph Alpha, um einen Champion für souveräne KI-Lösungen zu bilden.

Beteiligung der Schwarz-Gruppe

Der Handelsriese investiert 585 Millionen Dollar und stellt ein 11 Milliarden Euro teures Rechenzentrum als Infrastruktur bereit.

Bewertung und Struktur

Die Bewertung des neuen Unternehmens wird auf 20 Milliarden Dollar geschätzt; Cohere hält künftig 90 Prozent der Anteile.

Fokus auf Datensouveränität

Die Allianz zielt auf Regierungen und regulierte Industrien ab, die Alternativen zur US-amerikanischen und chinesischen KI-Technologie suchen.

Das kanadische Start-up für künstliche Intelligenz Cohere hat am Freitag die Übernahme des deutschen KI-Unternehmens Aleph Alpha angekündigt. Ziel des Zusammenschlusses ist es, Regierungen und regulierten Branchen „souveräne KI-Dienste“ anzubieten, die eine Alternative zu den führenden Technologieanbietern aus den USA und China darstellen sollen. Das Vorhaben wurde im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt, an der der deutsche Bundesminister für Digitales, Karsten Wildberger, sowie der kanadische Minister für künstliche Intelligenz und digitale Innovation, Evan Solomon, teilnahmen. Letzterer war eigens für diesen Anlass nach Berlin gereist. Die Schwarz-Gruppe, ein Großaktionär von Aleph Alpha, verpflichtete sich im Zuge dessen, 585 Millionen Dollar in die kommende Finanzierungsrunde von Cohere zu investieren und die Cloud-Infrastruktur für das fusionierte Unternehmen bereitzustellen. Die Financial Times schätzt den Wert des neuen Gesamtunternehmens unter Berufung auf firmennahe Kreise auf 20 Milliarden Dollar, wenngleich weder die Minister noch die Unternehmensführung bei der Pressekonferenz finanzielle Einzelheiten nannten. Das kombinierte Unternehmen wird unter dem Namen Cohere firmieren, wobei Cohere laut Handelsblatt 90 Prozent der Anteile an der neuen Einheit halten wird.

Berliner Pressekonferenz unterstreicht politische Tragweite Wildberger bezeichnete die Ankündigung als Wendepunkt für die technologische Zukunft Deutschlands und sprach von einem „Wegweiser für die technologische Zukunft unseres Landes“. Neben Vertretern der Schwarz-Gruppe war auch Cohere-Chef Aidan Gomez, einer der Mitbegründer des Unternehmens, in Berlin vor Ort. Gomez betonte, dass Organisationen die Kontrolle über ihre eigene KI-Infrastruktur behalten müssten – ein Kernargument für das Modell der souveränen KI, das beide Unternehmen verfolgen wollen. Evan Solomon, der seit Mai 2025 als kanadischer Minister für künstliche Intelligenz amtiert, beschrieb die Allianz als „erst den Anfang“, dem weitere Schritte folgen würden. „„Die globale Landschaft konsolidiert sich rasant, und wir müssen sicherstellen, dass die Macht nicht in den Händen einiger weniger dominanter Akteure konzentriert bleibt.“” — Evan Solomon via France 24 Francois Chadwick, Finanzvorstand von Cohere, erklärte gegenüber Reuters, dass sich das Unternehmen zur Nutzung europäischer Infrastruktur und zur Einhaltung der in Europa geltenden Souveränitätsvorgaben verpflichte. Deutschland soll der Ankündigung zufolge der zweite globale Hauptsitz der Gruppe werden.

Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe im Zentrum der Strategie Die finanzielle und infrastrukturelle Rolle der Schwarz-Gruppe ist zentral für die Struktur des Geschäfts. Der Konzern errichtet derzeit ein neues Rechenzentrum in Lübbenau, Brandenburg, mit einem Investitionsvolumen von 11 Milliarden Euro, das als souveräne Cloud-Infrastruktur für die neue Cohere-Einheit dienen soll. Die Zusage der Schwarz-Gruppe über 585 Millionen Dollar soll laut Wall Street Journal sowohl in Form von Direktinvestitionen als auch als Budget für Forschung und Entwicklung fließen. 6,8 (Milliarden USD) — Bewertung von Cohere in der letzten Finanzierungsrunde Cohere hatte im vergangenen Sommer bereits 500 Millionen Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von 6,8 Milliarden Dollar eingesammelt; die nun prognostizierte Bewertung von 20 Milliarden Dollar entspräche somit einer erheblichen Steigerung. Aleph Alpha, das einst als deutsche Antwort auf OpenAI galt, hatte sich 2024 strategisch neu ausgerichtet und den Fokus von großen Sprachmodellen auf maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen verschoben – eine Richtung, die Cohere bereits verfolgt. Ein Sprecher von Aleph Alpha gab an, dass das Unternehmen inzwischen die Entwicklung eines größeren Modells für Business-to-Business-Anwendungen unter Nutzung von Kundendaten wieder aufgenommen habe.

Meilensteine der Fusion zwischen Cohere und Aleph Alpha: — ; — ; — ; —

Aleph Alpha mit Sitz in Heidelberg wurde von der Bundesregierung lange als europäische Antwort auf das Silicon Valley im Bereich KI beworben. Das Unternehmen hatte ursprünglich versucht, durch den Aufbau großer Sprachmodelle und Chatbots direkt mit OpenAI zu konkurrieren, bevor Schwierigkeiten bei der Marktdurchdringung 2024 zur strategischen Neuausrichtung führten. Cohere wiederum konzentriert sich seit 2019 auf konfigurierbare KI-Software für Firmenkunden und zählt unter anderem Nvidia zu seinen Partnern. Das Streben nach europäischer KI-Souveränität hat an Dynamik gewonnen, seit die Europäische Union Pläne für den Bau sogenannter KI-Gigafabriken auf dem Kontinent angekündigt hat, von denen eine in Deutschland entstehen soll.

Kritik an staatlich forcierter Fusion Der Deal stieß bei Kommentatoren auch auf Skepsis. Es wurde hinterfragt, ob eine politisch motivierte Fusion strukturelle Nachteile Europas im KI-Sektor beheben kann. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gab zu bedenken, dass Cohere und Aleph Alpha auch gemeinsam noch klein im Vergleich zu Schwergewichten wie OpenAI oder Anthropic seien. Die Zeitung mutmaßte, die Attraktivität von Aleph Alpha für Cohere liege primär in der Aussicht auf staatliche Aufträge aus Deutschland und weniger in technologischer Parität. Zudem hätte die Bundesregierung die Angebote von Cohere auch ohne eine Fusion erwerben können. Kritiker betonten, Europa benötige vor allem bessere Rahmenbedingungen – einen stärkeren Binnenmarkt, besseren Zugang zu Wachstumskapital und flexiblere Regulierung –, was durch den Zusammenschluss nicht direkt adressiert werde. Cohere beabsichtigt, mithilfe der Bestandskontakte von Aleph Alpha das Geschäft mit europäischen Regierungen und Akteuren aus regulierten Branchen auszubauen. Die Frankfurter Allgemeine warnte zudem davor, dass der Staat vorzeitig einen Gewinner im Wettbewerb um vertrauenswürdige KI küren könnte, anstatt Marktkräfte entscheiden zu lassen. Bewertung von Cohere vor und nach der Fusion: Bewertung Cohere (Sommer 2025) (before: 6,8 Milliarden Dollar, after: ); Geschätzte Bewertung des Gesamtunternehmens (April 2026) (before: , after: 20 Milliarden Dollar (laut FT))

Mentioned People

  • Karsten Wildberger — Federalny minister cyfryzacji i modernizacji państwa w gabinecie Merza
  • Evan Solomon — Kanadyjski minister ds. sztucznej inteligencji i innowacji cyfrowych
  • Dieter Schwarz — Miliarder, właściciel Grupy Schwarz (Lidl i Kaufland)
  • Aidan Gomez — Prezes zarządu Cohere
  • Francois Chadwick — Dyrektor finansowy Cohere

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