Frankreichs Lebensmittelbehörde Anses warnt vor einer breiten Belastung mit Cadmium. Nach einer am 25. März 2026 veröffentlichten Studie überschreiten 47,6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung die als sicher geltenden Grenzwerte. Besonders betroffen sind Grundnahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Kartoffeln und Getreideprodukte, über die sich das Schwermetall im Körper anreichert.
Fast die Hälfte der Erwachsenen belastet
Laut Anses überschreiten 47,6 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Frankreich die toxikologischen Referenzwerte für Cadmium.
Dünger als wichtigste Quelle
Die Behörde macht vor allem Phosphatdünger für die Belastung verantwortlich und fordert deutlich strengere Grenzwerte.
Besondere Risiken für Frauen und Kinder
Ein möglicher Zusammenhang mit Eisenmangel trifft Frauen besonders häufig; auch Kinder gelten als belastet.
Frankreichs Lebensmittelbehörde hat am 25. März 2026 gewarnt, dass nahezu die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung des Landes die sicheren Belastungswerte für Cadmium überschreitet. Cadmium ist ein krebserregendes Schwermetall, das sich über alltägliche Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Kartoffeln und Getreide im Körper anreichert. Anses veröffentlichte die Ergebnisse am Mittwoch nach einer zweijährigen Studie, die als erste umfassende Untersuchung der Cadmium-Exposition in der französischen Bevölkerung über den gesamten Lebensverlauf beschrieben wurde. 47.6 (%) — Anteil der französischen Erwachsenen, die die toxikologischen Referenzwerte für Cadmium überschreiten Géraldine Carne, Toxikologin und Koordinatorin des Berichts, sagte auf einer Pressekonferenz, die Belastung in Frankreich liege bis zu drei- bis viermal höher als in vergleichbaren europäischen Ländern. Lebensmittel machten bei Nichtrauchern bis zu 98 Prozent der Cadmium-Exposition aus, teilte die Behörde mit. Zu den wichtigsten Quellen zählten Grundnahrungsmittel wie Frühstückscerealien, Brot, Gebäck, Pasta, Reis und Kartoffeln. Anses bezeichnete die Lage als „besorgniserregend“ und forderte ein „rasches und entschlossenes“ Vorgehen.
„Nahezu die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung [47,6 Prozent] überschreitet die toxikologischen Referenzwerte.” — Géraldine Carne via RFI
Cadmium ist ein Schwermetall, das natürlicherweise in Böden vorkommt. In einigen französischen Regionen mit Kalkstein-Geologie – darunter Champagne, Jura und Charente – werden von Natur aus erhöhte Grundwerte gemessen. Seine Konzentration in landwirtschaftlich genutzten Böden steigt durch den Einsatz von Phosphatdüngern, die auf Feldern weit verbreitet eingesetzt werden, um das Pflanzenwachstum zu fördern. Studien aus mehreren Jahrzehnten zeigen steigende Belastungswerte in Frankreich und ordnen das Land damit dauerhaft vor seine europäischen Nachbarn ein. Cadmium gilt als krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsschädigend. Der Körper scheidet es nur schwer aus, weshalb es sich über das Leben hinweg anreichert.
Dünger treibt Belastung auf das Drei- bis Vierfache europäischer Werte Die Hauptursache der Belastung ist nach Angaben von Anses der Einsatz von mineralischen Phosphatdüngern in der Landwirtschaft. Sie bringen Cadmium in die Böden, aus denen die Pflanzen das Metall dann über die Wurzeln aufnehmen. Die Behörde erklärte, die geltenden Grenzwerte für Cadmium in Lebensmitteln seien „nicht ausreichend schützend“ und müssten gesenkt werden. Anses empfahl konkret, strengere Grenzwerte für Cadmium in Phosphatdüngern so schnell wie möglich einzuführen. Vorgeschlagen wird ein Höchstwert von 20 (mg/kg) — vorgeschlagener neuer Cadmium-Grenzwert in Phosphatdüngern Milligramm pro Kilogramm. Der derzeitige Grenzwert liegt in Frankreich bei 90 Milligramm pro Kilogramm und in der Europäischen Union bei 60 Milligramm pro Kilogramm. Die Behörde warnte zudem, dass bei unverändert hoher Belastung und ohne zusätzliche Maßnahmen die negativen gesundheitlichen Langzeitfolgen in einem wachsenden Teil der Bevölkerung zunehmen dürften. Anses forderte Maßnahmen für den gesamten Agrarsektor und nicht nur für Landwirte. Genannt wurden weniger Cadmiumeinträge aus Düngern, Tierabfällen und Klärschlamm. Eine Sanierung der Böden werde nach Einschätzung von Fachleuten Jahre dauern, unabhängig von den beschlossenen Schritten, weil Cadmium dauerhaft im Boden verbleibt.
Cadmium-Grenzwerte in Phosphatdüngern: Maximaler Cadmiumgehalt in Phosphatdüngern (before: 90 mg/kg (Frankreich aktuell) / 60 mg/kg (EU aktuell), after: 20 mg/kg (von Anses vorgeschlagener Grenzwert))
Frankreich: 4, Belgien: 1, England: 1, Italien: 1
Frauen und Kinder besonders gefährdet wegen Zusammenhang mit Eisenmangel Pierre Souvet, Kardiologe und Präsident der Association Santé et Environnement France, wies auf eine besondere Verwundbarkeit von Frauen, Kindern und schwangeren Frauen hin. Wenn einem Protein, das Metalle vom Verdauungstrakt in den Körper transportiert, Eisen, Zink oder Kupfer fehlen, nimmt Cadmium deren Platz ein. Dieser Mechanismus betrifft Frauen besonders häufig, von denen 25 Prozent unter Eisenmangel leiden, unter anderem wegen des Menstruationszyklus. Frauen weisen im Durchschnitt 0,68 Mikrogramm Cadmium im Urin auf, Männer 0,47 Mikrogramm, sagte Souvet. Die von Souvet zitierte Esteban-Studie komme zu dem Ergebnis, dass Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren inzwischen Cadmiumwerte aufweisen, die fast denen von Erwachsenen entsprechen, die vor zehn Jahren gemessen wurden. Das spreche für eine beschleunigte Belastung bereits im jüngsten Alter. Raucher sind zusätzlich belastet, weil Tabak selbst Cadmium enthält. In diesem Zusammenhang sei der Rauchstopp eine gesundheitspolitische Priorität. Souvet riet dazu, den Ferritinwert messen zu lassen und bei Eisenmangel einen Arzt aufzusuchen.
„Frauen sind stärker belastet, weil beim Verzehr von Lebensmitteln mit Cadmium, etwa Kartoffeln oder Brot, ein Protein Metalle aus dem Verdauungstrakt in den Körper transportiert. Wenn diesem Protein andere Metalle wie Eisen, Zink oder Kupfer fehlen, übernimmt Cadmium ihren Platz.” — Pierre Souvet via BFMTV
Hülsenfrüchte laut Behörde zehnmal weniger belastet als Getreide Anses räumte ein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wegen der weit verbreiteten Belastung im Lebensmittelsystem nur begrenzten Handlungsspielraum hätten. Es sei „nicht sinnvoll, Empfehlungen allein nach individuellen Entscheidungen zu formulieren“, hieß es. Gleichwohl empfahl die Behörde, den Konsum von Weizenprodukten mit geringem Nährwert wie Frühstückscerealien, Kuchen und Keksen zu verringern und stärker auf Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen zu setzen. Diese seien zehnmal weniger belastet als Getreide, so die Behörde. Schokolade, die häufig wegen ihres Cadmiumgehalts genannt werde, bezeichnete Carne als nur „geringen Beitrag“, weil sie trotz höherer Belastung pro Einheit in kleineren Mengen verzehrt werde als getreidebasierte Grundnahrungsmittel. Carne sagte, eine breite Palette von Lebensmitteln sei mit Cadmium belastet, darunter Gemüse, Getreideprodukte, Kartoffeln, bestimmte Meeresfrüchte und Schokolade. Die weitergehenden Empfehlungen der Behörde zielten auf einen Systemwechsel ab – also auf weniger Cadmiumeinträge an der landwirtschaftlichen Quelle – statt die Verantwortung für das Risikomanagement auf einzelne Verbraucher abzuwälzen. Anses forderte die Regierung auf, „an der Quelle“ zu handeln und die gesetzlichen Grenzwerte für Cadmium in Düngemitteln „so schnell wie möglich“ zu senken.
„Wir haben eine große Bandbreite an Lebensmitteln, die mit Cadmium belastet sind. Das gilt für Gemüse, Getreideprodukte, Kartoffeln, bestimmte Meeresprodukte oder, noch bekannter, Schokolade.” — Géraldine Carne via Franceinfo
Mentioned People
- Géraldine Carne — Toksykolog i koordynatorka badania Anses dotyczącego narażenia na kadm
- Pierre Souvet — Kardiolog i prezes Association Santé et Environnement France (ASEF)
Sources: 17 articles
- "Pourquoi le cadmium se retrouve-t-il dans nos aliments ?" : deux experts répondent à vos questions (Franceinfo)
- "Une accélération de la contamination dès le plus jeune âge": dans le pain, le chocolat... pourquoi sommes nous si exposés au cadmium? (BFMTV)
- Tout comprendre au cadmium, ce métal toxique qui contamine l'alimentation des Français (France 24)
- PODCAST : Un métal dangereux dans le pain, les pâtes, le chocolat: pourquoi la moitié des français est surexposée au cadmium (BFMTV)
- Dans nos assiettes, un poison silencieux nommé cadmium (Franceinfo)
- France sees sharp rise in cadmium exposure from everyday foods (RFI)
- Le cadmium s'invite un peu trop dans nos assiettes (Le Soir)
- Las autoridades sanitarias francesas instan a tomar medidas urgentes por la sobreexposición al cadmio: recomiendan limitar el consumo de cereales, pan y pasta (EL MUNDO)
- Cadmium dans l'alimentation : l'Anses tire la sonnette d'alarme face à une menace silencieuse (SudOuest.fr)
- Cadmium : faute d'arrêter de manger pain et patates, il est urgent d'agir sur la contamination des sols (Ouest France)