Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann hat vor dem größten Lehrermangel in der Geschichte des Landes gewarnt. Der Landeselternrat fordert nun, dass die SPD/CDU-Koalition im nächsten Haushalt der Bildung Vorrang gibt. Hintergrund sind zugleich steigende Schülerzahlen und ein sich verschärfender Mangel an Lehrkräften.
Rekord-Lehrermangel im neuen Schuljahr
Bildungsminister Gordon Hoffmann warnt vor der bislang größten Personalnot an Brandenburger Schulen.
Elternrat fordert Bildungsvorrang im Haushalt
Der Landeselternrat verlangt, dass die SPD/CDU-Koalition bei den nächsten Ausgaben Bildung voranstellt.
Zwei Millionen ausfallende Stunden
Nach Angaben des Elternrats gehen derzeit rund zwei Millionen Unterrichtsstunden pro Jahr verloren oder finden nicht planmäßig statt.
Kürzungen und Mehrarbeit verschärfen die Lage
345 gestrichene Vollzeitstellen und eine zusätzliche Wochenstunde für die meisten Lehrkräfte haben den Druck erhöht.
Hoffnung auf Quereinsteiger
Der Elternrat hält neue Quereinsteiger weiterhin für einen möglichen Weg, den Mangel zu lindern.
Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann hat am Donnerstag gewarnt, dass das Land im kommenden Schuljahr vor seinem bislang größten Lehrermangel steht. Der Landeselternrat verlangte daraufhin, dass die SPD/CDU-Koalition die Ausgaben für Bildung im nächsten Haushalt priorisiert. Hoffmann, der seit 2026 Minister ist, äußerte sich vor dem Bildungsausschuss des Landtags und sagte, die Kombination aus einem Höchststand bei den Schülerzahlen und einem sich verschärfenden Lehrkräftemangel werde das Schulsystem vor eine bislang nicht gekannte Belastung stellen. Er sagte, er könne nicht zusichern, dass die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr auf dem bisherigen Niveau gehalten werde.
Der Elternrat reagierte auf die Warnung mit der Forderung an die Koalitionspartner, bei der Aufstellung des nächsten Haushalts ausreichend Mittel bereitzustellen. Sprecher Matthias Knoll sagte der Deutschen Presse-Agentur, Investitionen in Bildung müssten die zentrale Priorität des Haushalts sein.
Zwei Millionen ausfallende Unterrichtsstunden alarmieren den Elternrat Der Landeselternrat beschrieb das Ausmaß der bereits bestehenden Krise in einem internen Schreiben und warnte, die Lage habe sich schon lange vor dem prognostizierten Höhepunkt verschlechtert. Dem Schreiben zufolge gehen derzeit etwa zwei Millionen Unterrichtsstunden pro Jahr verloren oder können nicht wie geplant stattfinden. Der Rat erklärte, der Koalitionsvertrag sehe zwar die Schaffung von 250 zusätzlichen Stellen vor, um das Verhältnis von Schülern zu Lehrkräften zu stabilisieren, eine Stabilisierung allein reiche aber nicht aus, vielmehr sei eine spürbare Verbesserung nötig. Der Elternrat erklärte, er sehe die Sicherung der Stundenpläne in ernster Gefahr. Zugleich äußerte er sich unterstützend zur Bürgerinitiative „Unterricht statt Ausfall“, die gegen den flächendeckenden Ausfall von Unterricht kämpft. Knoll äußerte vorsichtige Hoffnung, dass Quereinsteiger weiterhin gewonnen werden könnten, um den Mangel zu lindern.
Haushaltskürzungen und Mehrarbeit befeuerten Lehrerproteste Die Krise hat sich im laufenden Schuljahr weiter aufgebaut, auch weil Lehrkräfte gezielt reduziert wurden. Im Haushalt 2025 wurden 345 (Vollzeitstellen) — 345 Vollzeit-Lehrstellen im Brandenburger Haushalt 2025 gestrichen, was Hoffmann zufolge unmittelbar dazu geführt habe, dass im vergangenen Schuljahr viele Quereinsteiger nicht eingestellt werden konnten. Verschärft wurde die Personalnot dadurch, dass die meisten Lehrkräfte in Brandenburg seit der zweiten Hälfte des laufenden Schuljahres eine zusätzliche Wochenstunde unterrichten müssen. Diese Maßnahme löste Proteste unter den Lehrkräften aus. Die Kombination aus weniger Lehrkräften und einer höheren Belastung für die Verbleibenden hat das System schon vor dem, was Hoffmann als kommenden „absoluten Höhepunkt“ bezeichnete, sichtbar unter Druck gesetzt.
„Im kommenden Schuljahr werden wir den absoluten Höhepunkt erleben, mit der höchsten Zahl an Schülern in Brandenburg und dem größten Lehrermangel.” — Gordon Hoffmann via Der Tagesspiegel
Brandenburg ist ein Bundesland im Nordosten Deutschlands, das die Hauptstadt Berlin umschließt; Landeshauptstadt ist Potsdam. Lehrermangel ist in den vergangenen Jahren in mehreren deutschen Bundesländern ein wiederkehrendes Problem gewesen, unter anderem wegen demografischer Faktoren wie einer alternden Lehrerschaft und steigender Schülerzahlen. Die SPD/CDU-Koalition in Brandenburg steht bei der Aufstellung künftiger Ausgabenpläne unter konkurrierendem Haushaltsdruck, während Bildungspolitiker argumentieren, dass Kürzungen bei Lehrstellen strukturelle Personalprobleme verschärft hätten. Brandenburger Lehrkräfte — Auswirkungen des Haushalts 2025: Vollzeit-Lehrstellen (before: Stand vor 2025, after: Um 345 Vollzeitstellen reduziert); Wöchentliche Unterrichtsstunden pro Lehrkraft (before: Übliche vertragliche Stunden, after: Seit der zweiten Hälfte des Schuljahres um eine zusätzliche Stunde erhöht)
Eltern hoffen auf Kurswechsel bei der Einstellung Der Appell des Landeselternrats kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die SPD/CDU-Koalition einen neuen Haushalt ausarbeiten will. Für die Befürworter von mehr Bildungsausgaben bleibt damit nur ein enges Zeitfenster, um noch vor Beginn des nächsten Schuljahres Einfluss auf die Entscheidungen zu nehmen. Knoll äußerte verhaltenen Optimismus, dass das Haushaltsverfahren doch noch einen Weg eröffnen könne, mehr Quereinsteiger zu gewinnen, und nannte dies eine mögliche Lösung, die noch nicht ausgeschlossen sei. Das interne Schreiben des Rates machte zugleich deutlich, dass die derzeitigen Regelungen des Koalitionsvertrags, die auf Stabilisierung statt auf Ausbau setzen, nicht ausreichen, um den Trend zu verlorenen Unterrichtsstunden umzukehren. Der Elternrat wertete den Haushalt als direkten Test für das Bekenntnis der Koalition zur Bildung. Hoffmann wiederum gab keine Zusicherung, dass die Unterrichtsversorgung auf dem Niveau gehalten werden könne, das die Brandenburger Schulen bisher erreicht hätten. Damit liegt die Erwartung nun vor allem auf den anstehenden Haushaltsverhandlungen.
Mentioned People
- Gordon Hoffmann — Minister edukacji, młodzieży i sportu kraju związkowego Brandenburgia od 2026 roku
- Matthias Knoll — Rzecznik Rady Rodziców Kraju Związkowego Brandenburgii (Landeselternrat)
Sources: 3 articles
- Brandenburgs Eltern dringen auf mehr Geld für Schulen (stern.de)
- Brandenburgs Eltern dringen auf mehr Geld für Schulen (Süddeutsche Zeitung)
- Schulen: Brandenburgs Eltern dringen auf mehr Geld für Schulen (Der Tagesspiegel)
- Mehr Deutsch an Brandenburgs Grundschulen: Opposition spricht von Mogelpackung im Koalitionsvertrag (Der Tagesspiegel)
- Volle Klassen, leere Lehrerzimmer: Brandenburg steuert auf historischen Lehrermangel zu (Berliner Zeitung)