Bei den theoretischen Führerscheinprüfungen in Deutschland sind 2025 nach Angaben des TÜV-Verbands 4.239 Betrugsversuche registriert worden. Das sind knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig sind Nordrhein-Westfalen und Berlin, während der Verband zugleich von einer hohen Dunkelziffer ausgeht.
Bundesweit erneut mehr Betrugsversuche
2025 wurden 4.239 Betrugsversuche bei theoretischen Führerscheinprüfungen erfasst. Das war ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Nordrhein-Westfalen und Berlin besonders auffällig
Nordrhein-Westfalen lag mit 1.378 Fällen vorn. Berlin verzeichnete mit 497 Fällen den stärksten Zuwachs.
Organisation wird professioneller
Mehr als die Hälfte der Fälle gilt inzwischen als professionell organisiert. Häufig kommen technische Hilfsmittel oder Ersatzkandidaten zum Einsatz.
TÜV warnt vor Dunkelziffer
Der Verband geht davon aus, dass viele Fälle unentdeckt bleiben. Die veröffentlichten Zahlen seien daher eher eine Untergrenze.
Forderung nach Strafrecht
Der TÜV-Verband verlangt wirksamere Sanktionen und will organisierten Prüfungsbetrug als Straftat behandelt sehen.
Deutschland hat bei theoretischen Führerscheinprüfungen im Jahr 2025 4.239 Betrugsversuche registriert, ein Anstieg um ein Prozent gegenüber 4.198 Fällen im Vorjahr, wie neue Zahlen des TÜV-Verbands zeigen. Nordrhein-Westfalen meldete mit 1.378 Fällen die höchste Zahl an Betrugsversuchen und damit fast ein Drittel aller bekannten Fälle bundesweit. Berlin verzeichnete den stärksten Zuwachs unter allen Bundesländern: Dort wurden 497 Fälle entdeckt, nach 399 im Jahr 2024, also rund 25 Prozent mehr. Bayern lag mit 449 Fällen auf Platz drei. Am unteren Ende der Skala meldete das Saarland mit 19 Fällen die wenigsten Fälle aller Länder; im Vorjahr waren es 40 gewesen. Mecklenburg-Vorpommern kam auf 23 Fälle, Schleswig-Holstein verzeichnete einen leichten Rückgang auf 135 nach 141 im Jahr 2024.
Das Schummeln bei theoretischen Führerscheinprüfungen gilt in Deutschland seit Jahren als wachsendes Problem. Bundesweit stiegen die Fälle von 3.759 im Jahr 2023 auf 4.198 im Jahr 2024 und erreichten 2025 schließlich 4.239. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, belegt seit mehreren Jahren den Spitzenplatz bei entdeckten Betrugsversuchen. Der TÜV-Verband hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die offiziellen Zahlen die tatsächliche Dimension des Problems wahrscheinlich deutlich unterschätzen, weil viele Fälle unentdeckt bleiben.
2023: 3759, 2024: 4198, 2025: 4239
Mehr als die Hälfte der Fälle ist inzwischen professionell organisiert Die Methoden beim Schummeln werden nach Angaben des Verbands immer ausgefeilter. Mehr als die Hälfte aller Betrugsversuche sei inzwischen professionell organisiert. Nach Angaben des TÜV-Verbands sind 52 bis 53 Prozent der Fälle professionell organisiert, das heißt, sie beruhen auf abgestimmten Strukturen und nicht auf einzelnen Kandidaten, die allein handeln. In 36 (Prozent) — der Fälle kamen technische Hilfsmittel wie Minikameras oder kaum sichtbare Ohrstöpsel zum Einsatz. Klassische Spickzettel blieben mit 44 Prozent die häufigste Einzelmethode. Sogenannte Ersatzkandidaten — also Personen, die sich als die eigentliche Prüfungsperson ausgeben und die Prüfung an deren Stelle ablegen — wurden in 17 Prozent der Fälle festgestellt. Fani Zaneta, Beraterin für Führerscheine und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband, sagte, hinter den Betrugskonzepten stünden häufig Helfer von außen, die aus der Ferne technische Unterstützung leisteten oder sich als Fahrschüler ausgäben. „Oft sind andere Personen beteiligt, die dem Prüfling technische Unterstützung leisten, Lösungen aus der Ferne übermitteln oder sich als Fahrschüler ausgeben” — Fani Zaneta via Zeit Online
Klasse B dominiert die Betrugsversuche, TÜV fordert Strafrecht Die große Mehrheit der Betrugsversuche richtete sich gegen die am häufigsten abgefragte Führerscheinkategorie. 96 (Prozent) — der Betrugsversuche betrafen den Pkw-Führerschein der Klasse B. Nach Angaben des TÜV-Verbands bezogen sich nahezu alle bekannten Fälle auf den Führerschein der Klasse B für Personenkraftwagen. Zaneta bezeichnete den organisierten Prüfungsbetrug nicht als Bagatelle und argumentierte, die Folgen reichten über den Prüfungsraum hinaus bis hin zur allgemeinen Verkehrssicherheit. Der TÜV-Verband fordert wirksame Sanktionen und hat sich dafür ausgesprochen, organisierte Betrugssysteme nach deutschem Recht als Straftat zu behandeln. „Organisierter Prüfungsbetrug ist keine Bagatelle” — Fani Zaneta via Zeit Online Der Verband betonte außerdem, dass die offiziellen Zahlen die tatsächliche Dimension des Problems mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht abbildeten, weil nur ein Teil der Betrugsversuche während der Prüfungen entdeckt werde.
Verborgene Fälle dürften die offiziellen Zahlen deutlich übersteigen Der TÜV-Verband machte deutlich, dass die veröffentlichten Zahlen eher als Untergrenze denn als Obergrenze zu verstehen seien. Zaneta sagte, der Verband gehe von einer großen Dunkelziffer nicht entdeckter Betrugsfälle aus, weil Prüfer nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens feststellen könnten. Die Stabilisierung der Zahlen auf hohem Niveau statt eines spürbaren Rückgangs verstärke die Sorge des Verbands, dass die derzeitigen Entdeckungs- und Abschreckungsmechanismen nicht ausreichten. In Schleswig-Holstein wurden bei insgesamt 67.327 Theorieprüfungen 135 Verstöße entdeckt; die erkannte Betrugsquote lag damit bei 0,2 Prozent. Das zeigt, wie klein der Anteil der bekannten Fälle an der Gesamtzahl der Prüfungen ist. Die Forderung des TÜV-Verbands nach Sanktionen auf strafrechtlichem Niveau spiegelt die Einschätzung wider, dass reine Verwaltungsstrafen das Wachstum organisierter Betrugsnetzwerke, die in mehreren Bundesländern aktiv sind, bisher nicht ausreichend gebremst haben.
Klassische Spickzettel: 44%, Technische Hilfsmittel (Kameras/Ohrstöpsel): 36%, Ersatzkandidaten/Doubles: 17%, Sonstiges: 3%
Mentioned People
- Fani Zaneta — Doradczyni ds. praw jazdy i bezpieczeństwa drogowego w Stowarzyszeniu TÜV
Sources: 13 articles
- Hamburg & Schleswig-Holstein: Prüfungsbetrug bei Führerschein - Dutzende Fälle in Hamburg (N-tv)
- Sachsen-Anhalt: Weniger Führerschein-Betrugsversuche in Sachsen-Anhalt (N-tv)
- Weniger Führerschein-Betrugsversuche in Sachsen-Anhalt - WELT (DIE WELT)
- Führerscheinprüfung: Berlin verzeichnet stärksten Anstieg bei Betrugsversuchen (Berliner Zeitung)
- Spicken in der Fahrprüfung: Mehr Führerschein-Betrüger in Niedersachsen (ZEIT ONLINE)
- Mehr Führerschein-Betrüger in Niedersachsen - WELT (DIE WELT)
- Betrug bei Führerschein-Prüfungen in MV - WELT (DIE WELT)
- Weniger Führerschein-Betrugsversuche in Brandenburg - WELT (DIE WELT)
- Berlin & Brandenburg: Weniger Führerschein-Betrugsversuche in Brandenburg (N-tv)
- Weniger Führerschein-Betrugsversuche in Brandenburg (stern.de)