Nach der Entlassung des langjährigen Geschäftsführers Olivier Nora haben am Mittwochabend zwischen 115 und 140 Autoren ihren Rückzug vom Verlag Éditions Grasset angekündigt. Die Unterzeichner eines offenen Briefes werfen dem Eigentümer und Milliardär Vincent Bolloré vor, die redaktionelle Unabhängigkeit des Hauses zu untergraben. Unter den Abwandernden befinden sich renommierte Schriftsteller wie Virginie Despentes, Bernard-Henri Lévy und Frédéric Beigbeder.
Massenhafter Autorenaustritt
Bis zu 140 namhafte Autoren verlassen den Verlag Grasset aus Protest gegen die Entlassung des Geschäftsführers Olivier Nora.
Kritik an Vincent Bolloré
Die Autoren werfen dem Milliardär eine ideologische Vereinnahmung des Verlagswesens und die Zerstörung der redaktionellen Unabhängigkeit vor.
Umstrittener Führungswechsel
Nora wurde nach 26 Jahren durch Jean-Christophe Thiery ersetzt; Berichte deuten auf persönliche und politische Differenzen mit Bolloré hin.
Zwischen 115 und 140 Autoren des Verlags Grasset gaben am Mittwochabend ihren kollektiven Austritt bekannt. Anlass ist die Entlassung des langjährigen Geschäftsführers Olivier Nora, die die Autoren als „unannehmbaren Schlag gegen die redaktionelle Unabhängigkeit“ bezeichneten. Der Schritt sei vom Milliardär Vincent Bolloré orchestriert worden. Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes mit dem Titel „Wir sind 115 Autoren, die Grasset verlassen“ gehören einige der bekanntesten Namen der französischen Gegenwartsliteratur: Virginie Despentes, Bernard-Henri Lévy, Frédéric Beigbeder, Sorj Chalandon, Vanessa Springora, Yann Moix, Lydie Salvayre, Pascal Bruckner und Dany Laferrière. Nora, der Grasset seit dem Jahr 2000 leitete, wurde am 14. April 2026 nach 26 Jahren an der Spitze abberufen. Jean-Christophe Thiery, stellvertretender Generaldirektor von Hachette Livre, wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Laut einer Pressemitteilung von Hachette Livre erklärte Nora, er sei „stolz darauf, die Farben des Hauses über 26 Jahre hinweg in völliger Unabhängigkeit vertreten zu haben“. „Meine Verbundenheit mit dem Haus Grasset ist allgemein bekannt. Ich bin stolz darauf, seine Farben 26 Jahre lang in völliger Unabhängigkeit vertreten zu haben.” — Olivier Nora via La Libre.be Autoren werfen Bolloré ideologische Einflussnahme vorDer kollektive Brief richtet sich direkt gegen Vincent Bolloré, den Hauptaktionär von Vivendi und die treibende Kraft hinter der Muttergesellschaft von Hachette Livre. Die Autoren werfen ihm vor, die literarische Produktion „vereinheitlichen“ und das Verlagswesen für ideologische Zwecke „instrumentalisieren“ zu wollen. „Wieder einmal sagt Vincent Bolloré: ‚Ich bin hier bei mir zu Hause und mache, was ich will‘ – unter Missachtung derer, die unsere Bücher veröffentlichen, unterstützen, lektorieren, korrigieren, herstellen und vertreiben.” — Autorenkollektiv via Agence France-Presse In dem Schreiben betonten die Autoren, sie würden nicht zulassen, dass ihre Ideen und Werke zu „seinem Eigentum“ werden. „Le Figaro“ berichtete, die Unterzeichner sähen in Noras Entlassung eine Bestätigung ihrer Befürchtungen hinsichtlich der Ausrichtung der Gruppe seit der Übernahme durch Bolloré. Einem Bericht von „Libération“ zufolge, der von „La Libre.be“ zitiert wurde, soll Bolloré missfallen haben, dass Nora den Konkurrenzverleger Antoine Gallimard über den Wechsel des Autors Boualem Sansal zu Grasset informiert hatte. Zudem habe Bolloré sich über Noras zurückhaltendes Auftreten bei der 200-Jahr-Feier von Hachette geärgert – einer Veranstaltung, an der unter anderem Jordan Bardella, Éric Zemmour und Marion Maréchal teilnahmen. „Le Nouvel Obs“ berichtete zudem, Nora sei möglicherweise entlassen worden, weil er sich weigerte, ein Werk von Nicolas Diat zu veröffentlichen, einem Autor des Verlags Fayard, der eng mit Bolloré verbunden ist. Laut „Le Temps“ erfuhr Nora erst aus der Presse von seiner Entlassung, ohne vorherige direkte Benachrichtigung. „Bolloré tötet Grasset. Es ist ein Todesstoß. Ein Schuss aus nächster Nähe auf eines der ältesten französischen Verlagshäuser. Man hat selten erlebt, dass ein Chef sein eigenes Kapital derart mit Füßen tritt.” — Pascal Bruckner via France Inter, zitiert in La Libre.beGrasset wurde 1907 gegründet und firmiert seit der Fusion im Jahr 1967 als Grasset & Fasquelle. Das Haus gilt seit langem als eine der Säulen der französischen Literaturkultur. Vincent Bolloré baut seit über zehn Jahren seine Medien- und Verlagsbeteiligungen in Frankreich konsequent aus. Er erwarb unter anderem Canal+, CNews, Europe 1, das „Journal du Dimanche“, die Kommunikationsgruppe Havas, das Umfrageinstitut CSA und den Verlag Fayard, bevor er die Kontrolle über Hachette Livre übernahm. Die Ereignisse beim „Journal du Dimanche“ im Jahr 2023, als Bolloré den rechtsgerichteten Chefredakteur Geoffroy Lejeune einsetzte, lösten einen langwierigen Journalistenstreik aus, der die Ernennung letztlich jedoch nicht verhindern konnte.Sorge in der Verlagsbranche über Ausweitung des MedienimperiumsDie Entlassung löste innerhalb der gesamten Hachette-Livre-Gruppe, zu der laut „Le Temps“ rund fünfzig Verlage wie Calmann-Lévy und Larousse gehören, erhebliche Unruhe aus. Kommentatoren und Autoren zogen direkte Vergleiche zur Übernahme des „Journal du Dimanche“, bei der ein ähnliches Muster der Verdrängung der Redaktionsleitung zu beobachten war. „Le Soir“ beschrieb den Austausch Noras durch einen namentlich kaum bekannten Vertrauten des bretonischen Tycoons und merkte an, dass Arnaud Lagardère, der Erbe des Hachette-Imperiums, Nora zwar halten wollte, aber nicht über genügend Einfluss verfügte. „Was hier geschieht, ist von enormer Bedeutung. Olivier Nora wurde wie ein gewöhnlicher Schurke vor die Tür gesetzt – von Menschen ohne Emotionen und Sensibilität. Heute Morgen wachte ich auf und sagte mir: Die Welt hat sich verändert.” — Patrick Roegiers via La Libre.be „Le Temps“ ordnete die Vorgänge in eine allgemeine „Trumpisierung“ des französischen Verlagswesens ein. Bollorés ideologische Agenda, die bereits bei CNews, Europe 1 und Fayard sichtbar sei, dringe nun in die historisch unabhängige Literaturwelt des Quartier Latin vor. Die zeitliche Nähe zum Beginn der Pariser Buchmesse verstärkte die symbolische Tragweite des Vorgangs. 140 (Autoren) — Autoren kündigen aus Protest ihren Abschied von Grasset an Bis Mittwochabend hatte die Geschäftsführung von Lagardère laut „Le Figaro“ noch nicht öffentlich auf den massenhaften Abgang reagiert.
Mentioned People
- Olivier Nora — Francuski wydawca, prezes zarządu Éditions Grasset od 2000 roku do dymisji w kwietniu 2026 roku.
- Vincent Bolloré — Francuski przemysłowiec, właściciel mediów i miliarder; główny udziałowiec Grupy Bolloré.
- Jean-Christophe Thiery — Francuski menedżer, wiceprezes Hachette Livre, mianowany następcą Oliviera Nory.
- Arnaud Lagardère — Francuski lider biznesu, obecny szef Grupy Lagardère.
- Virginie Despentes — Francuska pisarka i reżyserka, sygnatariuszka listu o odejściu z wydawnictwa.
- Bernard-Henri Lévy — Francuski intelektualista i autor, który zrezygnował ze współpracy z Grasset.
- Frédéric Beigbeder — Francuski pisarz i krytyk literacki należący do protestującej grupy.
- Jordan Bardella — Francuski polityk, prezes partii Zjednoczenie Narodowe.
- Éric Zemmour — Francuski polityk prawicowy, lider partii Rekonkwista.
Sources: 25 articles
- Contre la mainmise de Bolloré, 115 auteurs claquent la porte de Grasset (20minutes)
- "Nous ne voulons pas que notre travail, soit la propriété de Vincent Bolloré" : retrouvez la lettre ouverte des 115 auteurs annonçant leur départ de Grasset (Le Figaro.fr)
- Edition: 115 auteurs annoncent quitter Grasset en ciblant Vincent Bolloré (Mediapart)
- Face au rouleau compresseur Bolloré, l'urgence d'une riposte (Le Soir)
- 115 auteurs annoncent quitter Grasset après le licenciement " inacceptable " de son PDG, selon une lettre commune (Ouest France)
- " Nous ne signerons pas notre prochain livre chez Grasset " : après le licenciement d'Olivier Nora, 140 auteurs quittent la maison d'édition (Le Parisien)
- 115 auteurs quittent Grasset après le licenciement "inacceptable" de son PDG, Olivier Nora (Le Figaro.fr)
- Départ d'Olivier Nora, fronde des auteurs... Que se passe-t-il chez Grasset ? (SudOuest.fr)
- " Je suis atterré " : Antoine Boussin, ex-directeur commercial de Grasset, commente l'éviction d'Olivier Nora (Ouest France)
- Face Bolloré, que vont faire les auteurs et autrices de Grasset ? (Le Soir)