Der Präsident des argentinischen Fußballverbandes (AFA), Claudio Tapia, wurde am Montag wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung und Unregelmäßigkeiten bei Sozialabgaben angeklagt. Dem Verband und seiner Führung wird vorgeworfen, dem Staat einen Schaden in Höhe von rund 19 Milliarden Pesos verursacht zu haben. Die Ermittlungen fallen in eine politisch angespannte Phase kurz vor der Weltmeisterschaft 2026.

Anklage gegen Verbandsspitze

AFA-Präsident Claudio Tapia und vier weitere Funktionäre werden der Steuerhinterziehung und fehlerhafter Sozialabgaben beschuldigt.

Finanzieller Schaden

Die Steuerbehörden beziffern den mutmaßlichen Verlust für den argentinischen Staat auf rund 19 Milliarden Pesos.

Politischer Konflikt

Die AFA sieht in dem Verfahren ein Manöver von Präsident Milei, um die Privatisierung von Fußballvereinen zu erzwingen.

Claudio Tapia, Präsident des argentinischen Fußballverbandes (AFA), ist am Montag, dem 30. März, infolge einer Anzeige der nationalen Steuerbehörden wegen Steuerhinterziehung angeklagt worden. Neben Tapia richten sich die Ermittlungen gegen vier weitere führende Funktionäre der AFA; zudem wird gegen den Verband als juristische Person vorgegangen. Die Anklage wirft der AFA und ihren Verantwortlichen vor, Steuern hinterzogen und fehlerhafte Sozialversicherungsbeiträge geleistet zu haben. Der dem Staat entstandene Schaden wird auf etwa 19 Milliarden Pesos geschätzt, was rund 11,8 Millionen Euro entspricht. Die fünf Beschuldigten waren bereits am 12. März 2026 vor dem zuständigen Richter erschienen, knapp drei Wochen bevor die Entscheidung öffentlich bekannt wurde. Das Verfahren erfolgt weniger als zwei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft 2026, bei der Argentinien als amtierender Weltmeister antritt. AFA bezeichnet Strafverfolgung als politisches Instrument MileisDie AFA wies die Vorwürfe umgehend zurück und stufte das juristische Vorgehen als politisch motiviertes Manöver des argentinischen Präsidenten Javier Milei ein. Damit solle der nationale Fußballverband zur Zustimmung zu Mileis Reformagenda gedrängt werden. Der Präsident fordert, dass argentinische Fußballvereine – die derzeit als gemeinnützige Vereine organisiert sind – in Sportaktiengesellschaften umgewandelt werden. Dieses Vorhaben steht im Widerspruch zu den Statuten der AFA und stößt auf breiten Widerstand bei den Klubs im ganzen Land. Um ihren Protest gegen die Regierungspläne auszudrücken, traten die Vereine während des neunten Spieltags der ersten Liga, der ursprünglich für Anfang des Monats angesetzt war, in den Streik. Die AFA legte keine konkreten Beweise für die Behauptung einer politischen Einflussnahme vor, doch der Zeitpunkt der Anklage kurz vor der Weltmeisterschaft verstärkt die Debatte.19 Milliarden (argentinische Pesos) — geschätzter Steuerschaden durch mutmaßliche HinterziehungDie AFA ist bereits seit 2017 Gegenstand gesonderter Ermittlungen wegen mutmaßlicher Geldwäsche. Dieses Verfahren dauert an und ist rechtlich von dem aktuellen Steuerhinterziehungsprozess zu trennen. Historisch sind argentinische Fußballklubs als gemeinnützige zivilrechtliche Vereinigungen organisiert – ein Modell, das die Sportstruktur des Landes seit Jahrzehnten prägt. Die Bestrebungen, Vereine in börsennotierte Unternehmen umzuwandeln, folgen Vorbildern aus anderen südamerikanischen Märkten, stießen in Argentinien jedoch aufgrund der tiefen kulturellen Verwurzelung des Vereinsmodells stets auf Gegenwehr. Weltmeisterschaft verschärft die Lage für den argentinischen FußballDie Anklage erfolgt zu einem für den argentinischen Fußball hochgradig sensiblen Zeitpunkt, da die Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft 2026 unmittelbar bevorsteht. Tapia kommt als AFA-Präsident eine Schlüsselrolle bei der administrativen und logistischen Vorbereitung der Nationalmannschaft zu. Da die Strafanzeige direkt von den staatlichen Steuerbehörden ausgeht, handelt es sich um ein Verfahren einer staatlichen Institution und nicht um eine Privatklage – eine Differenzierung, die in der politischen Argumentation der AFA kaum Berücksichtigung findet. Da die Föderation zudem als juristische Person angeklagt ist, drohen der Organisation selbst, nicht nur einzelnen Führungspersonen, juristische Konsequenzen. Das seit 2017 laufende Geldwäscheverfahren erhöht den institutionellen Druck auf den Verband in einer Phase intensiver öffentlicher und regierungspolitischer Beobachtung weiter. Streik der Vereine als Zeichen gegen KommerzialisierungsreformDie Entscheidung der Klubs, den neunten Spieltag der Meisterschaft zu bestreiken, gilt als seltener Akt des kollektiven Widerstands gegen die politische Agenda eines amtierenden Präsidenten. Die von Milei angestrebte Reform würde die rechtliche und finanzielle Architektur des argentinischen Fußballs grundlegend verändern und den Weg von mitgliedergeführten Vereinen hin zu aktionärsorientierten Unternehmensstrukturen ebnen. Kritiker der Reform befürchten einen Verlust der demokratischen Mitbestimmung innerhalb der Klubs und eine Konzentration des Eigentums bei privaten Investoren. Die Statuten der AFA stehen diesem Modell explizit entgegen, was sowohl rechtliche als auch politische Hürden für Mileis Pläne schafft. Mit der förmlichen Anklage wegen Steuerhinterziehung und der bevorstehenden Weltmeisterschaft ist der Konflikt zwischen der Regierung und dem Fußballverband in eine neue Phase mit erheblicher juristischer Tragweite getreten.

Mentioned People

  • Claudio Tapia — Prezes Argentyńskiego Związku Piłki Nożnej oraz Liga Profesional de Fútbol
  • Javier Milei — 59. Prezydent Argentyny

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