In Paris hat die Polizei in der Nacht zu Samstag einen 17-Jährigen festgenommen, als er nach Angaben der Ermittler einen Sprengsatz vor den Büros der Bank of America entzünden wollte. Ein zweiter Verdächtiger flüchtete und wird weiter gesucht. Die Staatsanwaltschaft für Terrorismusdelikte leitete ein Verfahren wegen des versuchten Brandanschlags im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung ein.
Festnahme in der Rue de la Boétie
Die Pariser Polizei stoppte einen 17-Jährigen, als er einen Sprengsatz vor der Bank of America zünden wollte.
Anwerbung über Snapchat
Der Verdächtige sagte laut Polizeiquellen, er sei über Snapchat angeworben und mit 600 Euro bezahlt worden.
Ermittlungen mit Terrorbezug
PNAT, Kriminalpolizei und DGSI prüfen, wer hinter dem Anschlagsversuch steht.
Französische Polizisten haben in den frühen Morgenstunden des Samstag, 28. März 2026, einen 17 Jahre alten Verdächtigen festgenommen, als er versuchte, einen vor den Büros der Bank of America in der Rue de la Boétie im 8. Arrondissement von Paris platzierten selbstgebauten Sprengsatz zu entzünden. Damit wurde nach Angaben der Behörden ein terroristischer Anschlag vereitelt. Die Festnahme erfolgte gegen 3.25 Uhr Ortszeit, wie Reuters unter Berufung auf die französische Zeitung Le Parisien berichtete. Eine zweite Person, die am Tatort anwesend war und offenbar als Späher fungierte oder den Vorfall filmte, floh, bevor die Polizei sie festnehmen konnte, und ist weiter auf der Flucht. Die PNAT leitete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf „versuchte Zerstörung durch Feuer oder gefährliche Mittel im Zusammenhang mit einer terroristischen Unternehmung“ ein. Die Bank of America teilte mit, sie sei über die Lage informiert und stehe mit den Behörden in Kontakt.
Sprengsatz mit Pulver gefüllt, Verdächtiger per Snapchat für 600 Euro angeworben Der improvisierte Sprengsatz bestand aus einem transparenten Fünf-Liter-Kanister mit Flüssigkeit, die eine Quelle als vermutlich Kohlenwasserstoff beschrieb, sowie einer Zündladung mit rund 650 (Gramm) — 650 Gramm Sprengpulver in der Ladung des Geräts, wie Le Parisien unter Berufung auf Reuters berichtete und mehrere französische Medien bestätigten. Der Verdächtige wurde auf frischer Tat ertappt, als er mit einem Feuerzeug die Zündschnur anzuzünden versuchte und eine Streifenwagenbesatzung der Pariser Polizei eingriff. Bei der Vernehmung sagte die festgenommene Person den Ermittlern nach Angaben einer von BFMTV und 20minutes zitierten Polizeiquelle, er sei über das soziale Netzwerk Snapchat angeworben worden und habe 600 Euro dafür erhalten, den Anschlag auszuführen. Er habe angegeben, 17 Jahre alt und senegalesischer Staatsangehöriger zu sein, und eine Adresse im Département Seine-Saint-Denis genannt. Nach Angaben von 20minutes war er der Polizei bereits wegen Drogendelikten bekannt. Das Gerät wurde gesichert und an Forensiker im Pariser Polizeilabor übergeben. Nach Angaben von Franceinfo standen die Pariser Polizeikräfte in der Gegend seit einer Woche unauffällig in Alarmbereitschaft, nachdem ein ausländischer Geheimdienst vor einer möglichen terroristischen Bedrohung gegen die Bank gewarnt hatte, ohne ein Datum zu nennen.
Innenminister zieht direkte Linie zum Nahostkrieg und zu iranischen Netzwerken Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez stellte den vereitelten Angriff am Samstagabend bei einem Auftritt auf BFMTV in einen Zusammenhang mit dem andauernden Krieg im Nahen Osten. „Ich stelle einen Zusammenhang her mit den Aktionen, die in Nachbarländern durchgeführt wurden, erfolgreich waren und anschließend von einer kleinen Gruppe beansprucht wurden, die sich auf den Konflikt bezog” — Laurent Nuñez via BFMTV Nuñez verwies ausdrücklich auf ähnliche Vorfälle in den Niederlanden und in Belgien — darunter Lüttich und Antwerpen —, die dem Pariser Versuch ähnelten, wie La Libre.be und 20minutes berichteten. Eine pro-iranische islamistische Splittergruppe, die über einen Telegram-Kanal mit dem Namen „Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia“ operiert und Anfang März aufgetaucht war, hatte in den vergangenen Tagen mehrere Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Europa für sich reklamiert, darunter eine Synagoge in Lüttich, wie 20minutes berichtete. Eine von Franceinfo zitierte französische Sicherheitsquelle bezeichnete den Pariser Vorfall als „die Konkretisierung der iranischen Drohungen gegen amerikanische und israelische Interessen überall in Europa“. Quellen aus Ermittlerkreisen sagten der Frankfurter Allgemeinen, eine Verbindung zu iranischen Drohungen gegen israelische und amerikanische Unternehmen in Europa werde für wahrscheinlich gehalten. „Die Wachsamkeit bleibt auf einem höheren Niveau als je zuvor. Ich gratuliere allen Sicherheits- und Nachrichtendiensten, die unter meiner Autorität im gegenwärtigen internationalen Kontext voll mobilisiert sind” — Laurent Nuñez via Reuters
Frankreich sieht sich seit Längerem einer erhöhten terroristischen Bedrohung ausgesetzt, wobei Netzwerke mit Iran-Bezug die inländischen Nachrichtendienste besonders beschäftigen. Nach Angaben von BFMTV überwacht der französische Inlandsgeheimdienst, die DGSI, mehrere Dutzend Personen auf französischem Boden, die im Verdacht stehen, Verbindungen zu iranischen Netzwerken und zur libanesischen Hisbollah zu haben; 15 von ihnen stünden unter besonders enger Beobachtung. Der BFMTV-Bericht verwies darauf, dass Anfang 2024 ein Mitglied eines als DZ Mafia bekannten kriminellen Netzwerks über einen Mittelsmann angeworben worden sei, um Geschäftsräume mit Israel-Bezug in der Nähe von Toulouse und Lyon in Brand zu setzen. Seit Beginn des US-Israel-Kriegs gegen Iran am 28. Februar 2026 stehen nach Angaben von BFMTV in Frankreich ein Dutzend iranische Oppositionsfiguren unter Polizeischutz. Europäische Sicherheitsbehörden haben seit Beginn dieses Konflikts den Schutz iranischer Dissidenten, jüdischer Einrichtungen sowie israelischer und amerikanischer Interessen allgemein verstärkt.
Ermittlungen an Pariser Kriminalpolizei und DGSI übergeben Die Ermittlungen zu dem Anschlagsversuch in Paris seien gemeinsam der polizeilichen Kriminalabteilung von Paris und der DGSI, Frankreichs wichtigstem Inlandsgeheimdienst, übertragen worden, bestätigte Innenminister Nuñez am Samstag in einem Beitrag in den sozialen Medien. Die Ermittler arbeiten nun daran, den Drahtzieher der Operation zu identifizieren; die Kriminalbrigade führe die Ermittlungen und werde von der DGSI unterstützt, berichtete Franceinfo. Die Art der Anwerbung — über kriminelle Mittelsmänner, die den eigentlichen Auftraggeber nicht kennen — entspreche Methoden, die dem iranischen Al-Qods Force und der Auslandsoperationszelle der libanesischen Hisbollah zugeschrieben werden, so BFMTV. Die Polizeidirektion von Paris lehnte eine Stellungnahme zu dem Fall ab, und das Antiterror-Staatsanwaltschaftsamt reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage von Reuters. Am Samstagabend hatte nach den vorliegenden Berichten keine Gruppe offiziell Verantwortung für den Pariser Versuch übernommen. Der zweite Verdächtige, der vom Tatort geflohen war, befand sich weiter auf freiem Fuß; die Behörden suchten aktiv nach ihm, wie BFMTV berichtete.
Mentioned People
- Laurent Nuñez — prefekt policji Paryża i były krajowy koordynator ds. wywiadu oraz walki z terroryzmem
Sources: 54 articles
- Bank of America : qui est derrière l'attentat déjoué ? (Franceinfo)
- Ministro do Interior francês liga atentado a guerra no Médio Oriente (Notícias ao Minuto)
- Attentat déjoué à Paris: Laurent Nuñez fait "le lien" avec la guerre au Moyen-Orient (BFMTV)
- Attentat déjoué à Paris : le ministre de l'Intérieur fait " le lien " avec la guerre au Moyen-Orient (Le Soir)
- Ce que l'on sait sur l'attentat déjoué contre la Bank of America à Paris (20minutes)
- La policía francesa frustra un intento de "atentado terrorista" en una sede del Banco de América (LaVanguardia)
- Un attentat visant la Bank of America déjoué à Paris (Franceinfo)
- Terror probe after suspect 'tries to detonate bomb' at US bank in Paris (The Independent)
- Attentat déjoué à Paris: Laurent Nuñez fait "le lien" avec les actions de Liège et Anvers (La Libre.be)
- Sprengstoffanschlag auf Bank in Paris vereitelt (Frankfurter Allgemeine)