Eine umfangreiche Recherche der New York Times benennt den britischen Kryptographen Adam Back als den bisher unbekannten Bitcoin-Gründer Satoshi Nakamoto. Die Journalisten John Carreyrou und Dylan Freedman stützen sich auf eine über einjährige digitale Forensik-Analyse von E-Mails und Forenbeiträgen. Back, der die Vorwürfe umgehend zurückwies, verfügte laut Schätzungen der Kryptobörse Arkham über ein Vermögen von rund 1,1 Millionen Bitcoins im Wert von etwa 73 Milliarden US-Dollar.
Identifizierung durch Linguistik
Die New York Times nutzt KI-Analysen und forensische Linguistik, um Adam Back als Satoshi Nakamoto zu identifizieren.
Dementi von Adam Back
Der Blockstream-CEO bestreitet die Vorwürfe und spricht von Zufällen und Bestätigungsfehlern in der Recherche.
Massives Bitcoin-Vermögen
Die Identität ist mit der Kontrolle über ca. 1,1 Millionen Bitcoins (ca. 73 Mrd. USD) verknüpft.
Skepsis in der Wissenschaft
Experten wie Stephen Murdoch sehen Indizien, vermissen aber einen eindeutigen Beweis für die Täterschaft Backs.
Die New York Times hat am 8. April 2026 eine Untersuchung veröffentlicht, die den britischen Kryptographen Adam Back als Satoshi Nakamoto identifiziert, den unter einem Pseudonym agierenden Schöpfer von Bitcoin. Der Bericht unter der Leitung des Journalisten John Carreyrou und seines Kollegen Dylan Freedman basiert auf einer mehr als einjährigen digitalen forensischen Analyse von archivierten E-Mails und Forenbeiträgen aus mehreren Jahrzehnten. Back, der CEO des Blockchain-Technologieunternehmens Blockstream und Erfinder von Hashcash, wies die Behauptungen umgehend auf der Plattform X zurück und erklärte, er sei nicht Satoshi Nakamoto. Wer auch immer hinter der Identität Nakamotos steht, kontrolliert schätzungsweise 1,1 Millionen Bitcoins – ein Vermögen, das von der Kryptobörse Arkham auf rund 73 Milliarden US-Dollar taxiert wird. Die Veröffentlichung hat die Kryptowelt erschüttert und eine Debatte neu entfacht, die seit dem Start von Bitcoin im Jahr 2009 anhält.
KI grenzt 34.000 Verdächtige auf einen Namen ein Carreyrous Untersuchung begann nach der Sichtung der HBO-Dokumentation „Money Electric: Das Bitcoin-Geheimnis“ aus dem Jahr 2024. Diese hatte den kanadischen Softwareentwickler Peter Todd als Nakamoto bezeichnet – ein Ergebnis, das Carreyrou nicht überzeugte. Sein Verdacht konzentrierte sich auf Back, nachdem er bemerkt hatte, dass dieser in der Dokumentation sichtlich anspannend reagierte, als er gefragt wurde, ob er Satoshi sei. Carreyrou und Freedman analysierten daraufhin Archive der Mailinglisten von Cypherpunks, Cryptography und Hashcash aus dem Zeitraum von 1992 bis zum 30. Oktober 2008 und verglichen diese mit den bekannten Schriften Satoshis. Ausgehend von einem Pool von 34.000 Verdächtigen grenzte die Analyse das Feld auf acht Personen ein, indem gemeinsame Schreibbesonderheiten identifiziert wurden. Dazu gehörten die Verwendung von zwei Leerzeichen zwischen Sätzen, das Beenden von Sätzen mit „also“ sowie britische Schreibweisen. Die Ermittler glichen diese acht Personen gegen weitere stilistische Merkmale ab – etwa den Wechsel zwischen „e-mail“ und „email“, „cheque“ und „check“ sowie britische und amerikanische Varianten des Wortes „optimize“. Dabei ergab sich lediglich eine Übereinstimmung. „Wir fragten unsere Datenbank dann: Wie viele der verbliebenen acht Verdächtigen wechselten zwischen 'e-mail' und 'email', 'e-cash' und 'electronic cash', 'cheque' und 'check' sowie den britischen und amerikanischen Formen des Wortes 'optimize', so wie Satoshi es tat. Die Antwort lautete: nur einer, Herr Back.” — John Carreyrou via The New York Times Carreyrou stellte zudem fest, dass Back in Beiträgen auf der Cypherpunks-Mailingliste zwischen 1997 und 1999 ein elektronisches Bargeldsystem beschrieb, das Bitcoin verblüffend ähnlich war. Zudem war Back in Kryptographie-Foren genau in den Jahren inaktiv, in denen Satoshi am aktivsten war, und tauchte erst nach Satoshis Verschwinden im Jahr 2011 wieder auf.
Back nennt Ähnlichkeiten Zufall, Konfrontation in El Salvador Carreyrou konfrontierte Back während einer Bitcoin-Konferenz in El Salvador direkt. Er beschrieb, dass Back errötet sei und sich unruhig verhalten habe, als er mit den Beweisen konfrontiert wurde. Laut Carreyrous Bericht unterlief Back ein verbaler Ausrutscher, als er so sprach, als sei er Satoshi selbst – ein Moment, der für den Journalisten letzte Zweifel ausräumte. Back wies dies alles zurück und bezeichnete die Ähnlichkeiten als „eine Kombination aus Zufall und ähnlichen Redewendungen von Menschen mit vergleichbaren Erfahrungen und Interessen“. Nach der Veröffentlichung des Artikels dementierte er die Behauptungen auch öffentlich auf X. „Ich weiß ebenfalls nicht, wer Satoshi ist, und ich halte es für Bitcoin förderlich, dass dies so ist. Es hilft dabei, Bitcoin als neue Anlageklasse zu betrachten, als mathematisch begrenztes digitales Gut.” — Adam Back via The Guardian Back bezeichnete Carreyrous Schlussfolgerungen laut einem Bericht von El Confidencial zudem als Ergebnis von „Bestätigungsfehlern“ (Confirmation Bias). Die Reaktionen in der Krypto-Branche und in akademischen Kreisen fielen geteilt aus; während einige Beobachter die Indizienkette als stichhaltig empfanden, blieben andere skeptisch.
Akademiker skeptisch, Nakamotos Vermögen bleibt ein Faktor Stephen Murdoch, Professor für Informatik am University College London, räumte ein, dass die Untersuchung plausible Indikatoren aufgezeigt habe, wollte sich der Schlussfolgerung jedoch nicht anschließen. „Es gibt Hinweise darauf, dass er es sein könnte, aber es gibt keinen eindeutigen Beweis.” — Stephen Murdoch via The Guardian Murdoch fügte hinzu, dass er persönlich weiterhin auf Hal Finney setzen würde, einen Softwareentwickler, der die erste Bitcoin-Transaktion von Satoshi erhielt – ein Detail, das darauf hindeute, dass Satoshi und Finney dieselbe Person gewesen sein könnten. Die Bedeutung der Identifizierung ist erheblich: Nakamotos Bestand von etwa 1,1 Millionen Bitcoins stellt eines der größten Privatvermögen der Welt dar, wobei Schätzungen in verschiedenen Berichten zwischen 70 und 78 Milliarden US-Dollar liegen. Der Fall des Australiers Craig Wright, der jahrelang versuchte, gerichtlich als Bitcoin-Erfinder anerkannt zu werden und Ende 2024 unter anderem wegen Belästigung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, verdeutlicht die Tragweite der Nakamoto-Identität. Carreyrou, der zuvor den Betrug um Theranos aufdeckte und den Bestseller „Bad Blood“ schrieb, arbeitete über ein Jahr mit Freedman aus dem KI-Team der New York Times an der Recherche. Trotz der Fülle an Indizien bleibt das Rätsel um Satoshi Nakamotos wahre Identität aufgrund des Dementis von Back und des Fehlens eines letzten Beweises offiziell ungelöst.
Bitcoin wurde 2008 durch ein neunseitiges Whitepaper unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto eingeführt, das ein dezentrales Peer-to-Peer-System für elektronisches Bargeld beschrieb. Die Kryptowährung startete 2009, und Nakamoto blieb in Foren wie Bitcointalk aktiv, bevor er um 2011 aus der Öffentlichkeit verschwand. Im Laufe der Jahre wurden von Journalisten und Forschern mehrere Kandidaten für die Identität Nakamotos vorgeschlagen, darunter Nick Szabo, Hal Finney und Craig Wright, von denen jedoch keiner definitiv bestätigt werden konnte. Hashcash, das 1997 von Adam Back entwickelte Proof-of-Work-System, wurde in Nakamotos ursprünglichem Whitepaper direkt als grundlegende Referenz zitiert. Der finnische Programmierer Martti Malmi, der in der Anfangsphase mit Satoshi zusammenarbeitete, veröffentlichte ein Archiv mit hunderten E-Mails, die mit Nakamoto ausgetauscht wurden und sich später als entscheidend für die Untersuchung der New York Times erwiesen.
Mentioned People
- Adam Back — Brytyjski kryptograf i cypherpunk, prezes Blockstream oraz wynalazca Hashcash
- John Carreyrou — Francusko-amerykański reporter śledczy „The New York Times”, dwukrotny laureat Nagrody Pulitzera
- Dylan Freedman — Dziennikarz i badacz zaangażowany w dochodzenie „The New York Times”
- Craig Wright — Australijski informatyk, który wcześniej utrzymywał, że jest Satoshim Nakamoto
- Nick Szabo — Informatyk i kryptograf znany z badań nad walutami cyfrowymi
- Peter Todd — Konsultant w dziedzinie kryptografii stosowanej i programista Bitcoina
Sources: 15 articles
- Le New York Times assure avoir démasqué le mystérieux créateur du bitcoin, l'intéressé nie en bloc (Le Figaro.fr)
- Adam Back Denies He Is Satoshi Nakamoto in Response to Times Investigation (The New York Times)
- British computer scientist denies he is bitcoin developer Satoshi Nakamoto (The Guardian)
- Il New York Times è sicuro di aver scoperto il nome di chi ha creato Bitcoin (lastampa.it)
- Satoshi Nakamoto, il papà del Bitcoin non è più un cripto-mistero. Il Nyt ne svela l'identità (La Repubblica.it)
- Our quest not to solve bitcoin's great mystery (Financial Times News)
- Scoperta l'identità dell'inventore dei Bitcoin, Satoshi Nakamoto è Adam Back": lui smentisce (Fanpage)
- ¿Quién se esconde detrás de Satoshi Nakamoto? El 'New York Times' destapa al multimillonario que creó el Bitcoin (pero él lo niega categóricamente) (El Confidencial)
- The New York Times Claims It Finally Unmasked Satoshi Nakamoto (This Time for Real) (Gizmodo)
- New York Times, l'inventore del Bitcoin è il britannico Adam Back - Ultima ora - Ansa.it (ANSA.it)