Eine Jury in New Mexico hat Meta Platforms zu 375 Millionen US-Dollar Zivilstrafe verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts täuschte der Konzern Verbraucher über die Sicherheit seiner Plattformen und erleichterte die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger. Meta kündigte Berufung an. Der Fall gilt als erste Niederlage des Unternehmens in einem staatlichen Verfahren wegen Taten auf den eigenen Plattformen.
Jury verurteilt Meta zu 375 Millionen Dollar
Eine Jury in Santa Fe sah es als erwiesen an, dass Meta Verbraucher über die Sicherheit seiner Plattformen täuschte und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger ermöglichte.
Urteil nach sechs Wochen Prozess
Die Entscheidung fiel nach sechs Wochen Verhandlung und weniger als einem Tag Beratungszeit. Grundlage war der Unfair Practices Act von New Mexico.
Ermittler arbeiteten verdeckt auf den Plattformen
Staatliche Ermittler gaben sich als Minderjährige aus. Zudem spielten interne Dokumente, Zeugenaussagen und die Aktion „Operation MetaPhile“ eine wichtige Rolle.
Meta will Berufung einlegen
Sprecher Andy Stone wies das Urteil zurück. Das Unternehmen verweist auf eigene Schutzmaßnahmen für Jugendliche und will die Entscheidung anfechten.
Fall könnte weitere Klagen stärken
Das Urteil fällt in eine Phase zahlreicher Verfahren gegen große Plattformen in den USA und könnte den Druck auf die Branche erhöhen.
Eine Jury im US-Bundesstaat New Mexico hat Meta Platforms am 24. März 2026 zur Zahlung von 375 Millionen US-Dollar an Zivilstrafen verpflichtet. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass das Unternehmen Verbraucher über die Sicherheit seiner Plattformen irreführte und die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger ermöglichte. Damit erlitt der Social-Media-Konzern erstmals in einem Verfahren vor einem staatlichen Gericht eine Niederlage wegen Handlungen, die auf seinen Plattformen begangen wurden. Das in Santa Fe tagende State District Court befand Meta in beiden Punkten für haftbar, die der Bundesstaat auf Grundlage des Unfair Practices Act geltend gemacht hatte. Die Jury setzte dabei jeweils die Höchststrafe von 5.000 Dollar pro Verstoß an, bis die Gesamtsumme von 375 Millionen Dollar erreicht war. Das Urteil fiel nach sechs Wochen Verhandlung und nach weniger als einem Tag Beratungszeit der Geschworenen. New Mexicos Generalstaatsanwalt Raúl Torrez, der die Klage im Dezember 2023 eingereicht hatte, sprach von einem historischen Erfolg für die Sicherheit von Kindern. Meta erklärte über seinen Sprecher Andy Stone, das Unternehmen werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen. Die Strafe ist in absoluten Zahlen erheblich, bleibt aber deutlich unter den rund 2 Milliarden Dollar, die Torrez ursprünglich gefordert hatte. 375 (million USD) — von einer Jury in New Mexico gegen Meta verhängte Zivilstrafe
Verdeckte Ermittlungen und Hinweisgeber prägten den sechswöchigen Prozess Im Zentrum des Verfahrens stand umfangreiches Beweismaterial staatlicher Ermittler, die sich als minderjährige Nutzer ausgaben, um Fälle von Kontaktanbahnung auf Metas Plattformen zu dokumentieren. In der Klageschrift wurde Instagram als „Nährboden“ für sexuelle Ausbeutung beschrieben. Der Klage war eine zweijährige Untersuchung des Guardian vorausgegangen, die im April 2023 veröffentlicht wurde. Darin wurde offengelegt, wie Facebook und Instagram zu Marktplätzen für den Kindersexhandel geworden seien. Auf diese Recherche wurde in der Klage mehrfach Bezug genommen. Interne Meta-Dokumente und Aussagen, die das Justizministerium von New Mexico beschafft hatte, zeigten nach Darstellung der Klägerseite, dass sowohl Beschäftigte des Unternehmens als auch externe Kinderschutzexperten Meta wiederholt vor Risiken auf seinen Plattformen gewarnt hatten. Zu den der Jury vorgelegten Belegen gehörten auch Einzelheiten einer Aktion aus dem Jahr 2024, die von der Generalstaatsanwaltschaft „Operation MetaPhile“ genannt wurde. Sie führte zur Festnahme von drei Männern, denen vorgeworfen wird, Kinder über Metas Plattformen sexuell verfolgt zu haben. Im Prozess ging es außerdem um Metas Entscheidung aus dem Jahr 2023, Facebook Messenger zu verschlüsseln. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dadurch sei Strafverfolgern der Zugang zu entscheidenden Beweisen für Straftaten im Zusammenhang mit der Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen versperrt worden. Zeugen aus den Strafverfolgungsbehörden und vom National Center for Missing and Exploited Children berichteten über Mängel bei Metas Meldungen zu Straftaten auf den eigenen Plattformen. In ihrem Schlussplädoyer warf Linda Singer Meta vor, irreführend über Maßnahmen zum Schutz von Kindern kommuniziert und zugleich wissentlich einen übermäßigen Konsum der eigenen Plattformen durch Minderjährige gefördert zu haben.
„Das Urteil der Jury ist ein historischer Erfolg für jedes Kind und jede Familie, die den Preis für Metas Entscheidung bezahlt haben, Gewinne über die Sicherheit von Kindern zu stellen. Führungskräfte von Meta wussten, dass ihre Produkte Kindern schadeten, ignorierten Warnungen aus den eigenen Reihen und belogen die Öffentlichkeit über ihren Kenntnisstand. Heute hat sich die Jury Familien, Pädagogen und Kinderschutzexperten angeschlossen und klargemacht: Es reicht.” — Raúl Torrez via The Guardian
Meta kündigt Berufung an und verweist auf eigenen Jugendschutz Meta wies die Feststellungen der Jury zurück und kündigte an, das Urteil gerichtlich anzufechten. Unternehmenssprecher Andy Stone erklärte, Meta arbeite intensiv daran, Menschen auf seinen Plattformen zu schützen, und spreche offen über die Schwierigkeiten, problematische Akteure oder schädliche Inhalte zu identifizieren und zu entfernen. Die Anwälte des Konzerns hatten im Prozess argumentiert, Meta habe erhebliche Anstrengungen unternommen, um schädliche Inhalte zu blockieren, und Nutzer transparent über seine Sicherheitsmechanismen informiert. Zugleich warf Meta Torrez vor, im Verfahren „sensationalistische, irrelevante Argumente“ vorgebracht und dabei gezielt einzelne Dokumente herausgegriffen zu haben. Die Strafe von 375 Millionen Dollar ist zwar die bislang höchste dieser Art gegen Meta in einem Verfahren vor einem staatlichen Gericht, sie entspricht jedoch nur einem Bruchteil des Marktwerts des Konzerns, den der Bericht von El Mundo auf 1,5 Billionen Dollar bezifferte. Torrez kündigte an, Richter Bryan Biedscheid in einem auf den 4. Mai angesetzten Bankverfahren um zusätzliche finanzielle Sanktionen zu ersuchen. Außerdem wolle er gerichtliche Auflagen für Änderungen an Metas Apps beantragen, um sie für junge Nutzer sicherer zu machen.
„Wir werden uns weiterhin mit Nachdruck verteidigen und bleiben von unserer Bilanz beim Schutz von Jugendlichen im Internet überzeugt.” — Andy Stone via The New York Times
Urteil könnte Forderungen nach mehr Rechenschaft für Big Tech stärken Die Entscheidung aus New Mexico fällt in eine Zeit, in der Social-Media-Unternehmen in den Vereinigten Staaten mit Hunderten ähnlichen Klagen konfrontiert sind. Einzelpersonen, Schulbezirke und Generalstaatsanwälte der Bundesstaaten werfen Meta, Snap, TikTok und YouTube vor, jungen Nutzern zu schaden. Ein separates Verfahren in Los Angeles, in dem Meta und YouTube mit einer Produkthaftungsklage einer Frau konfrontiert sind, die behauptet, die auf Abhängigkeit angelegten Gestaltungsmerkmale der Plattformen hätten ihrer psychischen Gesundheit in der Kindheit geschadet, befand sich zum Zeitpunkt des Urteils aus New Mexico noch in der Beratung der Jury. Auch ein paralleler Fall in Los Angeles gegen Meta und Google, in dem eine junge Frau geltend macht, die Unternehmen hätten ihre Anwendungen bewusst so gestaltet, dass junge Nutzer möglichst viel Zeit damit verbringen, war noch nicht entschieden. Klagen gegen Plattformen auf Grundlage des Produkthaftungsrechts haben sich zu einer neuen juristischen Strategie entwickelt, die auch darauf zielt, Section 230 of the Communications Decency Act zu umgehen, das Plattformen vor Haftung für Inhalte Dritter schützt. Vertreter aus New Mexico betonten, ihr Bundesstaat habe als erster in einem Prozess gegen ein großes Technologieunternehmen obsiegt, weil dieses Minderjährige gefährdet habe. Torrez sagte, dies müsse eine klare Botschaft an die Führung der Technologiebranche senden. Matthew Bergman, ein Anwalt des Social Media Victims Law Center, der die Klägerin im Fall in Los Angeles vertritt, bezeichnete das Urteil aus New Mexico als „ersten Schritt hin zu echter Rechenschaft“.
Der rechtliche Druck auf Meta wegen des Schutzes von Kindern nahm deutlich zu, nachdem Frances Haugen, eine frühere Facebook-Mitarbeiterin, 2021 Tausende interne Dokumente veröffentlicht hatte. Diese sollten belegen, dass dem Unternehmen die schädlichen Auswirkungen seiner Plattformen auf Jugendliche bekannt waren, es aber Wachstum und wirtschaftliche Gewinne priorisierte. Haugen brachte ihre Vorwürfe vor den Kongress der Vereinigten Staaten und vor Aufsichtsbehörden. Die zweijährige Untersuchung des Guardian, die im April 2023 veröffentlicht wurde, dokumentierte zudem, wie Facebook und Instagram als Marktplätze für Kindersexhandel genutzt worden waren, und lieferte damit eine tatsächliche Grundlage für die später im selben Jahr eingereichte Klage in New Mexico.
New Mexico gegen Meta – finanzielle Dimensionen: Von der Staatsanwaltschaft geforderter Schadensersatz (before: rund 2 Milliarden Dollar (ursprüngliche Forderung), after: 375 Millionen Dollar (Zuerkennung durch die Jury)); Grundlage der Strafe (before: mehr als 200.000 monatliche Nutzer unter 18 Jahren in New Mexico, after: maximal 5.000 Dollar pro Verstoß nach dem Unfair Practices Act)
Mentioned People
- Raúl Torrez — prokurator generalny Nowego Meksyku
- Andy Stone — rzecznik Meta
- Mark Zuckerberg — prezes zarządu i dyrektor generalny Meta Platforms
Sources: 7 articles
- Una sentencia pionera condena a Meta a pagar 375 millones de dólares por no proteger a los menores en las redes sociales (EL PAÍS)
- Meta condenada a pagar 375 milhões por falhas na protecção de menores e práticas enganosas (Publico)
- 'Watershed Moment': Meta Just Lost a Huge Court Case About Child Safety (Gizmodo)
- New Mexico just handed Meta its first courtroom defeat over child safety, and the rest of the country is watching | TechCrunch (TechCrunch)
- Meta a fost obligată să plătescă 375 de milioane de dolari într-un proces privind siguranța copiilor (Mediafax.ro)
- Tech: Meta wegen mangelnden Kinderschutzes zu Millionenstrafe verurteilt (Handelsblatt)
- Nuevo México condena a Meta a pagar 375 millones de dólares por facilitar la explotación sexual de menores en sus redes (EL MUNDO)
- Meta ordered to pay $375m after being found liable in child exploitation case (The Guardian)
- Meta hit with $375M verdict in New Mexico child safety case (POLITICO)
- Au Nouveau-Mexique, un jury déclare Meta responsable de mise en danger de mineurs (France 24)