Internationale Geber haben am Mittwoch bei einer Konferenz in Berlin über 1,5 Milliarden Euro an humanitärer Hilfe für den Sudan zugesagt. Vertreter der Vereinten Nationen, Europas, Afrikas und der USA kamen am dritten Jahrestag des Bürgerkriegs zusammen, um den Zugang für Hilfslieferungen und einen Waffenstillstand einzufordern.

Finanzielle Zusagen

Internationale Geber versprechen in Berlin über 1,5 Milliarden Euro für humanitäre Hilfe im Sudan.

Zentrale Akteure

Die Konferenz wurde von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und Organisationen wie der EU und AU geleitet.

Kritik aus Khartum

Die sudanesische Regierung kritisiert die Konferenz als Einmischung in interne Angelegenheiten.

Humanitäre Lage

34 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen; Hunger und weitflächige Zerstörung prägen das Land.

Internationale Geber haben am Mittwoch auf einer Konferenz in Berlin mehr als 1,5 Milliarden Euro an humanitärer Hilfe für den Sudan zugesagt. Hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen, Europas, Afrikas und der Vereinigten Staaten versammelten sich am dritten Jahrestag des Bürgerkriegs, um auf einen besseren Zugang für Hilfslieferungen und einen künftigen Waffenstillstand zu drängen.

Der Bürgerkrieg im Sudan begann am 15. April 2023, als die sudanesische Regierungsarmee SAF und die paramilitärischen RSF nach einem gemeinsamen Putsch gegeneinander vorgingen. Zuvor hatten beide Kräfte kooperiert – Daglo fungierte bis zur Spaltung als Stellvertreter von al-Burhan. Der Konflikt hat das Land seither in verschiedene Machtsphären geteilt: Während die Armee die weitgehend zerstörte Hauptstadt Khartum und den Osten des Landes zurückeroberte, festigte die RSF ihre Kontrolle über die Region Darfur im Westen. Die Berliner Konferenz war die dritte in einer Reihe internationaler Gebertreffen nach vorangegangenen Zusammenkünften in Paris und London.

Bundesaußenminister Johann Wadephul gab die Gesamtsumme der Zusagen zum Abschluss der Konferenz bekannt, die vom Auswärtigen Amt organisiert und gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA, der Europäischen Union und der Afrikanischen Union ausgerichtet wurde. Delegationen aus mehr als 60 Staaten nahmen teil. Wadephul bezeichnete den Konflikt als äußerst grausam und erklärte, er habe die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart ausgelöst. Er forderte weitere Staaten, Organisationen und den Privatsektor zu zusätzlichen Beiträgen auf. Der Minister lobte zudem ausdrücklich die lokalen Helfer, die ihr Leben täglich zwischen den Fronten riskieren, sowie die Nachbarstaaten des Sudans, die eine große Zahl an Flüchtlingen aufgenommen haben.

„„Dieser Albtraum muss enden.“” — Antonio Guterres via Handelsblatt

Deutschland sagt Millionenhilfe zu, Khartum spricht von Einmischung Deutschland kündigte einen Beitrag zwischen 230 und 232 Millionen Euro an – die Angaben variierten in verschiedenen Berichten leicht –, der der Bevölkerung im Sudan sowie den Nachbarländern zugutekommen soll, die Millionen von Flüchtlingen beherbergen. Wadephul verteidigte die Entscheidung, die sudanesischen Kriegsparteien nicht zur Berliner Konferenz einzuladen. Er werde erst dann mit ihnen in Dialog treten, wenn Signale für eine Waffenruhe vorlägen. Die sudanesische Regierung in Khartum wies diese Darstellung zurück und verurteilte die Konferenz als „überraschende und inakzeptable“ Einmischung in innere Angelegenheiten. Sie warnte zudem, dass der Dialog mit paramilitärischen Gruppen die staatliche Souveränität untergrabe. Das Treffen sei ohne Rücksprache mit der Führung in Khartum anberaumt worden. Wadephul reagierte direkt auf diese Kritik.

„„Und das ist nicht akzeptabel.“” — Johann Wadephul via N-tv

Der Minister räumte ein, dass die Sudan-Krise nicht die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit erhalte, da unter anderem der Krieg in der Ukraine und der Nahostkonflikt den Fokus der Weltgemeinschaft von dem afrikanischen Land ablenkten. Mehrere Teilnehmer der über 60 Delegationen bezeichneten die Situation als ein Versagen der internationalen Gemeinschaft.

UN-Gesandter und US-Berater drängen auf Waffenruhe als einzigen Weg Pekka Haavisto, der UN-Sondergesandte für den Sudan, sprach sich für eine sofortige humanitäre Waffenruhe aus. Dies sei der einzige Weg, die leidende Bevölkerung adäquat zu versorgen. Wadephul nannte diese Forderung „in der Sache richtig“. Massad Boulos, der leitende Berater für Afrika im US-Außenministerium, betonte, dass ein Waffenstillstand die Voraussetzung für jede dauerhafte politische Lösung sei. Die Vereinigten Staaten stehen im Zentrum mehrerer Friedensinitiativen, darunter die sogenannte Quad-Gruppe aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Ägypten – obwohl diese Länder zum Teil selbst in den Konflikt verstrickt sind. Berichten zufolge unterstützen die Emirate die RSF, während Ägypten und Saudi-Arabien die sudanesische Regierung stützen. Die USA verhängten nach entsprechenden Berichten bereits früher im Verlauf des Konflikts Sanktionen gegen emiratische Unternehmen, die mit RSF-Kommandeur Mohamed Hamdan Daglo und dessen Familienmitgliedern in Verbindung stehen.

34 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen – Vorwürfe von Kriegsverbrechen Das Ausmaß des menschlichen Leids im Sudan hat Dimensionen erreicht, die das Welternährungsprogramm als die größte humanitäre Katastrophe des Planeten bezeichnete. Laut den auf der Konferenz zitierten Zahlen sind etwa 34 Millionen Menschen im Sudan auf humanitäre Hilfe angewiesen. Rund 21 Millionen leiden unter akutem Hunger, etwa 14 Millionen Menschen sind auf der Flucht – sie leben in Notunterkünften oder in Nachbarländern. Schätzungen gehen von weit mehr als 150.000 Todesopfern aus, wobei die tatsächliche Zahl wohl erst nach Kriegsende feststellbar sein wird. Menschenrechtsorganisationen werfen sowohl der SAF als auch der RSF Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen vor: Der SAF wird die wahllose Bombardierung von Wohngebieten vorgeworfen, während der RSF zur Last gelegt wird, sexuelle Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen, insbesondere gegen nicht-arabische Bevölkerungsgruppen in Darfur. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz sind bis zu 80 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im Sudan zerstört oder nicht funktionsfähig. Hilfsorganisationen werfen den Kriegsparteien zudem vor, Hunger gezielt als Waffe einzusetzen und die landwirtschaftliche Produktion zu zerstören.

Mentioned People

  • Johann Wadephul — Federalny Minister Spraw Zagranicznych Niemiec w gabinecie Merza
  • António Guterres — Sekretarz Generalny Organizacji Narodów Zjednoczonych
  • Abdel Fattah al-Burhan — Sudański wojskowy i przywódca Sudanu od 2019 roku
  • Mohamed Hamdan Daglo — Dowódca paramilitarnych Sił Szybkiego Wsparcia (RSF)
  • Massad Boulos — Starszy doradca prezydenta USA ds. arabskich i bliskowschodnich oraz starszy doradca ds. Afryki
  • Pekka Haavisto — Specjalny wysłannik ONZ ds. Sudanu i były minister spraw zagranicznych Finlandii
  • Martin Frick — Szef Światowego Programu Żywnościowego w Niemczech

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