Der deutsche Kanzler Friedrich Merz hat die Zukunft des FCAS-Programms, des Future Combat Air System, das gemeinsam mit Frankreich und Spanien entwickelt wird, offen in Frage gestellt. Das erste Signal eines möglichen Rückzugs Berlins aus dem 100-Milliarden-Euro-Projekt fiel in einem Interview im Podcast Machtwechsel. Merz verwies auf grundlegende Unterschiede in den operationellen Anforderungen beider Länder, was das bisherige Modell der Rüstungszusammenarbeit zwischen Berlin und Paris infrage stellt.
Ende des gemeinsamen Kampfflugzeugs?
Kanzler Merz stellte das FCAS-Projekt in Frage und verwies auf widersprüchliche Interessen Deutschlands und Frankreichs hinsichtlich der technischen Spezifikation des Flugzeugs.
Keine nuklearen Ambitionen
Berlin lehnt den Bau eigener Nuklearwaffen kategorisch ab und plädiert für eine Zusammenarbeit mit Paris und London.
Neuer Kurs Richtung China
Angesichts der Zölle der USA suchen Deutschland nach einer strategischen Partnerschaft mit Peking, was vor der geplanten Reise des Kanzlers angekündigt wurde.
In einem Auftritt in einem Podcast-Programm vollzog Friedrich Merz eine scharfe Wende in der deutschen Verteidigungspolitik, indem er sich öffentlich vom FCAS-Projekt (Future Combat Air System) distanzierte. Der Kanzler argumentierte, dass die Bedürfnisse der Bundeswehr und der französischen Luftstreitkräfte zu unterschiedlich seien, um die gemeinsame Arbeit an einer Plattform fortzusetzen. Deutschland benötige keine Maschine, die für die Landung auf Flugzeugträgern geeignet oder in der Lage sei, Nuklearwaffen zu tragen, was eine Kernanforderung der französischen Seite sei. Diese Erklärung löste eine sofortige Reaktion des Élysée-Palasts aus, der die Haltung Berlins als „unverständlich” bezeichnete. Seit der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags im Jahr 1963 versuchen Frankreich und Deutschland, eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur aufzubauen, obwohl ihre industriellen Interessen oft zu Wettbewerb bei wichtigen Militäraufträgen führten.Die Situation ist umso angespannter, als Merz einen Paradigmenwechsel hin zu unbemannten Systemen andeutete und die Notwendigkeit des Baus eines klassischen bemannten Jets der neuen Generation in Frage stellte. Die Kritik am FCAS-Projekt, dessen geschätzte Kosten 100 Milliarden Euro betragen, fällt zeitlich mit der geplanten Reise des Kanzlers nach Peking und dem wachsenden Druck seitens der Vereinigten Staaten unter der Regierung von Donald Trump zusammen. Gleichzeitig schloss der deutsche Regierungschef eindeutig aus, dass Deutschland nach einem eigenen Atomarsenal strebe, und schlug stattdessen eine Vertiefung der Zusammenarbeit im Rahmen eines euro-nuklearen Schilds vor, der auf dem Potenzial Frankreichs und Großbritanniens basiert. Experten weisen darauf hin, dass eine so radikale Haltung zur schwersten Krise in den deutsch-französischen Beziehungen seit Jahrzehnten führen könnte. 100 mld € — betragen die geschätzten Kosten des FCAS-Kampfflugzeugprogramms Die Äußerungen von Merz sind auch Teil einer breiteren Strategie zur Neugestaltung der Rolle Deutschlands in Europa. Der Kanzler sucht nach neuen strategischen Partnerschaften, auch in den Beziehungen zu China, was ein Gegengewicht zur amerikanischen Zollpolitik sein soll. Die Kursänderung gegenüber dem FCAS-Projekt könnte den Weg für alternative Bündnisse mit Großbritannien oder den Kauf amerikanischer F-35-Maschinen ebnen, was jedoch das Ende der Träume von vollständiger technologischer Souveränität des alten Kontinents im Bereich der Militärluftfahrt bedeuten würde. Liberale Medien in Paris betonen den Verrat an europäischen Idealen durch Merz und die Gefahr für die gemeinsame Sicherheit der EU. | Die deutsche konservative Presse lobt den Pragmatismus des Kanzlers und legt den Schwerpunkt auf Haushaltseinsparungen und die realen Bedürfnisse der Bundeswehr.
Mentioned People
- Friedrich Merz — Kanzler Deutschlands, CDU-Vorsitzender, stellt gemeinsame europäische Rüstungsprojekte in Frage.
- Emmanuel Macron — Präsident Frankreichs, Befürworter der europäischen Souveränität und des FCAS-Projekts.
- Boris Pistorius — Verteidigungsminister Deutschlands, zuvor Unterstützer der militärischen Zusammenarbeit.