Der spanische Justizrat hat entschieden, kein Disziplinarverfahren gegen zwei Richter einzuleiten, die öffentlich Regierungsmitglieder kritisiert und beleidigt hatten. Richter Eloy Velasco nannte Gleichstellungsministerin Irene Montero eine "Kassiererin", und Richter Ricardo González bezeichnete auf sozialen Medien Premierminister Pedro Sánchez als "Putschisten" und beleidigte seine Frau. Die Entscheidung stieß auf Kritik von der Regierungspartei.

Ablehnung der Disziplinaranträge

Der Justizrat lehnte Anträge auf Bestrafung der Richter Eloy Velasco und Ricardo González für beleidigende Äußerungen gegenüber Politikern ab.

Inhalt der kontroversen Äußerungen

Richter Velasco nannte Ministerin Irene Montero eine "Kassiererin", und Richter González bezeichnete Premierminister Sánchez als "Putschisten" und verwendete gegenüber seiner Frau das Wort "Barbigoña".

Argumentation des Justizrats

Der CGPJ befand, dass die Äußerungen innerhalb der Grenzen der Meinungsfreiheit lagen, auch wenn sie möglicherweise die Prinzipien der richterlichen Würde und Zurückhaltung verletzten.

Politische Reaktionen

Die Entscheidung löste Empörung bei der Regierungspartei aus, die dem Rat Parteilichkeit und Doppelstandards bei der Durchsetzung der richterlichen Ethik vorwirft.

Frühere Position der Staatsanwaltschaft

Einen Tag zuvor hatte auch die Generalstaatsanwaltschaft die Einleitung eines Disziplinarverfahrens abgelehnt, was auf eine einheitliche institutionelle Linie hindeutet.

Der spanische Generalrat der Justiz (Consejo General del Poder Judicial) hat entschieden, die Disziplinarverfahren gegen zwei Richter, die in öffentlichen Äußerungen Regierungsmitglieder scharf kritisiert hatten, CGPJ zu archivieren. Richter Eloy Velasco nannte auf einer Konferenz Gleichstellungsministerin Irene Montero eine "Kassiererin", was als sexistisch und beleidigend angesehen wurde. Richter Ricardo González bezeichnete auf der Plattform X Premierminister Pedro Sánchez als "Putschisten" und beleidigte dessen Frau, Begoña Gómez, mit dem neologischen Schimpfwort "Barbigoña", das auf einen Korruptionsskandal anspielt. Anträge auf Bestrafung beider Richter wurden von Bürgerorganisationen und Teilen der Rechtsgemeinschaft gestellt, mit der Begründung, solche Äußerungen verletzten das Prinzip der Würde und Zurückhaltung, das von Mitgliedern der Judikative erwartet wird. Der Justizrat entschied nach Prüfung des Falls jedoch, dass die Äußerungen, obwohl unangemessen, innerhalb der verfassungsrechtlichen Grenzen der Meinungsfreiheit lagen. In einer offiziellen Mitteilung wurde betont, dass Richter als Bürger das Recht haben, ihre Ansichten zu äußern, und dass die Kritik an Politikern, selbst wenn sie scharf ist, für sich genommen kein Disziplinarvergehen darstellt, solange sie die Unparteilichkeit der Gerichte in konkreten Fällen nicht untergräbt. „Las declaraciones, aunque duras y potencialmente lesivas de los estándares de contención, no traspasaron los límites de la protección de la libertad de expresión garantizada a los jueces por la Constitución.” (Die Äußerungen, obwohl hart und potenziell schädlich für die Standards der Zurückhaltung, überschritten nicht die Grenzen des Schutzes der Meinungsfreiheit, die den Richtern durch die Verfassung garantiert wird.) — Mitteilung des CGPJ Die Entscheidung des Rates setzt die Position fort, die einen Tag zuvor von der Generalstaatsanwaltschaft eingenommen wurde, die ebenfalls die Einleitung eines Verfahrens in dieser Sache ablehnte. Damit ist der Fall auf institutioneller Ebene endgültig abgeschlossen. Die politischen Reaktionen waren gespalten. Die regierende PSOE und das linke Wahlbündnis Unidas Podemos äußerten tiefe Enttäuschung und warfen dem Rat Doppelstandards vor. Die konservative Opposition und Teile der Rechtsgemeinschaft hingegen unterstützten die Entscheidung und sahen darin eine Verteidigung der Unabhängigkeit und der Freiheit der Richter vor politischem Druck. Das spanische Justizsystem ist seit Jahren Schauplatz politischer Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition, vor allem in Bezug auf die Zusammensetzung und die Wahlmethode des Generalrats der Justiz. Die Verfassung von 1978 überträgt dem Rat eine Schlüsselrolle bei der Verwaltung der Justiz, aber seine Besetzung durch das Parlament führt zu Vorwürfen der Politisierung. 2021 rief die Europäische Union Spanien dazu auf, das System der Wahl der Ratsmitglieder zu reformieren, um dessen größere Unabhängigkeit zu gewährleisten.

Perspektywy mediów: Linke Medien und die Regierungspartei stellen die Entscheidung als Beweis für die Politisierung der Justiz und für Doppelstandards dar, die Richter mit konservativen Ansichten schützen. Rechte Medien und die Opposition sehen in der Entscheidung eine Verteidigung der Meinungsfreiheit und der Unabhängigkeit der Richter vor politischen Angriffen der Regierung.

Mentioned People

  • Eloy Velasco — Richter am Nationalen Gerichtshof in Spanien, der Ministerin Irene Montero 'Kassiererin' nannte
  • Ricardo González — Richter an einem Gericht in Madrid, der Premierminister Pedro Sánchez und dessen Frau in sozialen Medien beleidigte
  • Irene Montero — Gleichstellungsministerin in der spanischen Regierung, von Richter Velasco beleidigt
  • Pedro Sánchez — Premierminister von Spanien, von Richter González als 'Putschist' bezeichnet
  • Begoña Gómez — Ehefrau von Premierminister Pedro Sánchez, von Richter González beleidigt