Die drei größten spanischen Energieversorger – Iberdrola, Endesa und Naturgy – bereiten sich darauf vor, Anträge auf Verlängerung der Betriebsdauer der gesamten nationalen Flotte von Kernkraftwerken zu stellen. Ihre Vorstandsvorsitzenden argumentieren, dass Kernenergiequellen für die Energiesicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit der Preise unerlässlich sind. Die Regierung von Pedro Sánchez, die zuvor die schrittweise Abschaltung der Atomkraftwerke bis 2035 geplant hatte, steht nun vor einem Dilemma. Der Entscheidungsprozess ist komplex und hängt von der Sicherheitsbewertung durch eine unabhängige Aufsichtsbehörde ab.
Antrag auf Verlängerung der Flotte
Iberdrola, Endesa und Naturgy bereiten formelle Anträge auf Verlängerung des Betriebs aller sieben spanischen Kernreaktoren vor. Nach einem früheren Antrag für Almaraz beabsichtigen die Unternehmen, analoge Entscheidungen für die verbleibenden Anlagen zu beantragen.
Argument Sicherheit und Preise
Der Vorstandsvorsitzende von Iberdrola, Ignacio Galán, überzeugt, dass Kernkraftwerke sicher, effizient sind und helfen, die Energiepreise zu senken. Als negatives Beispiel nennt er Italien, wo das Fehlen der Atomkraft zu höheren Rechnungen führen soll.
Wende in der Energiepolitik
Die Initiative der Konzerne steht im Widerspruch zum offiziellen Plan der Regierung, der die Schließung aller Kernkraftwerke bis 2035 vorsah. Die Entscheidung erfordert eine Änderung der Position der Regierungskoalition.
Verfahren und Rolle des Regulators
Die Anträge müssen eine positive Stellungnahme des Rates für Nukleare Sicherheit, einer unabhängigen Aufsichtsbehörde, erhalten. Der Prozess der Sicherheitsbewertung und der wirtschaftlichen Rentabilität der Betriebsverlängerung der Reaktoren ist komplex und langwierig.
Der spanische Energiesektor steht an einem Scheideweg. Drei Schlüsselkonzerne – Iberdrola, Endesa und Naturgy – bereiten sich darauf vor, formelle Anträge auf Verlängerung der Betriebsdauer der gesamten nationalen Flotte von Kernkraftwerken zu stellen. Diese Ankündigung stellt eine direkte Herausforderung für die bisherige Politik der Regierung von Pedro Sánchez dar, die einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie und die Schließung der letzten Reaktoren bis 2035 vorsah. Der Vorstandsvorsitzende von Iberdrola, Ignacio Galán, skizzierte während einer Konferenz mit Analysten deutlich die neue Position der Branche. „Nuclear power plants are necessary, are safe, are efficient and contribute to lower prices.” (Kernkraftwerke sind notwendig, sicher, effizient und tragen zu niedrigeren Preisen bei.) — Vorstandsvorsitzender des spanischen Energieversorgers Iberdrola, der Pläne zur Verlängerung des Betriebs von Kernkraftwerken ankündigte. Galán fügte hinzu, dass die meisten bestehenden Reaktoren sicher 60 Jahre lang betrieben werden könnten, einige sogar bis zu 80 Jahre. Als negatives Beispiel nannte er Italien, wo seiner Meinung nach das Fehlen der Kernenergie zu höheren Energiepreisen für Endverbraucher führt.
Die Kernenergie in Spanien hat eine bewegte Geschichte. Nach einer Phase intensiver Entwicklung in den 1970er und 1980er Jahren kam der Bau neuer Kraftwerke praktisch zum Erliegen. Die Politik aufeinanderfolgender Regierungen zielte schrittweise auf den Ausstieg aus der Atomkraft ab, was im Plan zur Schließung aller Kraftwerke bis 2035 formalisiert wurde. Diese Entscheidung resultierte aus einer Mischung sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Faktoren, einschließlich einer starken Anti-Atom-Bewegung nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Der Prozess hat bereits begonnen. Im Oktober letzten Jahres reichten die drei Eigentümer des Kernkraftwerks Almaraz in der Provinz Cáceres – eben Iberdrola, Endesa und Naturgy – den ersten formellen Antrag an die Regierung zur Verlängerung des Betriebs seiner beiden Reaktoren um etwa drei Jahre bis 2030 ein. Diese Anlage sollte gemäß dem bisherigen Zeitplan als erste bereits 2027 abgeschaltet werden. Dieser Antrag wird derzeit von der Rat für Nukleare Sicherheit analysiert. Ihre positive Stellungnahme ist eine notwendige Voraussetzung für jede Entscheidung der Regierung. Wenn der Antrag für Almaraz angenommen wird, wird er einen Präzedenzfall schaffen, der den Weg für ähnliche Bemühungen zur Verlängerung des Betriebs der verbleibenden fünf Reaktoren im Land ebnet, die in den Kraftwerken Ascó, Cofrentes und Vandellòs angesiedelt sind.
Die Debatte über die Zukunft der spanischen Atomkraft ist mit neuer Kraft wieder aufgeflammt, nachdem im April letzten Jahres ein schwerer Stromnetzausfall zu einem weitreichenden Blackout führte. Dieser Vorfall veranlasste einige Politiker und Experten, die Rolle stabiler, verfügbarer Energiequellen im Energiemix neu zu überdenken. Energieversorger, darunter Iberdrola, argumentieren, dass unter den Bedingungen des Strebens nach Klimaneutralität und der steigenden Nachfrage nach Elektrizität der Verzicht auf emissionsarme Kernkraftwerke ein strategischer Fehler sei. Sie weisen auch auf die hohe Steuerbelastung dieses Sektors in Spanien hin und deuten an, dass die Verlängerung des Betriebs bestehender Blöcke kostengünstiger sei als deren vorzeitige Schließung und der Ersatz durch andere Quellen.
Die endgültige Entscheidung liegt bei der Regierung von Pedro Sánchez, die widersprüchliche Interessen in Einklang bringen muss. Auf der einen Seite stehen der Druck des Koalitionspartners Sumar und ein Teil seiner Wählerschaft, die traditionell skeptisch gegenüber der Atomkraft eingestellt ist. Auf der anderen Seite stehen wirtschaftliche Argumente, die Versorgungssicherheit und der Druck der großen Energieunternehmen, die eine Destabilisierung des Systems und steigende Preise befürchten.
Perspektywy mediów: Liberale Medien betonen die wirtschaftlichen Argumente der Konzerne und die Notwendigkeit der Energiesicherheit. Konservative Medien sehen darin eine Chance, die fehlerhafte Politik der linken Regierung zu überdenken. Dieser Prozess wird ein Test für die spanische Energiewende sein und zeigen, ob die Dekarbonisierungspläne mit der Beibehaltung stabiler, verfügbarer Erzeugungskapazitäten vereinbar sind.
Mentioned People
- Ignacio Galán — Vorstandsvorsitzender des spanischen Energieversorgers Iberdrola, der Pläne zur Verlängerung des Betriebs von Kernkraftwerken ankündigte.
- Pedro Sánchez — Ministerpräsident Spaniens, der vor einer Entscheidung über Änderungen in der Atompolitik des Landes steht.