Ein internationales Wissenschaftlerteam hat das erste umfassende Onkogenom der Hauskatze entwickelt und die Ergebnisse im renommierten Fachjournal „Science“ veröffentlicht. Die Studie zeigte auffällige genetische Ähnlichkeiten zwischen Tumoren bei Katzen und menschlichem Brustkrebs. Diese Entdeckung legt nahe, dass unsere Haustiere zu wichtigen Verbündeten bei der Entwicklung moderner Krebstherapien werden könnten, von denen sowohl Tiere als auch Menschen profitieren.

Bahnhrechendes Onkogenom der Katze

Wissenschaftler erstellten die erste genetische Karte von Tumoren bei Katzen und wiesen deren enorme Ähnlichkeit zum menschlichen Brustkrebs nach.

Gemeinsame therapeutische Ziele

Die Identifizierung entscheidender Mutationen ermöglicht die Entwicklung moderner Therapien, die bei beiden Arten gleichzeitig Anwendung finden.

One-Health-Modell

Forscher appellieren an den Informationsaustausch zwischen Ärzten und Tierärzten, um onkologische Forschungen zu beschleunigen.

Wissenschaftler von renommierten Institutionen, darunter das Wellcome Sanger Institute und die Universität Bern, haben eine bahnbrechende Entdeckung im Bereich der vergleichenden Onkogenomik gemacht. Sie analysierten Tumorproben von Hauskatzen und erstellten die erste derart detaillierte genetische Karte feliner Tumore. Die Veröffentlichungsergebnisse zeigen, dass die DNA-Veränderungen bei krebskranken Katzen nahezu identisch mit denen bei onkologischen Patienten sind. Dies betrifft insbesondere den Brustkrebs, wo die molekularen Mechanismen bei beiden Arten eine erstaunliche Übereinstimmung aufweisen. Katzen teilen, ähnlich wie Hunde, mit Menschen die gleiche Umwelt und sind denselben Stressfaktoren und Schadstoffen ausgesetzt, die die Entstehung von Tumoren begünstigen können. Bislang waren jedoch Forschungen zur Katzenonkologie deutlich weniger fortgeschritten als bei Hunden. Die neue genetische Karte schließt diese Lücke und ermöglicht die Identifizierung spezifischer Mutationen, die für das Fortschreiten der Krankheit verantwortlich sind. Experten fordern eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Tierärzten im Rahmen des Konzepts „One Health“ (Eine Gesundheit). Die Erforschung von Krebs bei Tieren als Modell für menschliche Erkrankungen reicht bis ins 20. Jahrhundert zurück, doch erst die Entwicklung der Next-Generation-DNA-Sequenzierungstechnologie zu Beginn des 21. Jahrhunderts ermöglichte derart präzise artübergreifende Vergleiche. Durch die Identifizierung gemeinsamer therapeutischer Ziele wird es möglich, innovative Medikamente zu testen, die bei beiden Arten wirksam sind. Wie die Autoren der Studie anmerken, erkranken Katzen spontan an Tumoren, was sie zu einem deutlich besseren Forschungsmodell macht als künstlich veränderte Labormäuse. Diese Entdeckung könnte die Arbeit an der personalisierten Medizin beschleunigen, bei der die Medikamentenauswahl auf dem genetischen Profil eines bestimmten Tumors basiert. „Die Forscher analysierten genetische Veränderungen, die bei der Behandlung von Erkrankungen sowohl bei Menschen als auch bei Tieren helfen können.” — Paulina Mozolewska 25% — britischer Haushalte besitzt mindestens eine Katze Die Integration von Daten aus der Veterinär-Onkologie und der Humanmedizin könnte den Umgang mit aggressiven Tumoren revolutionieren. Die Wissenschaftler hoffen, dass weitere Forschungen zur Erstellung eines Katalogs von Medikamenten mit doppeltem Anwendungszweck führen. Dies ist besonders angesichts der steigenden Zahl von Krebserkrankungen bei Haustieren von Bedeutung, was zu einer Herausforderung für die moderne Tiermedizin wird.

Mentioned People

  • Paulina Mozolewska — Autorin einer populärwissenschaftlichen Publikation, die die in Science veröffentlichten Forschungsergebnisse analysiert.