Schweizer Trainer bezeichnet Rot-Karte-Regel nach Viertelfinal-Niederlage gegen Argentinien in der Verlängerung als 'inakzeptabel'
Murat Yakin sagte, eine vom VAR überprüfte zweite Gelbe Karte für Breel Embolo habe 'unser Spiel zerstört', als die Schweiz in Kansas City nach Verlängerung mit 1:3 unterlag und damit ihr erstes Viertelfinale seit 1954 beendete.
Das erste WM-Viertelfinale der Schweiz seit 72 Jahren endete am Samstagabend im Arrowhead Stadium im Zorn, nachdem Breel Embolo in der 72. Minute nach einem VAR-Eingriff die Rote Karte gesehen hatte, was Cheftrainer Murat Yakin als 'inakzeptable Regel' bezeichnete. Argentinien gewann schließlich nach Verlängerung mit 3:1 und stellte damit ein Halbfinale gegen England auf, doch das Spiel wurde von der Platzverstellung überschattet, die Schweizer Spieler und Betreuer als einseitig und unverständlich beschrieben.
Der Vorfall
Embolo erhielt seine erste Gelbe Karte in der ersten Halbzeit. In der 72. Minute, bei einem Spielstand von 1:1, nachdem Dan Ndoye fünf Minuten zuvor ausgeglichen hatte, verwarnte der Schiedsrichter zunächst Argentiniens Leandro Paredes wegen eines Fouls an Embolo. Eine längere VAR-Überprüfung ergab dann, dass Embolo simuliert und den Kontakt selbst herbeigeführt hatte. Der Schiedsrichter nahm die Gelbe Karte gegen Paredes zurück und zeigte Embolo die zweite Gelbe, wodurch die Schweiz 18 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit in Unterzahl war.
Es gab definitiv keinen Grund, eine Gelbe Karte zu zeigen. Es war eine harmlose Situation. Der Schiedsrichter hätte das Spiel weiterlaufen lassen sollen.
Yakin richtete seine schärfste Kritik an die Regelung, die dem VAR erlaubte, in die Szene einzugreifen. 'Wir wurden wegen einer inakzeptablen Regel bestraft. Ich verstehe das nicht. Die Tatsache, dass die Schiedsrichter unnötig eingegriffen haben, ist äußerst schmerzhaft', sagte er und fügte hinzu, die Regel habe 'nichts mit Fußball zu tun'.
Schweizer Reaktionen
Verteidiger Manuel Akanji, der nach eigenen Angaben selten Kritik an Offiziellen übt, fällte ein deutliches Urteil. 'Argentinien hat praktisch keine Chancen aus dem Spiel heraus kreiert. Jeder kleinste Kontakt wurde zu ihren Gunsten gepfiffen. Ich habe noch nie in einem Spiel gespielt, das so einseitig geleitet wurde', sagte der Innenverteidiger von Manchester City. Er stellte fest, dass Argentinien in den ersten 90 Minuten keine einzige Gelbe Karte erhalten hatte.
Keiner ihrer Schwalben wurde bestraft. Breel hat für so eine Situation eine Karte bekommen.
Torhüter Gregor Kobel sagte, die Mannschaft habe Herz gezeigt, empfand das Ausscheiden jedoch als ungerecht. 'Wir haben so hart gekämpft, dass es unfair erscheint, dass wir nicht einmal eine Chance im Elfmeterschießen bekommen haben.' Mittelfeldspieler Remo Freuler stellte die Rolle des VAR direkt in Frage: 'Bis zur Roten Karte hatten wir das Spiel unter Kontrolle. Erklärt mir jemand, wie der VAR in so einer Situation und in so einem Spiel eingreifen kann.'
Wie das Spiel verlief
Die Schweiz geriet früh in Rückstand, glich aber in der 67. Minute durch Ndoye aus und war nach Yakins Aussage 'dominant und hatte das Spiel unter Kontrolle', als Embolo des Feldes verwiesen wurde. Die dezimierte Mannschaft hielt bis zur 112. Minute durch, als Julián Álvarez aus der Distanz in den Winkel traf. Lautaro Martínez fügte neun Minuten später das dritte Tor hinzu und besiegelte Argentiniens Einzug.
Die Wahrheit ist, dass wir in diesem Spiel gelitten haben. Wir wussten, dass es eine sehr körperlich spielende Mannschaft war. Sie hat uns große Probleme bereitet. Es lässt sich nicht leugnen, dass das Glück heute auf unserer Seite war, weil ihr Spieler vom Platz gestellt wurde und wir dann in die Offensive gingen.
Scaloni räumte ein, dass seine Mannschaft 'besser hätte spielen können', bezeichnete das zweite Halbfinale in Folge jedoch als 'historisch'. Der Abend beendete auch Lionel Messis Serie aufeinanderfolgender WM-Spiele mit einem Tor.
- Dan Ndoye gleicht für die Schweiz zum 1:1 aus, der Schweizer Angriff gewinnt an Fahrt.
- VAR-Überprüfung hebt Foul an Embolo auf; Schiedsrichter zeigt zweite Gelbe wegen Simulation, Schweiz in Unterzahl.
- Julián Álvarez trifft aus der Distanz zur 2:1-Führung für Argentinien.
- Lautaro Martínez besiegelt den 3:1-Sieg mit dem dritten argentinischen Tor.
Wie es weitergeht
Argentinien trifft am Mittwoch im Halbfinale auf England. England war zuvor nach einem Sieg gegen Norwegen weitergekommen, den Interia als 'umstritten, vielleicht sogar skandalös' bezeichnete und dabei auf die sogenannte 'Kabelaffäre' Bezug nahm. Für die Schweiz endet mit der Niederlage ein Turnier, das erstmals seit dem Turnier von 1954 das Viertelfinale erreicht hatte – ein Lauf, den Yakin auch in der Niederlage würdigte. 'Meine Jungs sind echte Helden', sagte er.

