
JU-Chef Winkel greift Söder wegen Rentenreform an und fordert 20-Mrd.-Steuerreform
Der Junge-Union-Vorsitzende Johannes Winkel verteidigt die Vorschläge der Rentenkommission und fordert eine Steuerreform von über 20 Milliarden Euro, während er CSU-Chef Markus Söder attackiert.
Rentenreform sorgt für Koalitionsspannungen
Die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission hat am Dienstag 33 Vorschläge vorgelegt, darunter die Abschaffung der Rente mit 63, eine verpflichtende kapitalgedeckte Rentensäule und die Abschaffung von beitragsfreien Minijobs. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas sprachen sich umgehend für eine vollständige Umsetzung aus. Doch Widerstand regt sich bei beiden Koalitionspartnern. CSU-Chef Markus Söder lehnte die Abschaffung der Minijobs ab und warnte vor wirtschaftlichen Schäden, während SPD-Politiker wie Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig die Abschaffung der Rente mit 63 kritisierten.
Die Kommission hat gezeigt, dass man einen großen Durchbruch erzielen kann, wenn man unideologisch und sachorientiert arbeitet.
Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, verteidigte das Paket nachdrücklich in einem Interview mit dem Stern. Er bezeichnete die Reform als „Gamechanger“ und ermahnte alle Politiker, Verantwortung zu übernehmen, statt eine Reform zu torpedieren, auf die Deutschland 30 Jahre gewartet habe. Er nahm zudem einen spitzen Seitenhieb auf Söder, der sich kürzlich nach einem Malheur den Bart abrasiert hatte: „Zukunftsorientierte Politik darf nicht nur den Bart abrasieren, sondern muss auch alte Zöpfe abschneiden.“
Steuerreform: Winkel fordert Volumen von über 20 Milliarden Euro
Neben der Rentenpolitik nutzte Winkel das Stern-Interview, um für eine ehrgeizige Steuerreform zu werben. Die Koalitionsspitzen trafen sich am Sonntag im Kanzleramt, um eine wichtige Sitzung des Koalitionsausschusses am Mittwoch vorzubereiten, bei der Entscheidungen zu Arbeitsmarkt- und Steuerreformen erwartet werden. Winkel bestand darauf, dass jedes Steuerpaket spürbare Entlastungen bringen müsse.
Es bringt wenig, eine Steuerreform zu verabschieden, die man kaum im Portemonnaie spürt, die aber vorher einen großen politischen Kampf auslöst.
Er argumentierte, das Volumen müsse „deutlich über 20 Milliarden Euro“ liegen und die Ära formelhafter Kompromisse sei vorbei. Winkel verwies auf ein Konzept zweier junger Unionsabgeordneter, Yannick Bury und Florian Dorn, das Einkommensteuerentlastungen mit einem schrittweisen Subventionsabbau kombiniert. Er wies darauf hin, dass die Subventionen von 5 Milliarden Euro vor der Pandemie auf heute über 50 Milliarden Euro explodiert seien. Winkel forderte, die Subventionen gleichmäßig über alle Branchen zu kürzen, anstatt Gewinner auszuwählen, und sagte, er erwarte diese Disziplin sowohl von der SPD als auch von seiner eigenen Partei.
Politische Gräben
Winkels Breitseite gegen Söder unterstreicht die wachsende Unruhe in der Union über die Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten. Während Winkel Merz' Reformkurs Unterstützung zusagte, stehen Söders Beharren auf dem Schutz von Minijobs und das kostspielige Drängen der CSU auf eine erweiterte Mütterrente im Widerspruch zum Entwurf der Kommission. Die eigenen Bedenken der SPD zur Abschaffung der Rente mit 63 sorgen für weitere Unsicherheit vor dem Koalitionsausschuss am Mittwoch.
- Rentenkommission übergibt 33 Reformvorschläge an die Regierung
- Koalitionsspitzen treffen sich im Kanzleramt zur Vorbereitung der Steuerreformgespräche
- Koalitionsausschuss tagt zur Entscheidung über Arbeitsmarkt- und Steuerreformen
Winkel lehnte es ab, rote Linien bei der Steuerreform zu ziehen, und erklärte, er sei „nicht dogmatisch“, und verwies auf die Rentenkommission als Vorbild für überparteilichen Pragmatismus. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Koalition diesen Geist sowohl bei den Renten als auch bei den Steuern wiederholen kann.


