
Windpark-Betrüger Hendrik Holt aus offenem Vollzug bei Berlin geflohen
Die Behörden haben eine Fahndung eingeleitet, nachdem der 36-jährige Hendrik Holt am 25. August 2026 von einem unbegleiteten Hafturlaub nicht in die JVA Heidering zurückgekehrt war und Briefe hinterließ, in denen er erklärte, nicht wiederzukommen.
Verschwinden aus dem offenen Vollzug
Die deutschen Behörden haben eine Fahndung nach dem verurteilten Investmentbetrüger Hendrik Holt eingeleitet, nachdem der 36-Jährige am 25. August 2026 nicht von einem genehmigten unbegleiteten Hafturlaub zurückgekehrt war. Holt verbüßte seine Strafe im offenen Vollzug nahe Berlin, eine Regelung, die es ihm erlaubte, die Einrichtung tagsüber zu verlassen, da sein offizieller Wohnsitz in der Hauptstadt gemeldet war. Er meldete sich am Dienstagabend nicht mehr in der Justizvollzugsanstalt Heidering zurück, woraufhin die Justizbehörden die Polizei alarmierten. Nach seinem Verschwinden gingen sowohl bei der Gefängnisverwaltung als auch bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück schriftliche Nachrichten aus dem Umfeld von Holt ein, in denen es hieß, er habe nicht die Absicht zurückzukehren. Oberstaatsanwalt Martin Schanz bestätigte, dass die Ermittler das Verschwinden als vorsätzliche Flucht behandeln, während Berichte darauf hinwiesen, dass Holts Frau Jana ebenfalls zusammen mit einem Kind und einem Säugling verschwunden sei.
Es liegen nun Tatsachen vor, aufgrund derer von einer Flucht ausgegangen werden muss.
Kurz nachdem die Behörden Fahndungsmaßnahmen eingeleitet hatten, erschien auf einem mit Holt in Verbindung gebrachten Instagram-Konto ein Beitrag mit einem Foto, das Grüße aus Moskau übermittelte und den dortigen Kaviar lobte.
- Festnahme im Hotel Adlon in Berlin
- Verurteilung durch das Landgericht Osnabrück zu knapp neun Jahren Haft
- Beteiligung über Mittelsmänner an einem 3,1-Millionen-Euro-Deal für den Flughafen Rostock-Laage
- Kehrt nicht von genehmigtem unbegleitetem Hafturlaub aus der JVA Heidering zurück
Erfundene Windenergieprojekte
Holt, ursprünglich aus Haselünne im niedersächsischen Emsland, wurde im April 2020 im Hotel Adlon in Berlin nach Ermittlungen zu Phantom-Energieanlagen festgenommen. 2022 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück in mehreren Verfahren zu einer Gesamtstrafe von knapp neun Jahren wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Bestechung und Urkundenfälschung. Holt, der sich einst als Wunderkind der Energiebranche präsentiert hatte, gestand während des Prozesses, internationalen Versorgungsunternehmen völlig erfundene Windparkentwicklungen angeboten zu haben. Das System brachte drei staatliche ausländische Energieunternehmen um rund 10 Millionen Euro. Mehrere Familienmitglieder Holts und der ehemalige Finanzdirektor der Holt-Gruppe erhielten Haftstrafen für ihre Rolle bei der Fälschung von Dokumenten und der Abwicklung von Zahlungen. Das Gerichtsverfahren stellte auch fest, dass Holt ausländische Diplomaten bestochen hatte, um einen Diplomatenpass zu erhalten, der ihn vor Strafverfolgung schützen sollte.
Prüfung des Kaufs des Flughafens Rostock
Das Verschwinden fiel mit einer laufenden Überprüfung der Osnabrücker Staatsanwaltschaft zusammen, die Vorwürfen anhaltender finanzieller Unregelmäßigkeiten während Holts Inhaftierung nachgeht. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang einer Strafanzeige wegen Betrugs, die Holt und zwei weitere Personen im Zusammenhang mit dem Kauf des Flughafens Rostock-Laage nennt. Im Rahmen einer Transaktion Mitte 2025 erklärte sich die Firma Crisp Partners bereit, den regionalen Verkehrsknotenpunkt für 3,1 Millionen Euro zu erwerben, und schlug die Installation großflächiger Solaranlagen auf dem Flughafengelände vor. Ermittlungen ergaben, dass Holt die Übernahme angeblich aus dem Gefängnis über Mittelsmänner gesteuert und im vergangenen Jahr an einem Verhandlungsgespräch zwischen Käufern und Verkäufern teilgenommen hatte, bei dem er sich als Schlüsselfigur hinter der Transaktion präsentierte.


