Europäische Wildkatze erobert Wälder des Saarlands zurück – Experten bereiten sich auf Artenschutzkonferenz vor
Einst extrem selten, durchstreift die Europäische Wildkatze inzwischen nahezu jeden Wald im Saarland – geschätzt mindestens 500 Tiere. Eine Fachkonferenz am 27. Juni wird die Zukunft dieser sich erholenden Wälder diskutieren.
Bestandserholung
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) hat im kleinsten Bundesland Deutschlands eine stille Rückkehr vollzogen. Martin Lillig, Biogeograph und Wildkatzenspezialist beim BUND Saarland, sagt, die Art sei in der Region nie vollständig ausgestorben, aber bis in die 1980er Jahre hinein „extrem selten“ gewesen. Anfang der 2000er Jahre konzentrierten sich die Sichtungen auf die Gebiete Hunsrück, Warndt und Bliesgau. Heute ist die Katze in fast allen Wäldern des Saarlands präsent, darunter auch in einem stark frequentierten städtischen Erholungsgebiet am Rande von Saarbrücken. Der BUND schätzt den Bestand auf mindestens 500 Tiere.
- Extrem selten, aber nie vollständig ausgestorben
- Hauptsächlich bekannt aus Hunsrück, Warndt und Bliesgau
- Fast alle Wälder besiedelt; mindestens 500 Individuen
Überwachung der scheuen Katze
Da Wildkatzen nachtaktiv und notorisch scheu sind, können herkömmliche Kamerafallen sie oft nicht von Hauskatzen unterscheiden. Lillig beschreibt die gängige Erhebungsmethode: „Wir wenden die Lockstock-Methode an. Grobe Holzstöcke werden mit Baldrian-Tinktur besprüht. Sie werden magisch vom Geruch angezogen und reiben sich daran, als seien sie auf Drogen.“ Die an den Stöcken zurückbleibenden Haare werden zur Identifizierung der Art an ein Genetiklabor geschickt.
Nachts sind alle Katzen grau. Selbst auf Wildkameras kann man oft nicht unterscheiden, ob es sich um eine Wildkatze oder eine Hauskatze handelt.
Gefährdung und Schutz
Die Art wird auf der deutschen Roten Liste als Kategorie 3 („gefährdet“) geführt. Der Straßentod ist eine der häufigsten Todesursachen, und die Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßen und Siedlungen bleibt ein anhaltender Druckfaktor. Lillig weist darauf hin, dass das Saarland das einzige Bundesland ohne eine Grünbrücke ist, und regt an, dass bereits einfache Unterführungen an wichtigen Stellen helfen würden. Die bevorstehende Konferenz „Saarlands Wildkatzenwälder von morgen“ wird SaarForst und BUND am 27. Juni in Saarbrücken zusammenbringen, um über die langfristige Vernetzung der Lebensräume zu beraten.
Ökologische Rolle
Lillig bezeichnet die Wildkatze als eine Leitart: Ihre Anwesenheit signalisiert einen ökologisch intakten und gut vernetzten Wald. „Wo sie gedeiht, gedeihen viele andere“, sagt er. Thomas Steinmetz, Direktor der Landesforstverwaltung SaarForst, fügt einen praktischen Nutzen hinzu: Die Katzen reduzieren die Mäusepopulationen, die Baumsamen fressen und an jungen Pflanzen nagen.
Für uns ist die Wildkatze ein natürlicher Verbündeter bei der Aufzucht eines stabilen Waldes.
Landesweite Hochburg
Das Saarland gilt inzwischen als das einzige Bundesland Deutschlands, in dem die Wildkatze das gesamte Gebiet besiedelt hat. Die Erholung von einer Handvoll bekannter Rückzugsgebiete hin zu einer nahezu vollständigen Abdeckung bietet eine seltene positive Erzählung im mitteleuropäischen Säugetierschutz, und die Konferenz zielt darauf ab, diesen Kurs für die kommenden Jahrzehnte zu sichern.


