
Venezolaner nehmen Rettung selbst in die Hand – Behörden reagieren nach Beben mit 1.719 Toten nur schleppend
Freiwillige aus der Bevölkerung leiten die Suche nach Überlebenden, nachdem zwei schwere Erdbeben die Nordküste Venezuelas verwüstet haben, während internationale Teams gegen die Zeit arbeiten. Die Zahl der Todesopfer ist auf 1.719 gestiegen, über 5.000 Menschen wurden verletzt und Zehntausende werden vermisst.
Verwüstung an der Küste
Die Fahrt von Caracas hinunter zur Küste offenbart eine Linie, an der die Zerstörung beginnt. Davor scheinen die Schäden gering; dahinter sind ganze Häuserblocks von Wohn- und Hotelgebäuden dem Erdboden gleichgemacht. Kein Gebäude steht unbeschadet da. Der Küstenabschnitt von La Guaira ostwärts war am stärksten betroffen. Offizielle Zahlen: 1.719 Tote, über 5.000 Verletzte, fast 16.000 Obdachlose und Zehntausende noch immer Vermisste. Der Geruch von Verwesung liegt an jeder Kreuzung.
Nachbarn sagen, sie hätten meinen Bruder gesehen, wie er versuchte herauszukommen, aber wir haben ihn in den Wohnungen nicht gefunden. Vielleicht war er auf der Treppe.
Gabriela Pérez, deren vier Kinder und ihre Mutter eingeschlossen sind, hat kaum geschlafen und hält Wache vor den Trümmern ihres Hauses. „Ich gehe nicht weg. Wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren“, sagt sie mit heiserer Stimme.
Ad-hoc-Rettung durch Einheimische
Ohne Koordination durch die Zentralregierung wurden Freiwillige aus der Bevölkerung und Angehörige zur ersten Rettungswelle. Sie kamen aus Caracas und anderen Landesteilen mit Wasser, Lebensmitteln und Werkzeug. In Caraballeda durchkämmte eine Gruppe wartender Angehöriger ein Gebäude nach dem anderen. Gruppen mit Helmen und Leuchtwesten gruben von Hand durch die Trümmer. Die Gemeindebehörden sind abwesend, und viele richten ihre Frustration gegen einen Staat, von dem sie sich im Stich gelassen fühlen.
Die Regierung? Ich sehe sie hier nicht. Ja, viele Polizisten und Militärs, aber die regeln hauptsächlich den Verkehr. Wir machen sehr viel selbst.
Marcanos Familie gräbt einen 12 Meter langen Tunnel, ernährt sich von Brot und Kaffee und hofft, Angehörige zu finden. Ein über WhatsApp kursierendes Video aus dem Erdgeschoss eines eingestürzten Gebäudes flüsterte von Süßigkeiten und Wasser, die noch eine Weile reichen würden, um zu überleben, und hielt die Hoffnung am Leben.
Internationale Teams im Wettlauf gegen die Zeit
Bis Montag waren 51 internationale Rettungsteams im Einsatz. Das niederländische USAR-Team, finanziert mit 2 Millionen Euro aus den Niederlanden, traf am Samstag ein und richtete ein autarkes Camp in einer Sporthalle ein. Seine 64 Mitglieder arbeiten in vier Schichten rund um die Uhr, acht Suchhunde durchkämmen die Trümmer. Das Team koordiniert auch die Einsätze am Flughafen und leitet eintreffende Teams in Absprache mit den lokalen Behörden zu den Einsatzorten.
Am Sonntag gab eine Familie einen Hinweis auf ein Opfer, das noch unter einem zehnstöckigen Wohnblock Signale gab. Ein niederländischer Hund schlug an, und als die Umstehenden still wurden, war Klopfen zu hören. „Drei Stunden lang gab es Hoffnung. Dann hörte das Klopfen auf und es wurde still“, sagt Redelijkheid.
Dann weiß man: Jemand lebt noch. Wir müssen das tun.
Am nächsten Tag zog ein amerikanisches Team eine Frau und ihr Kleinkind lebend aus den Trümmern, 85 Stunden nach dem Beben, was von den Rettern mit Applaus bedacht wurde. „Man steht da, alle klatschen und sind dankbar. Dafür sind wir hier“, erinnerte sich Redelijkheid.
- Zwei schwere Erdbeben erschüttern die Nordküste Venezuelas.
- Das niederländische USAR-Rettungsteam trifft in La Guaira ein.
- Das niederländische Team hört Klopfen aus einem eingestürzten Gebäude; es hört nach drei Stunden auf.
- Ein amerikanisches Team rettet eine Frau und ihr Baby nach 85 Stunden lebend.
Schwindende Hoffnung und Widerstandskraft
Die Bedingungen sind hart. Die Bauweise der Gebäude hier weist oft keine strukturelle Widerstandsfähigkeit auf, und die tropische Hitze über 30 °C beschleunigt die Dehydrierung bei Eingeschlossenen. Redelijkheid merkt an, dass beim Erdbeben in der Türkei 2023 die Kälte mehr Zeit verschafft habe; hier seien die Überlebenschancen geringer. Das übliche 10-Tage-Fenster für Rettungen wird sich bald schließen. Danach werden schwere Maschinen die Trümmer räumen. Das Team hat Vorräte für 10 Tage, wird aber eher abziehen, wenn keine Lebenszeichen mehr vorhanden sind.
Doch die Venezolaner, abgehärtet durch jahrelange Entbehrungen, zeigen eine bemerkenswerte Solidarität. Sie übersetzen, tragen Werkzeug und verbringen die Nächte auf der Straße, um die Suche aufrechtzuerhalten.
Die Einheimischen lehnen sich nicht zurück, sie helfen einander und helfen uns. Sie sind bemerkenswert geeint.


