
Rettungsteams suchen vier Tage nach Doppelbeben mit mindestens 1.430 Toten in Venezuela fieberhaft nach Überlebenden
Internationale Teams, darunter eine 48-köpfige deutsche Einheit, arbeiten in Nordvenezuela rund um die Uhr, nachdem am Mittwochabend zwei flache Beben im Abstand von 39 Sekunden Tausende Gebäude zum Einsturz brachten und Zehntausende vermisst werden.
Die Beben
Zwei schwere Erdstöße erschütterten am Abend des 24. Juni (Ortszeit) Nord- und Zentralvenezuela. Auf das erste Beben der Stärke 7,2 folgte 39 Sekunden später ein zweiter Stoß der Stärke 7,5. Dutzende Nachbeben verstärkten die Zerstörung, am stärksten betroffen war der Küstenstaat La Guaira mit dem wichtigsten internationalen Flughafen und dem größten Seehafen des Landes. Ganze Wohnblocks und öffentliche Gebäude stürzten innerhalb von Sekunden ein.
- Erstes Beben der Stärke 7,2 erschüttert Nordvenezuela am frühen Abend.
- Zweites Beben der Stärke 7,5 folgt 39 Sekunden später.
- Deutsche Hilfsflüge mit THW-Team starten in Wunstorf.
- THW-Team (48 Personen) trifft über Nacht am Flughafen Caracas ein.
- Suchaktionen beginnen in Caraballeda; eine 60-jährige Überlebende wird nach 86 Stunden aus den Trümmern geborgen.
Opfer und Schäden
Bis Sonntagmittag bestätigten die Behörden mindestens 1.430 Todesfälle. Mehr als 3.300 Menschen seien verletzt behandelt worden, erklärte Jorge Rodríguez, Präsident der Nationalversammlung. Die Zahl der Vermissten bleibt ungewiss; ein offizielles Internetportal listete über 55.000 Menschen als vermisst auf, die Angaben sind jedoch unabhängig nicht überprüfbar. Die Regierung bezeichnete die Katastrophe als beispiellos.
Wir haben bisher 1.430 Tote gezählt.
Internationale Rettungsaktion
24 Länder haben Such- und Rettungsteams entsandt und insgesamt mehr als 2.700 Einsatzkräfte sowie 521 Tonnen Hilfsgüter geliefert. Die Europäische Union aktivierte am Sonntag ihren Katastrophenschutzmechanismus. Eine 60-jährige Frau wurde nach 86 Stunden von einem internationalen Team lebend aus den Trümmern in Caraballeda (La Guaira) geborgen – ein Einsatz, den El Salvadors Präsident Nayib Bukele hervorhob. In derselben Region wurde auch ein elfjähriger Junge gerettet, andere jedoch hatten weniger Glück.
Deutscher Hilfseinsatz
Ein 48-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) landete in den frühen Morgenstunden des Samstags in Caracas. Am Sonntagmorgen begannen sie mit der Durchsuchung einer Stelle, an der ein Überlebender vermutet wurde, mithilfe von Spürhunden und akustischen Ortungsgeräten. Die Einheit arbeitet im Schichtbetrieb, um die Stelle ununterbrochen zu bearbeiten.
Mit ihren feinen Nasen können sie Überlebende unter den Trümmern aufspüren.
Der Einsatz, finanziert vom Auswärtigen Amt und transportiert von der Bundeswehr, umfasste zehn Ärzte, sieben Suchhunde und 28,5 Tonnen Ausrüstung. Vier A400M-Maschinen starteten am Freitag in Wunstorf; eine fünfte folgte am Samstag mit Hilfsgütern der Malteser.
Der Verlust eines Fußballers
Zu den Tausenden persönlichen Tragödien zählt der Fall des argentinischen Mittelfeldspielers Lucas Trejo (38), der seine Frau und seine beiden Kinder (fünf und sieben Jahre alt) verlor, als ihr Gebäude in Playa Grande einstürzte. Trejo, der für den Zweitligisten Sport Marítimo La Guaira spielt, hatte seit Mittwoch im Schutt gewühlt. Ihre Leichen wurden am Samstag geborgen.
Ich bete zu Gott für die ewige Ruhe der Verstorbenen.


