Welthungerindex steigt erstmals seit Beginn der Reihe im Jahr 2000
Subsahara-Afrika verzeichnet den höchsten Indexwert aller Weltregionen, und sieben der acht Länder mit alarmierendem Hungerniveau liegen dort. Die Berichte erscheinen vor dem Welternährungstag am 16. Oktober.
Ein globaler Index bewegt sich rückwärts
Der Welthungerindex, den die Welthungerhilfe gemeinsam mit zwei Partnerorganisationen veröffentlicht, stieg vom Referenzjahr 2018 mit 17,6 Punkten auf 18,1 Punkte. Das ist die erste Verschlechterung in der Datenreihe, die bis ins Jahr 2000 zurückreicht. In 32 Ländern nahm der Hunger seit 2018 zu, während 20 weitere kaum Fortschritte verzeichneten. Subsahara-Afrika weist den höchsten Indexwert aller Weltregionen auf, und sieben der acht Länder mit alarmierendem Hungerniveau liegen dort. Der Index stützt sich auf Unterernährung, Wachstumsverzögerungen, Auszehrung und Kindersterblichkeit. Setzt sich der Trend fort, werden 57 Länder das Ziel eines niedrigen Hungerniveaus bis 2030 verfehlen, heißt es in dem Bericht.
- 2018 (Referenzjahr)
- 17.6 Punkte
- 2026
- 18.1 Punkte
Akute Krisen konzentrieren sich auf wenige Länder
Aktion gegen den Hunger zählt für 2025 etwa 266 Millionen Menschen in hoher akuter Ernährungsunsicherheit in 47 Ländern und Territorien, und zwei Drittel von ihnen lebten in nur zehn Ländern. Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und der Sudan machen zusammen 82,9 Millionen der Betroffenen aus. Nigeria verzeichnete die größte dokumentierte akute Ernährungskrise, mit 30,6 Millionen Betroffenen im Jahr 2025. Separat meldete die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen einen leichten globalen Rückgang des chronischen Hungers auf 645 Millionen Menschen im Jahr 2025, getragen von Fortschritten in Asien sowie in Lateinamerika und der Karibik. Die FAO-Zahl ist nicht mit der Zahl der akuten Krisen gleichzusetzen, da sie einen anderen Indikator misst.
- Nigeria
- 30.6 Mio. Menschen
- Sudan
- 24.6 Mio. Menschen
Sudan und Nigeria
Der seit 2023 andauernde Krieg im Sudan hat eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. Etwa 24,6 Millionen Menschen im Sudan waren 2025 von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, fast die Hälfte der Bevölkerung. In den belagerten Städten El Fasher und Kadugli wurde 2025 eine Hungersnot festgestellt, und im Mai 2026 galten 14 Gebiete weiterhin als von einer Hungersnot bedroht. Für 2026 werden im Sudan etwa 825.000 schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren erwartet, und UN-Schätzungen beziffern die Zahl der Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, auf 33,7 Millionen. In Nigeria stieg der Index seit 2018 von 28,2 auf 34,3 Punkte, knapp unter der Schwelle zur Kategorie „alarmierend“. Bis zu 34,7 Millionen Menschen drohen in der Hungerperiode 2026 akut von Hunger betroffen zu sein, und schätzungsweise 6,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind akut mangelernährt.
Kürzungen der Hilfe und Ursachen
Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe, forderte die Bundesregierung auf, die Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe zurückzunehmen und Ernährungssicherheit zum festen Bestandteil ihrer Politik zu machen. Er warnte:
Wer heute bei der Überwindung des Hungers und der Krisenprävention kürzt, riskiert morgen noch größere humanitäre Katastrophen und weitere Instabilität.
Aktion gegen den Hunger berichtet, dass die Finanzierung der humanitären Nahrungsmittelhilfe in Krisengebieten zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent zurückging, was Hilfsprogramme zum Rückzug zwang und Krisen schwerer nachverfolgbar macht. Der Index nennt bewaffnete Konflikte als Hauptursache, weil sie Menschen aus ihrer Heimat vertreiben und ihre Lebensgrundlagen zerstören. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine störte die globalen Nahrungsmittel- und Düngemittelmärkte und trieb die Lebensmittelpreise in die Höhe, während Zusammenstöße zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus die Lage weiter verschärften, heißt es in dem Bericht. Höhere Preise haben eine gesunde Ernährung für 2,69 Milliarden Menschen unerschwinglich gemacht, und Dürren und Überschwemmungen verschärfen die Not.
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) erklärte in einer Stellungnahme:
Die aktuellen Hungerzahlen sind ein klares Alarmsignal.
Sie verknüpfte den Hunger mit Kriegen und Konflikten und betonte zugleich, dass er auch ein lösbares Problem sei.
Fortschritte und der Weg zum Welternährungstag
Der Bericht verzeichnet auch Fortschritte in Uganda und Nepal. Expertinnen und Experten führen diese Erfolge auf nachhaltige Investitionen und politische Maßnahmen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Bildung und Sanitärversorgung zurück. Sie warnen zugleich, dass ein positiver nationaler Trend den Hunger innerhalb eines Landes verbergen kann. Beide Berichte erscheinen vor dem Welternährungstag am 16. Oktober.