Rheingauer Weinprobierstände: Von Flörsheim bis Lorch über zwei Dutzend Stationen für ein Glas am Rhein
Von Wicker bis Lorch bieten mehr als zwei Dutzend kommunale Weinprobierstände Riesling, Spätburgunder und Secco im Glas, viele erlauben Gästen, eigene Picknicks mitzubringen.
Eine Kette von Ständen entlang des Rheins
Mehr als zwei Dutzend kommunale Weinprobierstände sind diesen Sommer im Rheingau geöffnet, von Flörsheim im Osten bis Lorch im Westen. Die Stände, die von lokalen Weingütern gemeinsam betrieben werden und wöchentlich rotieren, bieten Wein im Glas, Traubensaft, Wasser und oft kleine Snacks an. Viele erlauben es Gästen, eigene Picknicks mitzubringen. Die Stände sind bis zum Herbst geöffnet, einige, wie das „Fässchen“ in Walluf, bedienen das ganze Jahr über.
Das Fässchen: ein umgebautes Fass und ein Treffpunkt
Im „Fässchen“ in Walluf wird Wein aus einem umgebauten ehemaligen Weinfass ausgeschenkt. An einem Sommerwochentagabend zieht der Stand Paare, Radfahrer und Familien an. Tatjana Held, Juniorchefin des Weinguts Friedel Russler, hatte Mitte Juli Dienst. Ein Gast fragt nach einem „Piffchen“ und Held reicht ein großzügiges 0,1-Liter-Glas Riesling. Held sagt, der Stand sei eine gute Gelegenheit für das Weingut, sich zu präsentieren. „Viele neue Leute können unseren Wein probieren.“ Sie gewinne so oft neue Kunden. Beliebt seien Burgundersorten mit wenig Säure, Rosé, Sekt und ein alkoholfreier Kräuter-Riesling-Secco. Gäste dürfen ausdrücklich eigene Speisen mitbringen; manche lassen sich sogar Pizza liefern. „Kein Problem“, sagt Held. Unter der Woche kämen mehr Einheimische, am Wochenende Touristen. „Bei schönem Wetter brummt es.“
Man geht zum Fässchen, um eine entspannte Zeit zu haben.
Marketing und Tradition
Dominik Russler, Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbandes, sagt, die Stände hätten eine lange Tradition und seien „eine Bereicherung für die Region.“ Sie böten eine unkomplizierte Möglichkeit, sich zu treffen. Die Standorte am Rhein seien besonders bei Einheimischen, Touristen und Radfahrern beliebt. Familien bevorzugten eher Stände in den Weinbergen, wo Kinder mehr Platz zum Spielen hätten. Russler betont, die Bedeutung der Stände für das Marketing regionaler Weine „könne nicht unterschätzt werden.“ Für Winzer böten sie eine Chance zur Kundenpflege und zum Kontakt mit Neukunden. Weinliebhaber könnten zu einem erschwinglichen Preis etwas Neues probieren.
Sie sind eine Bereicherung für die Region.
Über den Rheingau hinaus
Im anderen hessischen Weinanbaugebiet, der Hessischen Bergstraße, haben sich kommunale Weinstände noch nicht durchgesetzt. Lisa Jung, Geschäftsführerin des örtlichen Weinbauverbandes, sagt, viele Winzer dort wollten Stände in den Weinbergen betreiben. „Die Finanzierung ist sicherlich die größte Hürde, aber auch Auflagen wie Toiletten, Wasser und Strom spielen eine Rolle“, fügt sie hinzu. Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts, merkt an, dass solche Gemeinschaftsstände auch in anderen deutschen Weinanbaugebieten zu finden seien, und nennt den „Weinpavillon“ in Zornheim (Rheinhessen), „Wein am Rhein“ in Nierstein und die „Weinkiste“ der Winzergenossenschaft Deidesheim in der Pfalz.
Eine Auswahl an Ständen
Die Stände reihen sich wie Perlen an einer Schnur am Rhein entlang, einige liegen jedoch etwas abseits des Flusses. Am „Tor zum Rheingau“ in Wicker begrüßt ein Stand die Besucher im Osten. Flörsheim schenkt am Mainufer aus. In Wiesbaden-Biebrich bietet ein Stand Blick auf den Rhein und einen Spaziergang durch den Schlosspark Biebrich. Die Bubenhäuser Höhe in Rauenthal liegt oberhalb des Flusses mit Blick auf die Weinberge. Im Ortsteil Mittelheim von Oestrich-Winkel steht der Stand „Auf ans Ufer!“ direkt an der Rheinfähre an der B42. Der Touristen-Hotspot Rüdesheim hat zwei Gemeinschaftsstände, an der Bleichstraße und am Marktplatz. Am westlichen Ende schließt der „Weinstand in den Rheinanlagen“ in Lorch die Kette.


