Ahrweiler-Landrätin erinnert sich an Flutnacht 2021: „Aufgeben war keine Option“
Fünf Jahre nach der Katastrophe im Ahrtal schildert Landrätin Cornelia Weigand die Nacht, in der sie den Bewohnern sagen musste, dass keine Hilfe kommt – und warum sie weiterhin eine Entschuldigung der rheinland-pfälzischen Landesregierung fordert.
Die Nacht der Flut
Cornelia Weigand, heute 55 Jahre alt und als parteilose Landrätin von Ahrweiler im Amt, war Bürgermeisterin von Altenahr, als die Flut 2021 durch das Tal riss. In einem neuen Interview erinnert sie sich an den Schock jener Nacht: keine verlässlichen Vorhersagen, falsche Wasserstandsmeldungen, die zu spät kamen, und keine Hubschrauber – obwohl sie bereits 2016 gewarnt hatte, dass sie benötigt würden.
Was mich sehr erschüttert hat, war, dass es die ganze Nacht über keine auch nur annähernd verlässlichen Vorhersagen gab. Die letzten Werte, die mitgeteilt wurden, waren falsch und kamen, als wir die Wasserstände bereits erreicht hatten.
Vom Balkon des Rathauses aus, wo sie noch ihr Mobiltelefon nutzen konnte, musste Weigand Anrufern sagen, dass keine Hilfe kommen würde. Am nächsten Morgen war die Verwüstung sichtbar, und die ersten Toten wurden geborgen.
An die Öffentlichkeit gehen
Weigand entschied sich früh, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil das Ausmaß der Zerstörung sofortige und groß angelegte Hilfe erforderte. Sie schrieb einen offenen Brief an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und die damalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer, um Unterstützung zu erwirken.
Aufgeben war für mich keine Option, weil ich wusste, warum ich das tat: Wir haben sehr viele Menschen verloren, viele Nachbarn, viele Freunde, die Häuser von sehr vielen – einige entkamen mit nichts als ihrem nackten Überleben.
Der Ruf nach einer Entschuldigung
Fast fünf Jahre später sagt Weigand, eine Entschuldigung der Landesregierung wäre ein wichtiges Signal, das sich viele im Tal lange gewünscht haben. Sie betont, dass es nicht um ein Schuldeingeständnis geht, sondern darum, Wunden heilen zu helfen.
Natürlich ist das Land auch Teil der Katastrophe, und deshalb hätten sich sehr viele Menschen eine Entschuldigung gewünscht. Es bringt die Menschen, die wir verloren haben, nicht zurück, aber vielleicht kann es helfen, Wunden heilen zu lassen.
Überarbeitung des Katastrophenschutzes
Weigand weist auf konkrete Verbesserungen im Zivilschutz seit 2021 hin. Die Kreisverwaltung hat eine eigene Stabsstelle eingerichtet, in Fahrzeuge und Ausrüstung investiert, die Ausbildung von Freiwilligen intensiviert und Alarm- und Einsatzpläne grundlegend überarbeitet. Auch das Land habe Schritte unternommen, doch Weigands Fokus bleibt auf der menschlichen Tragödie und der unerledigten Frage der Verantwortung.


