
Real Madrid Präsidentschaftswahl: Riquelme fordert Pérez mit Vision einer 'Mitgliederstadt' heraus
Enrique Riquelme und Florentino Pérez haben am Mittwoch offiziell ihre Wahlkämpfe um die Präsidentschaft von Real Madrid gestartet und bieten den Mitgliedern stark unterschiedliche Visionen für die Zukunft des Vereins vor der Wahl am 7. Juni.
Der Wahlkampf um die Präsidentschaft von Real Madrid begann am Mittwoch offiziell, als Amtsinhaber Florentino Pérez und Herausforderer Enrique Riquelme ihre rivalisierenden Programme den Vereinsmitgliedern vorstellten. Die für den 7. Juni angesetzte Wahl ist die erste umkämpfte Präsidentschaftswahl im Verein seit 20 Jahren.
Riquelmes Vorschlag einer 'Mitgliederstadt'
Riquelme, 37-jähriger Energieunternehmer und Gründer von Cox Energy, startete seinen Wahlkampf mit einem Flaggschiff-Vorschlag: das Trainingsgelände Valdebebas in „La Ciudad del Socio“ – die Mitgliederstadt – umzuwandeln. Das Projekt sieht einen riesigen sozialen Treffpunkt vor mit einem exklusiven Hotel, Schwimmbädern, einem Fitnessstudio, Tennis- und Padelplätzen, Basketballplätzen, Fußballfeldern und einer Arena für die Basketballmannschaft des Vereins, die auch als Konzertstätte mit einer Kapazität von 15.000 Zuschauern dienen soll.
In den 1950er Jahren war Real Madrid ein Mitgliederclub. Die Mitglieder hatten das Gefühl, zu etwas dazuzugehören. Sie wussten, dass sie diejenigen waren, die das Sagen hatten. Zwischen 2004 und 2026 hat Real Madrid seine Essenz verloren, und die Mitglieder haben ihren Verein verloren.
Riquelme machte keine Angaben zu den Kosten des Projekts oder wie der Verein es finanzieren würde. Er versprach außerdem, die Mitgliedsbeiträge um 50 % zu senken und 10.000 Dauerkarten über eine Lotterie zu vergeben, um den mehr als 100.000 Mitgliedern des Vereins die Chance zu geben, Dauerkarten über eine Verlosung statt über eine Warteliste zu erhalten.
Pérez kontert gegen den Herausforderer
Florentino Pérez (79) präsentierte seine Kandidatur Stunden nach Riquelmes Veranstaltung im Hotel Meliá Castilla, flankiert von den ehemaligen Vereinsstars Ronaldo Nazário und Roberto Carlos. Seine Rede war geprägt von direkten Angriffen auf seinen Gegner, den er mit der Ära des früheren Präsidenten Ramón Calderón in Verbindung brachte.
Sie kommen nicht, um Real Madrid zu dienen, sie kommen, um sich an Real Madrid zu bedienen.
Pérez beschuldigte Riquelmes Lager, einen Schattenwahlkampf gegen den Verein zu führen, und stellte die finanzielle Leistungsfähigkeit seines Rivalen in Frage, indem er andeutete, spanische Banken seien zurückhaltend, die erforderliche Bürgschaft zu stellen. Er verteidigte seinen eigenen Vorschlag, eine Tochtergesellschaft zu gründen, die es externen Investoren erlauben würde, einen Anteil von rund 5 % am Verein zu erwerben, und bestand darauf, dass dies „das Gegenteil einer Privatisierung“ sei und die Mitglieder Eigentümer blieben.
Die Eigentumsdebatte
Eine zentrale Trennlinie im Wahlkampf betrifft die Vereinsbesitzverhältnisse. Riquelme positionierte sich als Verteidiger der Mitgliederkontrolle, lehnte Pérez‘ Investitionsvorschlag vehement ab und beschuldigte den Amtsinhaber, den Verein „privatisieren“ zu wollen. Pérez konterte mit dem Versprechen, die Mitgliedereigentümerschaft rechtlich zu verankern.
Die Mitglieder sind und werden die Eigentümer unseres Vereins sein, egal wie sehr sie darauf bestehen, Lügen zu erfinden. Wir müssen uns absichern.
Stadion- und Technologievision
Pérez widmete der laufenden Renovierung des Santiago-Bernabéu-Stadions große Aufmerksamkeit und bezeichnete sie als „technologische Revolution“ und „unendliches Bernabéu“. Er sagte, der Verein arbeite mit Apple zusammen, um eine „technologische Utopie“ zu schaffen, die Realität werde. Der Amtsinhaber versprach auch ein neues Innovationszentrum, das den sportlichen Betrieb des Vereins unterstützen solle.
Der Fall Negreira und der breitere Kontext
Pérez erhielt Applaus, als er auf den Caso Negreira einging – die Zahlungen des FC Barcelona an Schiedsrichterfunktionäre – und schwor, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. Riquelme hingegen nutzte ein Interview mit ABC, um jegliche politische Verbindungen zu seiner Kandidatur zu bestreiten und reagierte damit auf Spekulationen über Verbindungen zur Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez.
Das ist völlig falsch. Ich weiß nicht, warum sie das sagen. Wir sind mit absolut niemandem verbunden. Dies ist ein Sportprojekt.
Die Wahl am 7. Juni gibt den Mitgliedern von Real Madrid ihre erste Wahlmöglichkeit zwischen Präsidentschaftskandidaten seit 2004, als Pérez zuletzt auf einen Herausforderer traf.


