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Wahlen·2. Juli

BSW geht auf AfD zu – Weidel sagt vorerst Nein zu Debatten

Sahra Wagenknechts BSW schlug der AfD-Ko-Vorsitzenden Alice Weidel vor den Landtagswahlen im September eine Reihe von Freiluft-Duellen vor. Die rechtsextreme Partei lehnte das Angebot ab und knüpfte künftige Gespräche an ein Überspringen der Fünf-Prozent-Hürde durch das BSW.

Der Vorstoß

Am 26. Juni sandte die Führung des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) einen Brief an die AfD-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla. Darin wurde „eine kontroverse Debatte auf einem großen Marktplatz im Osten der Republik zwischen den bekanntesten Gesichtern zweier Parteien, die vom Mainstream aus unterschiedlichen Gründen bekämpft werden“ vorgeschlagen. Das zweistufige Duell mit Stationen in Magdeburg und Schwerin war als „Hin- und Rückspiel“ vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gedacht. Die BSW-Ko-Vorsitzenden Fabio de Masi und Amira Mohamed Ali sowie Generalsekretär Oliver Ruhnert argumentierten, dass die Veranstaltungen die politische Debatte „zurück ins Zentrum der Gesellschaft“ holen würden und etablierte TV-Formate umgehen sollten.

Eine kontroverse Debatte auf einem großen Marktplatz im Osten der Republik zwischen den bekanntesten Gesichtern zweier Parteien, die vom Mainstream aus unterschiedlichen Gründen bekämpft werden.

— Brief der BSW-Führung

Die Ablehnung

Am 1. Juli lehnte AfD-Ko-Vorsitzende Alice Weidel über ihren Sprecher Daniel Tapp ab. Die AfD stehe „selbstverständlich für Dialog und demokratischen Austausch“ und sehe gemeinsame Positionen zur Ukraine, aber „letztlich ist jede Partei für ihren eigenen Wahlkampf verantwortlich“. Die Stellungnahme knüpfte jedes Gespräch an einen BSW-Erfolg an der Wahlurne: „Wenn sie das schafft, ist die AfD selbstverständlich für Gespräche bereit.“ BSW-Vertreter werteten die Absage als Ausdruck von Angst. De Masi sagte dem Spiegel: „Frau Weidel kneift und hat Angst, ein Duell mit Sahra Wagenknecht zu verlieren“, während Ruhnert den Schritt als „ungeschickt“ bezeichnete und bedauerte, dass „sicher viele Wähler im Osten an einem solchen Duell interessiert gewesen wären“.

Frau Weidel kneift und hat Angst, ein Duell mit Sahra Wagenknecht zu verlieren.

— Fabio de Masi

Dass Alice Weidel kneift, ist ungeschickt. Viele Wähler im Osten hätten sich sicher für so ein Duell interessiert.

— Oliver Ruhnert

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Das größere AfD-Bild

In Mecklenburg-Vorpommern wies AfD-Landesko-Sprecher und Spitzenkandidat Leif-Erik Holm den Brief als „vergifteten Brief“ und reines politisches Marketing zurück. „Warum sollten wir das tun?“, fragte er und wies darauf hin, dass das BSW eine Unterstützung einer AfD-geführten Regierung bereits ausgeschlossen habe. BSW-Landeschef Peter Schabbel unterstrich diese Linie: „Es wird weder eine Koalition mit der AfD geben, noch wird das BSW einen AfD-Ministerpräsidenten wählen. Diese Position ist klar und unverändert.“ Zugleich kritisierte der Bundes-BSW-Brief die sogenannte „Brandmauer“, die eine Zusammenarbeit anderer Parteien mit der AfD verhindert, und betonte: „Wir entscheiden immer nach Sachlage und nicht danach, wer Anträge in die Parlamente einbringt.“

Das BSW hat Angst vor der Fünf-Prozent-Hürde und muss sich nun mit einem vergifteten Brief ins Gespräch bringen.

— Leif-Erik Holm

Es wird weder eine Koalition mit der AfD geben, noch wird das BSW einen AfD-Ministerpräsidenten wählen.

— Peter Schabbel

Die Landtagswahlen

Zwei Wahlen stehen im September an: Sachsen-Anhalt am 6. und Mecklenburg-Vorpommern am 20. Umfragen sehen das BSW bei 4 % in Sachsen-Anhalt und 6 % in Mecklenburg- Vorpommern kann die Partei nur dann in einen Landtag einziehen, wenn sie die Fünf-Prozent-Hürde in mindestens einem Bundesland überspringt Die AfD liegt in beiden Regionen bei den Wählerpräferenzen vorne könnte jeder BSW-Erfolg die Arithmetik der Koalitionsbildung verändern SRF-Auslandsressortleiter Stefan Reinhart merkte an: sollte das BSW der AfD zur Macht verhelfen wäre das ein ziemlicher Umbruchinder Parteienlandschaft.ein chart c1/>

Wenn das BSW der AfD zur Macht verhilft, wäre das ein ziemlicher Umbruch in der Parteienlandschaft.

— Stefan Reinhart

Überschneidungen und Risiken

BSW und AfD treffen sich in mehreren außenpolitischen Positionen: Beide sind EU-skeptisch, Putin-freundlich, lehnen die NATO ab und fordern eine Begrenzung der Zuwanderung, wobei der Ansatz des BSW weniger radikal ist. Reinhart sieht ein strategisches Glücksspiel für Wagenknecht, die versucht, sich vom Scheitern ihrer Partei an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl 2024 zu erholen. „Sie will zurück ins Spiel“, sagte er. Der Vorstoß könnte ihre linke Basis verprellen, von der viele jede Verstrickung mit der extremen Rechten ablehnen. Sollte das BSW letztlich einen AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen, warnte Reinhart, würde Wagenknecht zum „Steigbügelhalter“ der rechtsextremen Partei werden.

BSW-Umfragewerte und die Fünf-Prozent-Hürde · %
Sachsen-Anhalt
4
Mecklenburg-Vorpommern
6
5 % Hürde
5
Sachsen-Anhalt
4 %
Mecklenburg-Vorpommern
6 %
5 % Hürde
5 %
Schlagabtausch vor den Landtagswahlen im September 2026
  1. 26. Juni 2026BSW-Führung sendet Brief mit Vorschlag für Debatten zwischen Wagenknecht und Weidel.
  2. 1. Juli 2026Alice Weidel lehnt den Vorschlag ab, signalisiert aber Offenheit, wenn das BSW die 5 %-Hürde überspringt.
  3. 6. Sept. 2026Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
  4. 20. Sept. 2026Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Magdeburg · Schwerin
Sahra WagenknechtAlice WeidelFabio de MasiAmira Mohamed AliOliver RuhnertDaniel TappLeif-Erik HolmPeter SchabbelStefan Reinhart
MagdeburgSchwerin

8 Quellen

  • "Bündnis Sahra Wagenknecht" umwirbt AfD-Co-Chefin Weidel
    SRF News·2. Juli
  • Germany, AfD rejects proposal for joint election events with Bsw
    Adnkronos·1. Juli
  • BSW will Bühne mit AfD: Wagenknecht bittet Weidel um Duell - und blitzt ab
    RP Online·1. Juli
  • "Jede Partei für Wahlkampf selbst verantwortlich": Weidel gibt BSW Korb für Duelle mit Wagenknecht vor Ost-Landtagswahlen
    Der Tagesspiegel·1. Juli
  • Weidel gibt BSW Korb für gemeinsame Wahlkampfauftritte
    DIE WELT·1. Juli
  • Weidel gibt BSW Korb für gemeinsame Wahlkampfauftritte
    Süddeutsche Zeitung·1. Juli
  • AfD-Chefin Weidel weist BSW‑Vorstoß zurück - aber zeigt sich offen für Gespräche
    DIE WELT·1. Juli
  • Wahlkampf: AfD-Mann Holm nennt BSW-Schreiben "vergifteten Brief"
    ZEIT ONLINE·1. Juli

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