
USA und Iran setzen Kampfhandlungen ‚vorerst‘ aus nach Gefechten in der Straße von Hormus
Washington und Teheran vereinbaren einen Angriffsstopp nach einem Wochenende wechselseitiger Schläge, doch der Iran warnt Schiffe davor, seine vorgeschriebene Route durch die strategische Öl-Flaschenhals zu umgehen.
Ein fragiler Waffenstillstand
Das Protokoll von Islamabad, das am 17. Juni von US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Massoud Peseschkian unterzeichnet wurde, sollte die Kampfhandlungen beenden und den Weg für ein dauerhaftes Friedensabkommen ebnen. Die 60-tägige Waffenruhe trat sofort in Kraft, doch innerhalb von zehn Tagen wurde sie auf die Probe gestellt. Am 25. Juni begannen die iranischen Revolutionsgarden, Handelsschiffe in der Straße von Hormus ins Visier zu nehmen. Die USA reagierten mit Luftangriffen auf iranische Küstenstellungen. Bis Freitagabend, den 26. Juni, räumten beide Seiten ein, dass die Kampfhandlungen wieder aufgenommen worden waren.
Die Straße von Hormus wird zum Prüfstand
Die Meerenge, durch die etwa 20 % des weltweiten Öls transportiert werden, war in der Vorwoche gemäß den Bestimmungen des Protokolls wieder geöffnet worden. Der Iran verlangte jedoch, dass Schiffe einen engen Korridor nahe seiner Küste nutzen. Am Sonntag warnte Teheran, dass jedes Schiff, das versuche, diese Route zu umgehen, mit Konsequenzen rechnen müsse. Die USA ihrerseits erklärten, ihre Angriffe vom Samstag seien eine direkte Reaktion auf iranische Attacken auf die Handelsschifffahrt gewesen. Die wechselseitigen Schlagabtäusche haben die Wasserstraße in ein umkämpftes Areal verwandelt, in dem jede Seite die roten Linien der anderen auslotet.
- US-Präsident Trump und der iranische Präsident Peseschkian unterzeichnen das Protokoll von Islamabad, eine 60-tägige Waffenruhe.
- Irans Revolutionsgarden greifen mehrere Handelsschiffe in der Straße von Hormus an.
- Die Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran werden wieder aufgenommen.
- USA führen Vergeltungsangriffe auf die iranische Küste durch.
- Iran warnt Schiffe vor der Umgehung seines festgelegten Korridors; ein US-Vertreter kündigt die Aussetzung der Kampfhandlungen und die Fortsetzung der technischen Gespräche an.
Eine fragile Pause
Am späten Sonntag teilte ein US-Vertreter Reportern mit, dass Washington und Teheran sich darauf geeinigt hätten, die Angriffe „vorerst“ auszusetzen und dass die technischen Gespräche zu allen Aspekten des Protokolls fortgesetzt würden.
Es ist geplant, dass die technischen Diskussionen zu allen Punkten des Protokolls fortgesetzt werden.
Die Ankündigung ließ die Forderung des Irans nach einem Korridor unberührt und ließ offen, wie lange die Pause andauern würde. Die französische Tageszeitung Les Echos berichtete, dass die Verhandlungen wieder ins Stocken geraten seien, während Ouest France anmerkte, dass eine unkontrollierte Eskalation nicht ausgeschlossen werden könne.
Ölmärkte beobachten nervös
Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Energie-Engpässe der Welt. Ihre Wiedereröffnung in der vergangenen Woche hatte die Märkte beruhigt, doch die Gefechte am Wochenende haben wieder eine Risikoprämie eingeführt. Analysten warnen, dass jede anhaltende Störung die Rohölpreise stark in die Höhe treiben könnte, auch wenn die Wasserstraße vorerst offen bleibt und der Schiffsverkehr, wenn auch unter erhöhter Spannung, weiterläuft.

