
Russland wirft Ukraine vor, eine sechsstündige Waffenruhe zur Übergabe von Leichen in Kostiantynivka abgelehnt zu haben – beide Seiten streiten um die Kontrolle der ostukrainischen Stadt
Moskau schlug eine Waffenruhe am Montag vor, um die Leichen gefallener Soldaten zu übergeben, doch Kiew reagierte laut Russland nicht, während die Kämpfe weitergingen und die diplomatischen Kontakte vor dem NATO-Gipfel intensiviert wurden.
Kampf um Kostiantynivka
Russische und ukrainische Streitkräfte kämpfen seit Monaten um Kostiantynivka, eine strategisch wichtige Stadt in der Region Donezk, die Moskau als Tor zu Kramatorsk betrachtet. Am Freitag behauptete der Kreml, seine Truppen hätten die Kontrolle übernommen, doch die Ukraine dementierte umgehend. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Behauptung als „eine weitere russische Lüge“ und erklärte, die Kämpfe dauerten an. Das ukrainische Militär veröffentlichte Videos von Soldaten in der Stadt, und ein Sprecher sagte, allein am Freitag seien elf russische Angriffe abgewehrt worden. Russische Truppen sind südlich eines Flusses, der die Stadt durchschneidet, vorgerückt und wurden in einigen Teilen, darunter dem Stadtzentrum, gesichtet, doch die ukrainischen Streitkräfte halten ihre befohlenen Linien.
Auch um Kostiantynivka wird weiter gekämpft, das Putin bereits für sich beansprucht hat, aber es ist offensichtlich, dass er es niemals wagen wird, dort aufzutauchen.
Waffenruhe-Vorschlag und Ablehnung
Am Sonntag teilte das russische Verteidigungsministerium mit, es habe eine sechsstündige lokale Waffenruhe in und um Kostiantynivka für Montag vorgeschlagen, um die Übergabe der Leichen ukrainischer Soldaten zu ermöglichen. Es setzte Kiew eine Frist bis Sonntag 09:00 Uhr GMT zur Antwort. Später am selben Tag beschuldigte das Ministerium die Ukraine, die Einstellung des Beschusses verweigert und damit das Angebot faktisch abgelehnt zu haben. Das ukrainische Verteidigungsministerium und der Generalstab äußerten sich zunächst nicht zu der Behauptung.
Kostiantynivka sei bereits ein Teil Russlands und die Einladung des Kremls an Selenskyj, Präsident Wladimir Putin in Moskau zu treffen, stehe weiterhin.
Diplomatisches Treiben vor dem NATO-Gipfel
Selenskyj warnte am Sonntag, die Geheimdienste deuteten darauf hin, dass Russland einen neuen groß angelegten Angriff vor dem NATO-Gipfel in Ankara in dieser Woche vorbereite. Er wird dort voraussichtlich US-Präsident Donald Trump treffen. Beide Führungspersönlichkeiten telefonierten am Samstag: Trump und Putin sprachen fast 90 Minuten lang, wobei Trump laut Kremlberater Juri Uschakow anbot, bei der Suche nach einer Lösung für den Krieg zu helfen. Auch Selenskyj und Trump sprachen, erörterten die 1.200 km lange Frontlinie und vereinbarten, die Gespräche auf dem Gipfel persönlich fortzusetzen.
Es gibt eine reale Aussicht, diesen Krieg zu beenden, und die Entschlossenheit Amerikas wird eine entscheidende Bedeutung haben.
Angriffe und Opfer
Bei russischen Drohnen- und Raketenangriffen in der gesamten Ukraine wurden am Sonntag mindestens vier Menschen getötet. Anfang der Woche waren bei einem russischen Angriff auf Kiew 30 Menschen ums Leben gekommen. Auf der von Russland besetzten Krim starb nach Angaben des von Moskau eingesetzten Gouverneurs eine Person bei einem ukrainischen Angriff, zwei weitere wurden verletzt. Selenskyj erklärte, ukrainische Angriffe auf Russland brächten „jeden Tag Ergebnisse“ und der Druck müsse aufrechterhalten werden, um Frieden zu schaffen.
- Russland behauptet, seine Truppen hätten die Kontrolle über Kostiantynivka übernommen; die Ukraine dementiert.
- Trump telefoniert mit Putin (90 Minuten) und Selenskyj; das ukrainische Militär veröffentlicht Videos von Soldaten in der Stadt.
- Russland schlägt eine Waffenruhe am Montag zur Leichenübergabe vor, Frist 09:00 Uhr GMT; später heißt es, die Ukraine habe abgelehnt. Selenskyj warnt vor neuen russischen Angriffen.
- Vorgeschlagene sechsstündige lokale Waffenruhe in Kostiantynivka (Russland sagt, die Ukraine habe abgelehnt).
- NATO-Gipfel in Ankara; Selenskyj und Trump treffen sich voraussichtlich.


