
Israel-Hisbollah-Waffenruhe bricht innerhalb einer Stunde zusammen – US-iranische Friedensgespräche stocken
Eine von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah wurde bereits in den ersten 45 Minuten gebrochen; beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, der US-iranische Friedensprozess ist eingefroren.
Waffenruhe vereinbart, dann gebrochen
Ein hochrangiger US-Vertreter gab am Freitag bekannt, dass Israel und die Hisbollah einer Waffenruhe zugestimmt hätten, die um 16:00 Uhr Ortszeit (15:00 Uhr MESZ) in Kraft trat. Katar vermittelte das Abkommen mit Unterstützung der USA und des Iran. Die Ankündigung weckte Hoffnungen, dass das wenige Tage zuvor unterzeichnete US-iranische Rahmenabkommen Bestand haben würde, doch diese Hoffnungen wurden fast sofort zunichtegemacht.
Libanonsicherheitskreise berichteten laut Süddeutscher Zeitung von mindestens 12 israelischen Angriffen innerhalb der ersten 45 Minuten der Waffenruhe. Es blieb unklar, ob die Angriffe vor oder nach dem offiziellen Beginn der Waffenruhe stattfanden, aber das israelische Militär erklärte, es habe über Nacht und am Freitagmorgen mehr als 150 Hisbollah-Ziele getroffen und dabei „Dutzende“ von Kämpfern getötet. Israel beschuldigte die Hisbollah, die Waffenruhe zuerst gebrochen zu haben.
Ein abscheulicher Angriff der Hisbollah, eine flagrante Verletzung der Waffenruhe.
Netanjahu sagte, er habe der Armee befohlen, mit aller Härte vorzugehen. Die Hisbollah ihrerseits beharrte darauf, dass Israel niemals eine Waffenruhe respektiert habe.
Opferzahlen auf beiden Seiten steigen
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Freitag mindestens 21 Tote bei neuen israelischen Luftangriffen im Süden und Osten des Landes. Andere Quellen, darunter ein späterer Handelsblatt-Bericht, bezifferten die Zahl der Toten auf 47 und die der Verletzten auf 97. Acht der Toten gehörten derselben Familie an. Israel bestätigte vier getötete und vier verwundete Soldaten bei einem Drohnen- und Raketenangriff der Hisbollah am späten Donnerstag.
Zwei rechtsextreme israelische Minister reagierten mit Forderungen nach massiver Vergeltung. Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X:
Zeit, mit Feuer zu sprechen. Öffnet die Tore der Hölle.
Polizeiminister Itamar Ben-Gvir fügte hinzu:
Für jede Träne einer israelischen Mutter müssen tausend libanesische Mütter weinen. Ganz Libanon muss brennen!
Diplomatie auf Eis
Der Zusammenbruch wirkte sich sofort auf den gesamten Friedensprozess aus. US-Vizepräsident JD Vance und seine Delegation waren bereit, zu Gesprächen mit dem Iran in die Schweiz aufzubrechen, als die Reise gestrichen wurde. Der Iran hatte seine Teilnahme von einer umfassenden Waffenruhe abhängig gemacht, und die anhaltenden israelischen Angriffe führten dazu, dass Teheran sich weigerte, eine Delegation zu entsenden, wie mehrere Quellen bestätigten.
Diese Angriffe untergraben alle Bemühungen, den Krieg zu beenden.
Die Anschuldigung des libanesischen Präsidenten unterstrich die Fragilität des gesamten US-iranischen Rahmens, den beide Seiten Anfang der Woche unterzeichnet hatten, an dem Israel oder die Hisbollah jedoch nicht direkt beteiligt waren.
- Hisbollah-Angriff tötet vier israelische Soldaten im Südlibanon.
- Israelische Luftangriffe treffen mehr als 150 Hisbollah-Ziele; libanesisches Gesundheitsministerium meldet 47 Tote.
- Von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah tritt in Kraft.
- Libanonsicherheitskreise melden 12 israelische Angriffe in den ersten 45 Minuten.
- US-iranische Folgetreffen in der Schweiz auf unbestimmte Zeit verschoben.
Hormuz-Schifffahrt nimmt mit neuen Regeln langsam wieder Fahrt auf
Inmitten des Chaos nahm der Verkehr durch die Straße von Hormus zum ersten Mal seit Monaten leicht zu, nachdem der Iran die Transitgebühren ausgesetzt hatte. Die iranische Hafenbehörde veröffentlichte jedoch am Freitag neue Anforderungen: Alle Schiffe müssen mindestens 48 Stunden im Voraus per E-Mail oder über eine Website einen schriftlichen Antrag einreichen und einen obligatorischen Versicherungsschutz nachweisen. Schiffe dürfen nur einen ausgewiesenen Korridor entlang der iranischen Küste in der Nähe der Insel Larak benutzen.
Iranische Medien hatten nur Stunden vor der Bekanntgabe der Waffenruhe mit einer erneuten Schließung der Meerenge gedroht. Die Schritte halten die globalen Energiemärkte in Atem, selbst wenn die unmittelbare militärische Lage vor Ort volatil bleibt.


