
Britische Regulierungsbehörde gewährt Virgin Trains ab 2030 Zugang zur Kanaltunnellinie
Die britische Bahnregulierungsbehörde ORR hat Virgin Trains die Nutzung der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1 ab Oktober 2030 genehmigt, was bis zu 20 tägliche Hin- und Rückfahrten zwischen London und Paris, Brüssel oder Amsterdam ermöglicht und damit das seit 1994 bestehende Monopol von Eurostar herausfordert.
Genehmigung der Regulierungsbehörde
Das Office of Rail and Road (ORR) gewährte Virgin Trains vorläufigen Zugang zur Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1, die London St Pancras mit dem Kanaltunnel bei Dover verbindet. Die Vereinbarung erlaubt Virgin, ab dem 1. Oktober 2030 bis zum 31. Dezember 2040 bis zu 20 tägliche Hin- und Rückfahrten zwischen London (St Pancras) und Paris (Gare du Nord), Brüssel (Brüssel-Midi) und Amsterdam (Amsterdam Centraal) durchzuführen. Virgin und London St Pancras Highspeed müssen die Vereinbarung noch abschließen, was bis Anfang September geschehen könnte. Die Genehmigung umfasst nur den britischen Abschnitt der Strecke vom St Pancras bis zum Tunnel bei Dover. Virgin benötigt noch Zugang zu kontinentalen Schienennetzen und Sicherheitsfreigaben sowohl der britischen als auch der EU-Behörden, bevor die Dienste starten können. Die Fahrgäste hoffen, dass der Wettbewerb die Fahrpreise senken wird, da die aktuellen Bahntickets auf Strecken wie London-Paris oft teurer sind als Flüge.
Dies ist ein wichtiger nächster Schritt, um mehr Wettbewerb und Wachstum in den Markt zu bringen.
Virgins Vorbereitungen
Virgin, das dem britischen Milliardär Richard Branson gehört, hatte sich bereits im Oktober 2025 Zugang zum Depot Temple Mills in Ost-London gesichert, der einzigen Einrichtung, die an die HS1 angeschlossen ist und von der aus Züge den Kanaltunnel erreichen können. Dieser Zugang war zuvor für Eurostar reserviert und galt als unverzichtbar für kontinentale Dienste; mehrere Wettbewerber hatten ihn nicht erhalten. Das Unternehmen hat eine vorläufige Vereinbarung mit dem französischen Hersteller Alstom über den Kauf von 12 Hochgeschwindigkeitszügen getroffen, der endgültige Erwerb wurde jedoch noch nicht abgeschlossen. Virgin plant, rund 700 Millionen Pfund (über 800 Millionen Euro) in das Projekt zu investieren und sucht nach Finanzpartnern. Die ORR schätzt, dass der Betrieb rund 400 Arbeitsplätze schaffen könnte. Das Unternehmen hat noch nicht bekannt gegeben, was es für Tickets verlangen wird.
- Virgin sichert sich Zugang zum Depot Temple Mills in Ost-London, das zuvor für Eurostar reserviert war
- ORR gewährt Virgin vorläufigen Zugang zur Hochgeschwindigkeitsstrecke HS1 zum Kanaltunnel
- Trenitalia plant Aufnahme des Paris-London-Verkehrs (geplant)
- Geplanter Starttermin des Virgin-Trains-Dienstes
- Ende des HS1-Zugangszeitraums von Virgin
Eurostars Monopol unter Druck
Eurostar ist seit der Eröffnung des Tunnels im Jahr 1994 der einzige Personenverkehrsbetreiber durch den Kanaltunnel. Laut The Independent wird die Tunnelkapazität derzeit nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet. Eurotunnel, der Tunnelbetreiber, gibt an, dass die Infrastruktur 1.000 Züge pro Tag bewältigen kann, weit über den derzeitigen 400. Branson hatte sich zuvor für den Markteintritt eingesetzt und gegenüber The Independent erklärt, es sei an der Zeit, das 30-jährige Monopol zu brechen. Eurostar ist kein britisches Staatsunternehmen mehr, hat aber die französischen und belgischen Staatsbahnen als Hauptaktionäre. Internationale Bahnstrecken in Europa werden noch immer weitgehend von nationalen Bahngesellschaften oder deren Allianzen betrieben, die in der Regel exklusive Rechte auf den Gleisen besitzen.
- Aktuelle tägliche Züge
- 400 Züge pro Tag
- Maximale Kapazität
- 1000 Züge pro Tag
Weitere Herausforderer und EU-Politik
Virgin ist nicht der einzige, der auf Eurostars Position abzielt. Der italienische Staatsbetrieb Trenitalia plant ab 2029 eine Verbindung zwischen Paris und London, unterstützt durch eine Finanzierungsvereinbarung mit dem US-Fonds Certares. Das Start-up Gemini Trains verfolgt ebenfalls London-Kontinental-Verbindungen, während der niederländische Billigbetreiber GoVolta beabsichtigt, mit Eurostar zwischen Amsterdam und Paris zu konkurrieren. Die Europäische Kommission unterstützt die Zulassung weiterer kommerzieller Betreiber auf internationalen Bahnstrecken, in der Hoffnung, die Fahrpreise zu senken. Das Vereinigte Königreich, das nicht mehr EU-Mitglied ist, trägt dennoch zur Liberalisierung des Schienenverkehrs bei, indem die ORR die HS1-Strecke für einen privaten Wettbewerber öffnet.


