
Französische Behörden leiten Vorermittlungen wegen mutmaßlicher codierter Anzeigen zu Kinderhandel auf der Second-Hand-Plattform Vinted ein
Videos in sozialen Medien, die auf Plüschtiere mit exorbitanten Preisen und Altersangaben als codierte Handelsanzeigen hinweisen, haben eine französische Untersuchung ausgelöst, aber Vinted und die Polizei erklären, es seien keine glaubwürdigen Fälle gefunden worden.
Social-Media-Sturm um codierte Anzeigen
Dutzende Vinted-Angebote für Stofftiere, Puppen und andere Kinderartikel zu Preisen von mehreren tausend Euro kursierten Mitte Juni auf TikTok und Instagram. Die Anzeigen enthielten Beschreibungen wie „9 Jahre alt, guter Zustand, weiblich, weiß“ und „158 cm, 13 Jahre“, die von Nutzern als Geheimsprache für den Verkauf von Minderjährigen interpretiert wurden. Ein virales Video, das mehr als 112.000 Mal gelikt wurde, verwies auf eine Harry-Potter-Figur für 30.000 Euro, wobei der Ersteller andeutete, der Preis und die physischen Details deuteten auf ein „Codierungssystem für einen Kinderhandelsring“ hin.
Wenn die Fakten bewiesen sind, ist es erschütternd.
Offizielle Ermittlungen, aber keine Beweise
Die Staatsanwaltschaft Nanterre leitete am 25. Juni ein Vorermittlungsverfahren ein und beauftragte das Amt für Minderjährige (Ofmin) mit der Überprüfung der Berichte. Die französische Kinderbeauftragte Sarah El Haïry hatte bereits zwei Tage zuvor verdächtige Konten gemeldet. Es sind jedoch keine konkreten Beweise aufgetaucht. Die deutschen Behörden erklärten, dass dasselbe Muster unbestätigter Hinweise bereits früher aufgetreten sei. Das Bundeskriminalamt stellte fest, dass sich seit dem 23. Juni Berichte aus mehreren Bundesländern anhäuften, während die hessische Polizei erklärte, es gebe „keine glaubhaften Hinweise auf tatsächliche Angebote im Zusammenhang mit Kinder- oder Menschenhandel“.
Das beschriebene Phänomen ist dem Bundeskriminalamt bekannt. In der Vergangenheit haben sich ähnliche Meldungen zu Online-Kleinanzeigen nicht bestätigt.
Vinteds Reaktion
Vinted teilte Pressevertretern mit, man habe „die derzeit online geteilten Anzeigen gründlich geprüft und keine glaubwürdigen Fälle gefunden, die sie mit Kinderhandelsaktivitäten in Verbindung bringen“. Das Unternehmen fügte hinzu, dass alle Anzeigen, die absichtlich erstellt wurden, um die Debatte anzuheizen, umgehend entfernt und die Konten gesperrt würden. Die österreichische Faktencheck-Organisation Mimikama kam zu demselben Schluss und hielt es für unwahrscheinlich, dass kriminelle Netzwerke solche Anzeigen auf einer großen Second-Hand-Plattform schalten würden. Vinted bestätigte, dass es eng mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeitet.
Wir haben die derzeit online geteilten Anzeigen gründlich geprüft und keine glaubwürdigen Fälle gefunden, die sie mit Kinderhandelsaktivitäten in Verbindung bringen.
Alte Theorien, keine neuen Beweise
Frühere Wellen ähnlicher Vorwürfe, darunter der Verdacht, Vinted werde von Menschenhändlern genutzt, erwiesen sich als unbegründet. Die Zentrale Stelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität erklärte, das Szenario sei in ihren Ermittlungen nicht vorgekommen, schloss jedoch die Nutzung jeglicher Online-Kommunikationskanäle für illegale Zwecke nicht aus. Ein Bericht der französischen Seite 20minutes, der behauptete, mit einem Mann gesprochen zu haben, der ein Mädchen zum Verkauf anbot, wurde später korrigiert: Der angebliche Verkäufer war ein 17-Jähriger, der die Anzeige geschaltet hatte, um „Pädophile“ zu überführen. Portugiesische Medien berichteten über ein Angebot für eine „Rosa“ für 20.000 Euro mit Abholung in Portugal, aber die Anzeige führte zu keinem bestätigten Menschenhandel.
- Die französische Kinderbeauftragte Sarah El Haïry meldet verdächtige Vinted-Konten an die Behörden; das deutsche BKA verzeichnet einen Anstieg ähnlicher Hinweise aus mehreren Bundesländern.
- Die Staatsanwaltschaft Nanterre leitet ein Vorermittlungsverfahren ein und beauftragt das Amt für Minderjährige.
- Vinted gibt eine Erklärung ab, wonach keine glaubwürdigen Fälle gefunden wurden; die deutsche Polizei bestätigt, dass es keine Anzeichen für tatsächlichen Kinderhandel gibt.


