
Vespa wird 80: Tausende Vespisti ziehen im Parcours durch Rom am Kolosseum vorbei zum Jubiläum des Rollers
Zehntausende Vespa-Enthusiasten aus aller Welt versammelten sich an diesem Wochenende in Rom zu einem viertägigen Fest zum 80. Jahrestag des italienischen Kultrollers, das in einer großen Parade am Kolosseum und den Kaiserforen gipfelte.
Vier Tage Feierlichkeiten
Das Foro Italico und das Stadio dei Marmi in Rom wurden für die „Vespa Roma 2026 – 80 Jahre einer Ikone“ in ein Vespa-Dorf verwandelt, ein Treffen, das am 25. Juni begann und bis zum 28. Juni dauert. Die Veranstaltung umfasst Ausstellungen, Rennen, Paraden und Clubtreffen. Mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt haben sich für die Parade angemeldet, allein aus Deutschland reisten nach Angaben der Organisatoren rund 600 bis 800 offiziell angemeldete Fans.
Am Samstag zogen Tausende Fahrer auf bunten Vespas durch die Straßen, ihre Route führte am Kolosseum und den antiken Kaiserforen vorbei. Die Teilnehmerzahlen wurden auf über 10.000 bis zu mehreren Zehntausend geschätzt. Die Fahrer trotzten der Sommerhitze, einige in Motorradjacken, andere in T-Shirts, viele waren Hunderte oder sogar Tausende Kilometer angereist.
Die Geschichte der Vespa, die buchstäblich die Geburt und den Aufstieg Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet, ist gewissermaßen ein ikonisches Symbol unserer Geschichte, unserer Kultur.
Von der Nachkriegsnotwendigkeit zur globalen Ikone
Die Vespa entstand aus der Notwendigkeit der Nachkriegszeit. Im Jahr 1946 beauftragte Enrico Piaggio, der sein Familienunternehmen für Rüstungsgüter in der Toskana diversifizieren wollte, den Luftfahrtingenieur Corradino D'Ascanio mit der Entwicklung eines billigen, leicht zu fahrenden motorisierten Zweirads. D'Ascanio, der herkömmliche Motorräder nicht mochte, schuf einen Roller mit einem 125-cm³-Zweitaktmotor, einer selbsttragenden Karosserie und einem Durchstiegsrahmen. Das erste Patent wurde am 23. April 1946 angemeldet, die Produktion begann in Pontedera.
Der Name „Vespa“ – italienisch für Wespe – soll vom Klang des Prototypenmotors inspiriert worden sein. Das Design mit seiner runden Metallkarosserie, dem markanten vorderen Kotflügel und dem am Lenker montierten Scheinwerfer hat im Laufe von acht Jahrzehnten rund 160 Restyling-Updates erfahren, ist aber unverkennbar geblieben. Seit der Markteinführung wurden fast 20 Millionen Einheiten verkauft, allein im letzten Jahrzehnt etwas mehr als zwei Millionen. Heute wird der Roller in rund 100 Ländern verkauft und in drei Werken in Italien, Vietnam und Indien hergestellt.
- Erstes Patent für die Vespa-Produktion von Piaggio eingereicht
- Erste Modelle laufen vom Band in Pontedera, Toskana
- Zu sehen in „Ein Herz und eine Krone“ mit Audrey Hepburn und Gregory Peck
- Große Parade durch Rom zum 80. Jahrestag
Kino, Dolce Vita und kulturelles Prestige
Ein Großteil des internationalen Ruhms der Vespa beruht auf ihren Filmauftritten. Audrey Hepburn und Gregory Peck fuhren in der romantischen Komödie „Ein Herz und eine Krone“ (1953) auf einer durch Rom, und später war sie in Federico Fellinis „La Dolce Vita“ zu sehen. Diese Filme machten den Roller zum Inbegriff von italienischem Stil, Freiheit und dem süßen Leben.
„Es ist ein hochwertiger Roller. Und er hat einen gewissen Status. Er ist stilvoll“, sagte Julie Stover, 63, aus den Vereinigten Staaten, die sich in Rom eine Vespa mietete, um mit ihrem Bruder an der Parade teilzunehmen. Ihr Bruder Andrew Ward, 57, fügte hinzu: „Wir hatten unser ganzes Leben lang Roller und Motorräder. Aber ich wollte schon immer eine Vespa.“
Für viele Teilnehmer ist die Vespa mehr als ein Fahrzeug. „Vespa ist einfach Leidenschaft“, sagte Sascha Sabia, 43, der etwa 1.200 Kilometer von Ludwigshafen (Deutschland) angereist war. „Auf der Vespa fühlt man sich frei; wenn man fährt, vergisst man alle Probleme, den Stress des Tages.“
Eine rollende Gemeinschaft
Das Jubiläumstreffen unterstrich die Fähigkeit des Rollers, soziale Bindungen zu schaffen. Sandra Carozzi, 62, war über 700 Kilometer aus Triest angereist. „Wenn ich mit der Vespa losfahre, komme ich immer mit unzähligen Menschen in Kontakt“, sagte sie. „Jeder liebt die Vespa. Sie halten einen an, fragen, woher man kommt, was man macht – die Vespa ist ein Lebensstil.“
Piazzios Vorstandsvorsitzender Matteo Colaninno beschrieb die Geschichte der Vespa als verwoben mit „der Geschichte eines Landes, das aus der Nachkriegszeit hervorgeht, das sich bewegen will, das wieder auf die Beine kommen will.“ Der Roller, so stellte er fest, repräsentierte nicht nur physische Mobilität, sondern auch den breiteren Wunsch, wieder aufzubauen und nach vorne zu schauen.

