
Deutschland verschärft Regeln zur Demokratieförderung mit Verfassungsschutz-Prüfung und Schwerpunkt auf etablierte Gruppen
Das deutsche Familienministerium hat neue Förderkriterien für das Programm 'Demokratie leben!' veröffentlicht, die eine Sicherheitsüberprüfung der Antragsteller verlangen und die Gelder in etablierte Einrichtungen wie Schulen und Feuerwehren lenken.
Die Neugestaltung
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat am Mittwoch die überarbeiteten Regeln für 'Demokratie leben!' veröffentlicht, das Flaggschiff-Bundesprogramm, das seit 2014 Projekte gegen Extremismus, Rassismus und Antisemitismus fördert. Der jährliche Topf von rund 190 Millionen Euro wird nun mit strengeren Auflagen verbunden sein, einschließlich einer expliziten Rolle des Inlandsnachrichtendienstes bei der Überprüfung von Antragstellern.
Geheimdienstchecks werden verpflichtend
Eine wesentliche Änderung ist die Einführung sogenannter Haber-Verfahren – eine zweistufige Überprüfung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Organisationen, die Fördermittel auf Bundesebene beantragen, müssen Checks auf 'verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse' zustimmen. Das Ministerium sagt, dies sei bereits bisher möglich gewesen, aber die neuen Richtlinien heben es deutlich hervor. Kritiker befürchten, dass der Schritt das Programm politisieren und zivilgesellschaftliche Gruppen abschrecken könnte.
Bewährte Strukturen werden ohne nachvollziehbare fachliche Begründung abgeschafft.
Von Vielfalt zur 'schweigenden Mitte'
Das Programm wird auf zwei Säulen verengt – Demokratiebildung und Extremismusprävention – unter Wegfall der zuvor aufgeführten 'Vielfaltsförderung'. Prien hat gesagt, sie wolle die 'schweigende Mitte' der Gesellschaft erreichen und mehr Mainstream-Akteure wie Sportvereine, Kulturvereine, Feuerwehren und Schulen fördern. Karl-Heinz Banse, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, begrüßte die Umstellung und sagte, sie könne helfen, Diskriminierung in der Feuerwehr anzugehen. Ein neuer digitaler Strang wird sich auch mit Radikalisierung im Internet befassen, durch Medienkompetenzprojekte und Anti-Extremismus-Bemühungen im Gaming.
Konsequenzen für bestehende Projekte
Rund 200 bundesweite Projekte werden nach den neuen Kriterien Ende 2026 auslaufen. Organisationen müssen sich neu bewerben, ab August Ideen online einreichen und strengere Regeln beachten: nur ein Projekt pro Rechtsträger, ein obligatorischer Eigenanteil von 10 Prozent und die Auflage, in mindestens drei Bundesländern tätig zu sein. Die SPD, der kleinere Koalitionspartner, beklagte, nicht ausreichend in die Neugestaltung eingebunden worden zu sein.
Reaktionen
Heiko Klare vom Bundesverband Mobile Beratung, der zu Rechtsextremismus und Rassismus berät, beschrieb die unmittelbare Belastung der Basisgruppen:
HateAid, das Opfer von Online-Hass unterstützt, sagte, die frühzeitige Veröffentlichung schaffe Klarheit und man werde eine Bewerbung in Erwägung ziehen, wenn die Opferhilfe angemessen berücksichtigt bleibe. Die Amadeu Antonio Stiftung kritisierte die Hinwendung zu staatlichen Strukturen und argumentierte, dass die Radikalisierung junger Menschen dort allein nicht bekämpft werden könne.Draußen brennt der Baum, und wir schreiben Anträge.
- Ministerin Prien kündigt Plan zur Umstrukturierung des Förderprogramms an.
- Neue Förderkriterien und Aufrufe zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht.
- Online-Einreichungsfrist für Projektideen beginnt.
- Ausgewählte Organisationen werden zur Einreichung vollständiger Anträge eingeladen.
- Förderung für rund 200 bestehende Projekte läuft aus.


