
Varfolomeev gewinnt dritten Mehrkampf-Weltmeistertitel in Folge bei Heim-WM in Frankfurt
Die deutsche Rhythmische Sportgymnastin Darja Varfolomeev überwand einen frühen Fehler am Reifen und gewann in der ausverkauften Frankfurter Festhalle ihren dritten Mehrkampf-Weltmeistertitel in Folge mit 119.500 Punkten.
Ein holpriger Start
Darja Varfolomeev ging als überwältigende Favoritin in den Mehrkampffinale der Rhythmischen Sportgymnastik-Weltmeisterschaften in Frankfurt, nachdem sie die Qualifikation an allen Geräten dominiert hatte. Doch die Übung der 19-Jährigen am Reifen ging schief: Die Kampfrichter gaben ihr nur 28.300 Punkte, und ihr Unmut war auf ihrem Gesicht abzulesen, als sie die Bühne verließ. Der Stolperer hatte zusätzliches Gewicht, weil Varfolomeev die Keulen-Finalqualifikation um nur 0.3 Punkte verpasst hatte und damit Neunte an diesem Gerät wurde. Diese knappe Verfehlung gab zusätzliche Motivation für den Mehrkampf, bei dem sie vor heimischem Publikum vier Durchgänge am Reifen, Ball, Keulen und Band absolvierte.
Das Comeback
Varfolomeev erholte sich sofort mit einer starken, fehlerfreien Ballübung, die 30.050 Punkte einbrachte und sie wieder an die Spitze heranführte. Sie nahm die Wertung mit einem erleichterten Lächeln zur Kenntnis. Ihre Keulenübung wurde dann zum Wendepunkt: An genau dem Gerät, an dem sie am Vortag Probleme gehabt hatte, erzielte sie mit 31.500 Punkten die Tageshöchstwertung und übernahm nach drei von vier Durchgängen die Führung. Die Bandübung erforderte Fassung, und Varfolomeev lieferte 29.650 Punkte, winkte erleichtert der Menge zu, bevor die Wertung überhaupt erschien. Sie lächelte bereits, als die Zahl auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Der Titel gehörte ihr, bestätigt nach einem kurzen Warten.
- Reifen
- 28.3 Punkte
- Ball
- 30.05 Punkte
- Keulen
- 31.5 Punkte
- Band
- 29.65 Punkte
- Erzielt 28.300 Punkte, sichtbarer Unmut nach frühem Fehler
- Fehlerfreie Leistung bringt 30.050 Punkte, verkürzt den Rückstand
- Tageshöchstwertung von 31.500 Punkten gibt ihr nach drei Durchgängen die Führung
- 29.650 Punkte sichern den Mehrkampftitel mit insgesamt 119.500 Punkten
Sie lag 1.900 Punkte vor der Bulgarin Stiljana Nikolowa, die Silber holte. Italiens Sofia Raffaeli sicherte sich Bronze. Der Sieg bescherte Varfolomeev ihren dritten Mehrkampf-Weltmeistertitel in Folge und glich ihren Erfolgen aus den Jahren 2023 und 2025. Vor zwei Jahren in Paris wurde sie als erste deutsche Turnerin Olympiasiegerin im Mehrkampf. Neben der Goldmedaille erhielt sie die Urkunde, die den frühzeitig gesicherten olympischen Quotenplatz Deutschlands für die Spiele 2028 in Los Angeles bestätigt.
Heimpublikum und Emotionen
Die Frankfurter Festhalle war ausverkauft, 4.250 Zuschauer feuerten Varfolomeev bei jeder Übung an. Die 19-Jährige, die als Gesicht der Heim-WM enorme Erwartungen geschultert hatte, brach nach der bestätigten Siegerbekanntgabe in Tränen der Freude auf der Schulter ihrer Trainerin zusammen.
Ich kann meine Gefühle überhaupt nicht beschreiben. Ich habe geweint, ich habe gelacht – und ich bin einfach dankbar für die Unterstützung. Ich habe wunderbare Menschen an meiner Seite.
Was noch kommt
Am Sonntag hat Varfolomeev drei weitere Goldchancen in den Einzelgerätefinals mit Ball, Band und Reifen. Die Meisterschaften umfassen 300 Athleten aus 73 Nationen, die die ganze Woche über antreten. Trotz Varfolomeevs wachsendem Ruhm als fünffache Weltmeisterin hat die Veranstaltung in Frankfurt selbst nur begrenzte öffentliche Begeisterung hervorgerufen. Organisationschef Thorsten Weiß vom Deutschen Turner-Bund merkte an, dass die Rhythmische Sportgymnastik in Deutschland nach wie vor fast ausschließlich Mädchen anspricht, auch wenn Varfolomeevs Erfolg das Interesse steigert. Die Fanzone auf dem Messegelände wurde für die ganze Familie konzipiert und nicht für das Kernpublikum der Sportart – ein Ansatz, der laut Weiß wahrscheinlich nur in Japan oder Spanien anders wäre, wo Gymnastik seit langem auch männliche Teilnehmer anzieht. Ein Getränkehersteller in der Fanzone lädt die Besucher ein, einen Reifen zu drehen oder ein Band zu schwingen, um eine kostenlose Flasche Wasser zu erhalten, allerdings war der Keulen-Stand noch nicht mit Ausrüstung bestückt.


