
Argentinien zieht weiter – VAR schickt Embolo nach neuer Identitätsregel vom Platz, Schweiz empört
Ein umstrittener VAR-Eingriff, der Breel Embolo wegen Simulation vom Platz stellte, ließ die Schweiz kochen – Argentinien gewann 3:1 nach Verlängerung und erreichte das WM-Halbfinale.
Argentinien bezwingt zehn Schweizer, VAR-Drama dominiert
Argentinien sicherte sich mit einem 3:1-Sieg nach Verlängerung gegen die Schweiz im Arrowhead Stadium in Kansas City den Einzug ins WM-Halbfinale, doch das Spiel wurde von einer VAR-Entscheidung überschattet, die Schweizer Stürmer Breel Embolo in der 69. Minute vom Platz stellte. Bei 1:1 zeigte Schiedsrichter João Pinheiro nach VAR-Überprüfung Argentiniens Leandro Paredes die Gelbe Karte an und verwarnte stattdessen Embolo wegen Simulation – seine zweite Gelbe des Abends. Die Schweiz spielte fortan in Unterzahl und kassierte in der Verlängerung zwei Gegentreffer, was das Aus bedeutete.
Der Vorfall
Die Schweiz war durch Dan Ndyes Ausgleich in der 67. Minute zurückgekommen. Zwei Minuten später ging Embolo nach Kontakt mit Paredes im Strafraum zu Boden, und Pinheiro entschied zunächst auf Foul, zeigte dem argentinischen Mittelfeldspieler Gelb. Der VAR berief sich auf das Protokoll der „falschen Identität“ und rief den Schiedsrichter zum Monitor. Nach Ansicht der Bilder hob Pinheiro die Entscheidung auf, strich die Verwarnung gegen Paredes und zeigte Embolo wegen Schauspielerei Gelb. Da Embolo bereits verwarnt war, flog er automatisch vom Platz.
Wir wurden durch eine völlig unverständliche Regel bestraft. Wir haben dominiert, das Spiel kontrolliert. Die Entscheidung hat unser Spiel zerstört. Es tut so weh, so auszuscheiden. Wir haben das nicht verdient.
Die Regel, die das Spiel veränderte
Die IFAB (International Football Association Board) hatte die Regel zur „falschen Identität“ kurz vor dem Turnier angepasst. Bislang durfte der VAR eine Verwarnung nur korrigieren, wenn der Schiedsrichter die Karte dem falschen Spieler derselben Mannschaft gezeigt hatte. Der neue Wortlaut erweitert dies auf Fälle, in denen die Karte einem Gegenspieler hätte gegeben werden müssen. In diesem Fall wurde Paredes zunächst für ein vermeintliches Foul bestraft, doch die Bilder zeigten, dass Embolo simuliert hatte. Der VAR-Eingriff folgte also dem Protokoll, auch wenn Kritiker argumentieren, dass es sich gar nicht um einen Fall von „falscher Identität“ handelte, sondern um einen einfachen Fehler des Unparteiischen, der traditionell außerhalb des VAR-Zuständigkeitsbereichs liegt. Ein ähnlicher Eingriff hatte sich bereits in der Gruppenphase im Spiel USA gegen Paraguay ereignet.
Schweizer Wut und Tränen
Schweizer Spieler und Trainer waren außer sich. Kapitän und Verteidiger Manuel Akanji sagte, er habe „noch nie ein so ungleiches Spiel erlebt“ und dass „keine ihrer Schauspieleinlagen bestraft wurde“. Mittelfeldspieler Remo Freuler konnte nicht verstehen, „wie der VAR in so einer Situation und in so einem Spiel eingreifen kann“. Embolo, der Toptorjäger des Teams, brach in Tränen aus, als er vom Platz trottete, getröstet von seinen Teamkollegen. Er ist erst der vierte Spieler in 60 Jahren WM-Geschichte, der eine zweite Gelbe Karte wegen Simulation erhielt, nach Luis Pérez (2006), Asamoah Gyan (2006) und Francesco Totti (2002).
Ich beschwere mich normalerweise nicht über Schiedsrichter, aber heute lief alles nach ihrem Willen. Ich habe noch nie ein so ungleiches Spiel erlebt. Keine ihrer Schauspieleinlagen wurde bestraft.
Nachspiel
Argentinien erzielte in der Verlängerung zwei weitere Tore und gewann 3:1. Nun trifft das Team im Halbfinale auf England. Die Kontroverse wird die Debatte über die wachsende Rolle des VAR und die neu ausgelegte Regel verschärfen, während das Turnier in seine entscheidende Phase geht.
- Dan Ndoye gleicht für die Schweiz zum 1:1 aus
- Breel Embolo nach VAR-Überprüfung wegen Simulation vom Platz gestellt
- Argentinien trifft zweimal zum 3:1-Sieg und zieht weiter

