
Vance sagt Iran-Gipfel auf dem Bürgenstock ab – Gespräche vertagt, während 60-Tage-Atomfrist näher rückt
Geplante Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Iran im Schweizer Bürgenstock-Resort wurden am Freitag abrupt verschoben, nachdem US-Vizepräsident J. D. Vance seine Teilnahme zurückzog und Teheran seine Delegation abberief, wie das Schweizer Außenministerium bestätigte.
Gipfel in letzter Minute abgesagt
Mehr als 2.000 Schweizer Soldaten waren mobilisiert, Straßen abgeriegelt und das Bürgenstock-Resort oberhalb des Vierwaldstättersees für eine entscheidende Runde der US-iranischen Verhandlungen abgesperrt worden. Am Freitagmorgen war das Treffen abgesagt. Über Nacht hatte Vance seine Teilnahme zurückgezogen und Irans Team seine Reise gestrichen, was den Gastgeber Schweiz zwang, eine unbestimmte Verschiebung bekanntzugeben. Das Schweizer Außenministerium betonte, dass das Land weiterhin bereit sei, die Gespräche zu unterstützen, während die Vorbereitungen vor Ort fortgesetzt wurden und zusätzliches Hotelpersonal angewiesen wurde, mindestens bis Montag zu bleiben.
Von der Unterzeichnung zur Sackgasse
Die Gespräche sollten ein Rahmenabkommen konkretisieren, das erst zwei Tage zuvor in Paris von Präsident Donald Trump und seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian unterzeichnet worden war. Das Memorandum gibt beiden Seiten 60 Tage Zeit, eine Absichtserklärung in einen bindenden Vertrag umzuwandeln, wobei die Zukunft des iranischen Atomprogramms ganz oben auf der Tagesordnung steht. Auf einer G7-Pressekonferenz am Mittwoch gab sich Trump siegessicher und sagte, der Deal habe einen „Atom-Holocaust“ verhindert und Iran werde „in Grund und Boden bombardiert“, falls keine endgültige Einigung erzielt werde.
Sie wollen nicht bombardiert werden.
Der französische Präsident Emmanuel Macron nannte das Rahmenabkommen „einen klugen Schachzug“ und bot an, eine französisch-britische Flotte in die Straße von Hormus zu entsenden, um die Umsetzung zu unterstützen.
- Trump und Peseschkian unterzeichnen in Paris ein Rahmenabkommen und setzen eine 60-Tage-Frist für einen endgültigen Atomdeal.
- Die Schweizer Regierung bestätigt, dass Eröffnungsgespräche weiterhin auf dem Bürgenstock mit den USA, Iran, Katar und Pakistan geplant sind.
- Über Nacht sagen US-Vizepräsident Vance und die iranische Delegation ihre Reise zum Gipfel ab.
- Gespräche offiziell verschoben; das Schweizer EDA erklärt, die Vorbereitungen liefen weiter und der Charakter des Treffens verlagere sich auf die Definition des Verhandlungsprozesses.
- Die von den USA und Katar vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah tritt in Kraft.
- Hotelpersonal in Bereitschaft, Catering für Samstag bestellt, während Spekulationen aufkommen, dass die Gespräche innerhalb weniger Tage wieder aufgenommen werden könnten.
Eine Waffenruhe, die Teheran Zeit verschafft
Stunden nach der Verschiebung des Bürgenstock-Gipfels trat am Freitag um 16 Uhr Ortszeit eine separate Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah in Kraft, wie US-amerikanische und regionale Quellen berichteten. Der von den USA und Katar vermittelte Waffenstillstand, dem ein hochrangiger US-Vertreter zufolge auch iranische Hilfe zugrunde lag, gab Teheran einen Vorwand: Der Schweizer Diplomat Thomas Greminger erklärte gegenüber SRF, Iran wolle zunächst die Waffenruhe an allen Fronten einhalten sehen, bevor es an den Verhandlungstisch zurückkehre.
Wenn man gute Dienste anbietet, muss man flexibel sein – solche Verschiebungen gehören zum Prozess.
Gleichzeitig kündigte Teheran an, dass Schiffe, die die Straße von Hormus durchqueren, sich bei einer neu geschaffenen Behörde registrieren lassen müssten – ein Schritt, den Beobachter als Vorbereitung auf die Erhebung von Gebühren auf der Wasserstraße werteten.
Schweizer Gelassenheit angesichts der Verwirrung
An Kontrollpunkten in Obbürgen, nahe dem Resort, harrten südkoreanische, arabische und US-amerikanische Fernsehteams aus, nachdem sie zu einem Gipfel gereist waren, der nicht stattfand. „Es ist ein bisschen ärgerlich, dass wir wahrscheinlich umsonst hierhergekommen sind“, sagte ein Reporter, fügte aber hinzu, die Alpenkulisse sei ein gewisser Ausgleich. Chauffeure, die Hotelpersonal beförderten, berichteten, dass das Catering für Samstag bestellt worden sei und dass bis Sonntag zusätzliche Schichten eingeplant seien, was Spekulationen nährte, dass Delegationen innerhalb weniger Tage eintreffen könnten. Anwohner beklagten sich derweil über nächtlichen Lärm von der Polizei- und Armeezentrale. Das Schweizer Außenministerium erklärte lediglich, die Art des Treffens habe sich von einer Unterzeichnungszeremonie zur Definition des Verhandlungsprozesses verlagert, und die guten Dienste des Landes stünden weiterhin zur Verfügung.


