
USA bombardieren den Süden Irans trotz Waffenruhe – Zweifel an Friedensgesprächen, Teheran droht mit Vergeltung
US-Streitkräfte haben nach eigenen Angaben „Selbstverteidigungsangriffe” auf iranische Raketenstellungen und Minenlegerboote in der Straße von Hormus geflogen. Die Angriffe gefährden eine brüchige Waffenruhe, während Unterhändler in Katar versuchen, den monatelangen Krieg zu beenden.
Eine brüchige Waffenruhe unter Druck
US-Streitkräfte haben am späten Montagabend eine Reihe von Angriffen im Süden Irans durchgeführt. Ziel waren Raketenabschussrampen und Boote, die in der Straße von Hormus Minen verlegen wollten. Das US-Zentralkommando (Centcom) bezeichnete die Operationen als „Selbstverteidigungsmaßnahmen”, um amerikanische Soldaten vor Gefahren durch iranische Kräfte zu schützen. Captain Tim Hawkins, Sprecher des Centcom, erklärte, das US-Militär werde „unsere Streitkräfte weiterhin verteidigen und während der laufenden Waffenruhe Zurückhaltung üben”. Die Angriffe ereigneten sich in der Nähe der strategisch wichtigen Hafenstadt Bandar Abbas sowie um die Insel Larak in der Straße von Hormus, einem Nadelöhr für die globale Energieversorgung.
US-Streitkräfte haben heute Selbstverteidigungsangriffe im Süden Irans durchgeführt, um unsere Truppen vor Gefahren durch iranische Kräfte zu schützen.
Iranische Staatsmedien berichteten von mehreren lauten Explosionen nahe Bandar Abbas gegen Mitternacht Ortszeit. Die Lage in der Stadt sei normal, die Behörden ermittelten. Iranische Quellen meldeten zudem mehrere Todesopfer nach einem US-Angriff im Gebiet der Insel Larak, obwohl das US-Militär zunächst keine Angaben zu Opfern machte.
Irans Antwort und Vergeltungsdrohung
Die iranischen Revolutionsgarden beharrten auf ihrem „Recht auf Vergeltung” für etwaige Verstöße gegen die Waffenruhe und bezeichneten dieses Recht in einer von Staatsmedien verbreiteten Erklärung als legitim. Die Garden behaupteten zudem, die Luftabwehr habe eine US-Drohne vom Typ MQ-9 abgeschossen und auf einen Kampfjet gefeuert, der in den iranischen Luftraum eingedrungen sei. Der Oberste Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei erklärte in einer Fernsehansprache zum islamischen Opferfest Eid al-Adha, die Länder der Region würden sich nicht länger „als Schutzschilde für US-Stützpunkte” hergeben, und die USA verlören an Einfluss in der Region.
Die Länder der Region werden sich nicht länger als Schutzschilde für US-Stützpunkte hergeben. Die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen.
Chamenei war zum Nachfolger ernannt worden, nachdem sein Vater zu Beginn des Krieges getötet worden war; er selbst soll verletzt worden sein und seit seiner Ernennung nicht mehr öffentlich aufgetreten sein, was Spekulationen über seinen Gesundheitszustand nährt.
Diplomatie in Doha
Trotz der militärischen Eskalation trafen hochrangige iranische Unterhändler in Doha (Katar) zur nächsten Gesprächsrunde ein, die auf eine Beendigung des Konflikts abzielt. US-Außenminister Marco Rubio räumte während eines Indienbesuchs ein, dass die endgültige Formulierung einer ersten Vereinbarung voraussichtlich „einige Tage” dauern werde. Er betonte, die Straße von Hormus „wird auf die eine oder andere Weise geöffnet” und bezeichnete die iranische Blockade als rechtswidrig und nicht aufrechtzuerhalten.
Heute fanden einige Gespräche in Katar statt. Mal sehen, ob wir Fortschritte erzielen können. Ich denke, es wird viel hin und her geredet über die genaue Formulierung des ersten Dokuments; es wird also ein paar Tage dauern.
Präsident Donald Trump schlug einen möglichen Kompromiss zum angereicherten Uranbestand Irans vor. Auf Truth Social regte er an, Iran solle sein hochangereichertes Uran entweder an die USA übergeben oder unter internationale Aufsicht stellen. Der iranische Außenamtssprecher Esmail Baqai warnte jedoch, dass zwar Fortschritte erzielt worden seien, ein Abkommen aber nicht „unmittelbar bevorstehe”.
Das weitere regionale Bild
Die diplomatischen Bemühungen werden durch die Front zwischen Israel und dem Libanon zusätzlich erschwert. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ordnete eine Ausweitung der Angriffe auf die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon an und schwor, die Gruppe zu „zerschlagen”. Die Hisbollah reagierte mit Angriffen auf drei Armeekasernen und einen Militärstützpunkt im Norden Israels und verwies auf israelische Verstöße gegen die seit Mitte April geltende Waffenruhe. Der Iran hatte zuvor darauf bestanden, dass eine umfassende Waffenruhe im Libanon Teil jedes Abkommens mit den USA sein müsse.
Ölmärkte und globale Interessen
Die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Krisenherd: Etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasverkehrs passiert diese Wasserstraße. Die Ölpreise schwankten nach den US-Angriffen: West Texas Intermediate fiel um mehr als 5%, während die internationale Benchmark Brent Crude zulegte; beide blieben unter 100 Dollar pro Barrel. Die anhaltende iranische Blockade hat die globalen Energieströme schwer beeinträchtigt und die Weltwirtschaft verunsichert. Die Gespräche in Doha konzentrieren sich auf die Wiedereröffnung der Meerenge, eine mögliche Freigabe iranischer Gelder und das iranische Atomprogramm – obwohl hier weiterhin grundlegende Meinungsverschiedenheiten bestehen.
- Waffenruhe zwischen USA und Iran tritt in Kraft
- USA greifen Raketenstellungen und Minenlegerboote im Süden Irans an
- Hochrangige iranische Unterhändler treffen zu Gesprächen in Doha ein; Rubio sagt, Abkommen könne „einige Tage” dauern
- Netanjahu befiehlt Ausweitung der Angriffe auf Hisbollah im Libanon
Eine vorgeschlagene Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage ist offenbar im Gespräch. In dieser Zeit würde der Iran keine Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus erheben, im Austausch für US-Sanktionserleichterungen, während ein endgültiges Friedensabkommen ausgehandelt wird.


