
USA feiern 250 Jahre Unabhängigkeit mit Feierlichkeiten und globaler Kritik
Die Vereinigten Staaten begehen am 4. Juli ihren 250. Jahrestag mit Paraden, einer Kundgebung in Washington und einem Rekord-Feuerwerk, während Staats- und Regierungschefs der Welt Glückwünsche mit der Aufforderung zur Rückkehr zu den Gründungsidealen verbinden.
Weltweite Glückwünsche mit kritischen Untertönen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratulierte Donald Trump zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit, doch seine Botschaft enthielt eine pointierte Frage. „Die Ideale des 4. Juli – Freiheit, Recht und Selbstbestimmung – haben Weltgeschichte geschrieben“, schrieb Steinmeier laut Präsidialamt. Er fügte hinzu, dass der Jahrestag auch die Frage aufwerfe: „Stimmt die Richtung? Und die Antwort gibt nie ein Einzelner, sondern das Volk der Freien und Gleichen.“ Bundeskanzler Friedrich Merz übermittelte in einem Telefonat herzliche Wünsche und betonte die besondere Verbundenheit zwischen Deutschen und Amerikanern.
Papst Leo XIV. rief zur Rückkehr zu den Gründungsprinzipien auf und betete, dass „die hohen Ideale, die zu Beginn der Unabhängigkeitserklärung verankert wurden, weiterhin den Wohlstand der Nation in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden leiten mögen.“ Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete die USA in seinem Telefonat mit Trump als Garanten der globalen Freiheit.
Eine Nation am Scheideweg
Nur jeder fünfte Amerikaner glaubt, dass die Gründerväter heute stolz auf das Land wären, so eine von der Frankfurter Allgemeinen zitierte Gallup-Umfrage. Selbst unter Republikanern teilt nur jeder Vierte diese Ansicht. Der Politikwissenschaftler Tobias Endler sagte gegenüber N-tv, die USA stünden am Scheideweg und Trump „pervertiere die ursprüngliche Idee der Gründerväter.“ Die FAZ-Analyse stellt fest, dass die Verfassung wiederholte Erschütterungen überstanden habe – vom Bürgerkrieg über den Aufstieg eines imperialen Präsidentenamtes bis zur aktuellen Polarisierung –, aber der Glaube an die individuelle Freiheit bleibe in der DNA des Landes verankert.
Wirtschaftsboom und Schattenseiten
Der Ökonom Markus Brunnermeier sagte der WirtschaftsWoche, die USA hätten Grund zum Feiern: Große Technologieunternehmen planen in diesem Jahr Investitionen in Höhe von 725 Milliarden US-Dollar, und das BIP-Wachstum wird für 2026 auf 2,3 Prozent prognostiziert. Dennoch wies er auf zwei große Probleme hin: die Inflation von 4,3 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit von 9,4 Prozent, die mehr als doppelt so hoch ist wie die Gesamtarbeitslosenquote. „KI hat viele klassische Einstiegsjobs vernichtet“, sagte er, und warnte zugleich, dass der Aktienmarkt überbewertet und eine Korrektur überfällig sein könnte.
- Inflation
- 4.3 %
- Jugendarbeitslosigkeit
- 9.4 %
- Gesamtarbeitslosigkeit
- 4.3 %
- BIP-Wachstum (Prognose 2026)
- 2.3 %
Deutsche Stimmung kippt
Eine gewichtete #NDRfragt-Umfrage unter knapp 25.000 Teilnehmern ergab, dass 91 Prozent die transatlantischen Beziehungen als schlecht bewerten und 95 Prozent sagen, sie hätten sich seit Trumps erster Wahl 2016 verschlechtert. Häufige Kurswechsel machen die USA laut 92 Prozent unberechenbar. Nur 16 Prozent sehen die USA noch als Partner bei der Unterstützung der Ukraine, und nur 3 Prozent beim Klimawandel.
Es ist nicht unbedingt die USA als solche, sondern eher Trump als Individuum. Seine Drohungen gegenüber jedem, der sich ihm nicht fügt, prägen die derzeitige Beziehung. Sein unilateraler Aktionismus und seine Unberechenbarkeit tragen nichts zur Förderung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern bei.
Ruf nach europäischer Eigenständigkeit
Ein Kommentar der WirtschaftsWoche argumentiert, dass Europa aufhören müsse, den Zustand der transatlantischen Beziehungen zu beklagen, und die Krise stattdessen als Chance nutzen solle, „endlich erwachsen zu werden.“ Jahrzehntelang haben Deutschland und die EU strategisches Denken in Verteidigung, Außenpolitik und Wirtschaft nach Washington ausgelagert. Trumps Zolldrohungen, NATO-Skepsis und die Rede von der Annexion Grönlands haben diese Regelung beendet. Der Beitrag fordert mehr Verteidigungsausgaben, unabhängige diplomatische Bemühungen und geringere wirtschaftliche Abhängigkeiten.
- Paraden und Volksfeste beginnen landesweit
- Zentrale Kundgebung beginnt in Washington, D.C.
- Militärischer Überflug und Bandauftritte
- Präsident Trump hält Rede
- Feuerwerk mit 850.000 Raketen
Feierlichkeiten in Washington
Zu den zentralen Feierlichkeiten in der Hauptstadt gehören ein militärischer Überflug, Bandauftritte und eine abendliche Rede von Präsident Trump, gefolgt von einem Feuerwerk mit 850.000 Raketen. Im ganzen Land sind Paraden und Volksfeste geplant.


