Oswald Mathias Ungers zum 100. Geburtstag: Kölner Ausstellung zeigt den Architekten hinter dem Spitznamen „Quadrat-Tyrann“
An seinem 100. Geburtstag wird Oswald Mathias Ungers mit einer großen Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln geehrt. Die von seiner Tochter und einer ehemaligen Assistentin kuratierte Schau zeichnet seinen Einfluss auf die deutsche und internationale Architektur nach.
Oswald Mathias Ungers (1926–2007) wäre am 12. Juli 2026 100 Jahre alt geworden. Der Architekt, Theoretiker und Lehrer, der das Nachkriegsgesicht von Städten wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Karlsruhe prägte, wird mit einer Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) geehrt. Unter dem Titel „O.M. Ungers – Architektur als Idee“ läuft sie bis zum 27. September und bietet einen seltenen Blick auf den Mann hinter den strengen Rastern.
Eine Jubiläumsausstellung in Köln
Die Ausstellung wurde von Ungers‘ Tochter Sophia und seiner langjährigen Pressesprecherin und persönlichen Assistentin Anja Sieber-Albers kuratiert. Sie beginnt mit einem eindrucksvollen Bild: ein älterer Ungers steht vor einer Fotografie seiner selbst als junger Professor, beide tragen einen Trenchcoat. Sieber-Albers, die jahrelang mit ihm zusammenarbeitete, erinnert sich an sein außergewöhnliches Gedächtnis.
Wenn wir Besprechungen hatten und er sagte: „Hol das Foto“, und ich holte es, sagte er: „Nein, nein, da ist noch eines, die Wolke ist links.“ Ein fotografisches Gedächtnis. Ich habe nie jemanden getroffen, der so viel im Kopf hatte.
Die Ausstellung konzentriert sich auf eine Handvoll exemplarischer Projekte, beginnend mit Ungers‘ erstem eigenen Haus in Köln aus dem Jahr 1958. Rund 40 Jahre später baute er ein weiteres Wohngebäude, das „Haus ohne Eigenschaften“, das auf den ersten Blick weder Vorder- noch Rückseite und nicht einmal einen klaren Eingang hat.
Strenge Geometrie, strenger Chef
Ungers‘ Architektur war berüchtigt für ihre Strenge, was ihm von Kritikern den Spitznamen „Quadrat-Tyrann“ einbrachte. Sieber-Albers bestätigt, dass er ein strenger Arbeitgeber war. Seine Designphilosophie lehnte dekorative Moden zugunsten klar proportionierter Volumen ab, die Jahrhunderte überdauern konnten. Persönlicher Selbstausdruck durch eigenwillige Formen war nicht sein Ziel.
Er war kein Spaßvogel, kein Witzemacher.
Ikonische Bauten in ganz Deutschland
In den 1980er Jahren hinterließ Ungers in mehreren deutschen Städten seine Handschrift. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das Messe-Torhaus auf dem Frankfurter Messegelände, die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe, die Galerie der Gegenwart in Hamburg und die Dorotheenhöfe in Berlin. In jedem dieser Bauten brachte sein analytischer, fast wissenschaftlicher Ansatz Gebäude von eindrucksvoller Klarheit hervor.
Jenseits von Gebäuden: Möbel, Schmuck, Gärten
Die MAKK-Schau zeigt, dass Ungers mehr als ein Architekt war. Er entwarf auch Möbel, Schmuck und Gärten und führte all diese Disziplinen zu einer einzigen künstlerischen Vision zusammen. Diese Totalität, so seine Assistenten, machte ihn zu einer Art Vaterfigur des westdeutschen Postmodernismus.
- Oswald Mathias Ungers wird geboren.
- Erstes eigenes Haus in Köln errichtet.
- „Haus ohne Eigenschaften“ fertiggestellt.
- Ungers stirbt.
- Jubiläumsausstellung „O.M. Ungers – Architektur als Idee“ eröffnet im MAKK Köln (bis 27. September 2026).
Ein bleibendes Vermächtnis
Ungers‘ Einfluss war vielleicht noch größer als Lehrer und Theoretiker. Seine methodische, forschungsbasierte Arbeitsweise prägte Generationen von Architekten. In einer Zeit des rasanten Stilwandels, so suggeriert die Ausstellung, wirkt sein Beharren auf zeitloser Proportion bis heute nach.

