
Ungarns staatliches Fernsehen nimmt Nachrichtensendungen nach 44-tägiger Aussetzung wieder auf
Der Sender M1 kehrte am 20. August mit einer 25-minütigen Nachrichtensendung mit Oppositionsstimmen auf den Sender zurück, nach der Medienreform von Ministerpräsident Péter Magyar.
Rückkehr zum Sendebetrieb nach 44-tägiger Aussetzung
Der ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehsender M1 nahm am Donnerstag, 20. August 2026, um 06:00 Uhr den Nachrichtenbetrieb wieder auf und beendete damit eine 44-tägige Aussetzung, die von der Regierung von Ministerpräsident Péter Magyar angeordnet worden war. Die Einstellung begann am 7. Juli 2026 im Rahmen einer Initiative zur Überholung der Staatsmedien nach der Niederlage von Viktor Orbán bei den Parlamentswahlen im April. Während der Pause zeigte der Sender einen schwarzen Bildschirm mit einer Entschuldigung für jahrelange einseitige Berichterstattung unter der vorherigen Regierung. Die Wiederaufnahme fiel auf den St. Stephanstag, den ungarischen Nationalfeiertag zur Gründung des Staates. Im Rahmen der neuen Programmstruktur stellt M1 den rund um die Uhr laufenden Nachrichtenticker ein, um Platz für Kulturprogramme und Filme zu schaffen.
Erste Sendung und politische Ausgewogenheit
Die erste 25-minütige Morgensendung begann mit einem Bericht über die Vereidigung des neuen ungarischen Präsidenten, des 73-jährigen András Baka, eines ehemaligen Richters am Obersten Gerichtshof, der unter Orbán abgesetzt worden war. Die Berichterstattung enthielt Stellungnahmen von Mitgliedern von Magyars Tisza-Partei sowie Reaktionen der Opposition Fidesz und der rechtsextremen Partei Mi Hazánk, die beide Bakas Auswahl kritisierten. Neben der innenpolitischen Reaktion befasste sich die Sendung auch mit Umweltthemen, berichtete über regionale Dürrebedingungen und die Auswirkungen auf den Betrieb des Kernkraftwerks Paks. Das unabhängige Nachrichtenportal Telex bewertete die Sendung als ausgewogene Berichterstattung, die auch Regierungskritik enthielt. Alarmistische Narrative zu Einwanderung, EU-Politik und dem Ukraine-Krieg, die unter der vorherigen Regierung das Programm dominiert hatten, fehlten in der Sendung.
Es ist völlig klar: Die dokumentierte redaktionelle Praxis hat gegen die Grundsätze des öffentlich-rechtlichen Auftrags verstoßen.
Umstrukturierung und Streitigkeiten über die Personalbesetzung in der Redaktion
Der Übergang wird von einem von der Regierung eingesetzten Interimsführungsteam geleitet, das interne Prüfungen und die Ausarbeitung eines neuen Mediengesetzes überwachen soll. Die staatliche Medienholding Kozmedia, ehemals MTVA, gab in den sozialen Medien bekannt, dass an der Donnerstagssendung kein Personal beteiligt war, das zuvor an Nachrichtensendungen mitgewirkt hatte. Mehrere Mitarbeiter erklärten jedoch gegenüber AFP, dass zwar ausgewählte Moderatoren und Reporter entlassen wurden, die breitere Redaktionsbelegschaft jedoch weitgehend unverändert geblieben sei. Telex berichtete unter Berufung auf eine interne E-Mail eines Mitarbeiters, dass zahlreiche Redakteure und Journalisten, die unter der vorherigen Regierung Inhalte produziert hatten, ihre Positionen behalten hätten. Der Medienrechtsexperte Gábor Polyák stellte fest, dass die frühere Geschäftsführung regelmäßig gesetzliche Vorgaben verletzt habe, indem sie den Mitarbeitern von oben vorgab, was sie berichten durften und was nicht.
- Péter Magyar gewinnt die Parlamentswahl und beendet 16 Jahre Fidesz-Herrschaft
- Der öffentlich-rechtliche Sender M1 stellt alle Nachrichtensendungen ein, um strukturelle Reformen einzuleiten
- Der ehemalige Präsident des Obersten Gerichtshofs András Baka tritt sein Amt als Präsident Ungarns an
- M1 sendet am ungarischen Nationalfeiertag seine erste umstrukturierte 25-minütige Nachrichtensendung
- Das öffentliche Ausschreibungsverfahren zur Auswahl eines ständigen Generaldirektors wird abgeschlossen
Nächste Schritte für die Führung der öffentlich-rechtlichen Medien
Das Interimsführungsteam plant, Berufs- und Bürgerkonsultationen zu langfristigen Standards im gesamten staatlichen Netzwerk durchzuführen. Kozmedia umfasst Fernsehsender wie M1, öffentlich-rechtliche Radiosender und die nationale Nachrichtenagentur MTI. Die Regierung beabsichtigt, bis Ende Oktober 2026 einen ständigen Generaldirektor durch ein öffentliches Ausschreibungsverfahren zu berufen. Dieser neue Geschäftsführer soll institutionelle Reformen umsetzen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Netzwerk wiederherstellen. Magyar, ein pro-europäischer Konservativer, der mit dem Versprechen institutioneller Reformen Wahlkampf betrieben hatte, bezeichnete die Überholung der öffentlich-rechtlichen Sender als eine wesentliche Wahlkampfverpflichtung.


