
Ungarn hebt Veto gegen EU-Beitrittsgespräche mit Ukraine und Moldau nach Minderheitenrechte-Abkommen mit Kiew auf
EU-Botschafter haben am Mittwochabend den Weg für formelle Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau freigemacht, nachdem Budapest eine zweijährige Blockade im Austausch für erweiterte Rechte für ethnische Ungarn in der Westukraine aufgehoben hatte.
Der Durchbruch in Brüssel
Die EU-Botschafter der 27 Mitgliedstaaten leiteten am Mittwochabend das Verfahren zur formellen Eröffnung des ersten Verhandlungskapitels mit der Ukraine und Moldau ein, wie die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Der Schritt beendet eine zweijährige Blockade, in der Ungarn unter dem damaligen Ministerpräsidenten Viktor Orbán jeden Schritt in Richtung substanzieller Gespräche blockiert hatte. Die zypriotische Präsidentschaft bezeichnete die Entscheidung als starkes Signal der Einheit und Entschlossenheit.
Dies stellt einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur europäischen Integration dar und sendet ein starkes Signal der EU-Einheit und Entschlossenheit.
Das Minderheitenrechte-Abkommen
Stunden vor dem Treffen der Botschafter gab Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar ein umfassendes Abkommen mit Kiew über die sprachlichen, bildungspolitischen, kulturellen und politischen Rechte der rund 100.000 ethnischen Ungarn bekannt, die in der westukrainischen Region Transkarpatien leben. Das Abkommen verpflichtet die Ukraine, ein Schulsystem für ethnische Minderheiten wiederherzustellen, das es den Schülern erlaubt, ihren Unterricht in ihrer Muttersprache zu erhalten, Prüfungen auf Ungarisch abzulegen und bei Feierlichkeiten ungarische Nationalsymbole zu zeigen. Kiew verpflichtete sich, diese Bedingungen gesetzlich und im Aktionsplan für seinen Beitrittsantrag an Brüssel zu verankern.
Ein Land, das EU-Beitrittsverhandlungen aufnehmen möchte, muss diese grundlegenden Menschenrechte respektieren.
Was das erste Kapitel abdeckt
Der Beitrittsprozess ist in sechs thematische Kapitel unterteilt, die je nach Quelle 33 oder 35 Abschnitte umfassen. Das erste Kapitel, das nun am 15. Juni auf einem EU-Ministertreffen in Luxemburg offiziell eröffnet werden soll, verlangt von den Beitrittskandidaten den Nachweis, dass ihre Justizsysteme und öffentlichen Verwaltungen den EU-Standards entsprechen. Die Verhandlungen erstrecken sich in der Regel über Jahre oder sogar Jahrzehnte; die EU-Gespräche mit der Türkei, die 2005 aufgenommen wurden, sind nach anhaltenden Rückschritten bei Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechten eingefroren.
Budapests verbleibende rote Linien
Magyar betonte, dass die Aufhebung des Vetos nicht bedeute, dass Ungarn ein beschleunigtes Beitrittsverfahren für die Ukraine unterstütze. Er sagte, Budapest werde ein rechtsverbindliches Referendum über die ukrainische Mitgliedschaft abhalten, wenn Kiew es schaffe, alle Kapitel innerhalb von 10 bis 15 Jahren zu schließen. Die ungarische Regierung lehne weiterhin beschleunigte Zeitpläne ab, die einige EU-Beamte ins Spiel gebracht hätten.
Es ist jetzt an der Zeit, den Weg Moldaus und der Ukraine in die EU zu beschleunigen. Dies ist der beste Weg, um die Achtung der Minderheitenrechte zu gewährleisten.
Der weitere politische Kontext
Die Ukraine und Moldau erhielten beide 2022 den EU-Kandidatenstatus, mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Krieges gegen Kiew. Die vorherige ungarische Regierung unter Viktor Orbán, die bei der Aprilwahl besiegt wurde, hatte wiederholt milliardenschwere Hilfspakete und jegliche Fortschritte beim Beitritt blockiert. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz schlug kürzlich einen Status der „assoziierten Mitgliedschaft“ für die Ukraine vor und argumentierte, dass eine Vollmitgliedschaft mit Stimmrecht kurzfristig nicht machbar sei. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb Ende Mai an die EU-Führung und forderte sie auf, die Ukraine nicht im Wartezimmer zu lassen. Magyar plant, sich nächste Woche mit Selenskyj zu treffen, um die bilateralen Beziehungen neu zu gestalten.
- Ukraine und Moldau erhalten EU-Kandidatenstatus
- EU eröffnet formell Beitrittsverhandlungen; Ungarn blockiert erstes Kapitel
- Viktor Orbán bei ungarischer Wahl besiegt; Peter Magyar wird Ministerpräsident
- Ungarn und Ukraine erzielen Minderheitenrechte-Abkommen; Budapest hebt Veto auf
- Formelle Eröffnung des ersten Verhandlungskapitels in Luxemburg erwartet
Was als Nächstes kommt
Die formelle Eröffnung des ersten Kapitels ist für den 15. Juni am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg vorgesehen. Irland wird im Juli die rotierende sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft von Zypern übernehmen. Der Prozess unterliegt in jeder Phase der einstimmigen Zustimmung, was bedeutet, dass jeder Mitgliedstaat die Fortschritte in späteren Kapiteln noch verlangsamen oder stoppen kann.


