
Fünf Jahre Taliban-Herrschaft: Frauen eingesperrt, humanitäre Krise in Afghanistan verschärft sich
Zum fünften Jahrestag des Falls von Kabul feiern die Taliban in der Hauptstadt, während UN Women berichtet, dass 52 % der afghanischen Frauen höchstens zweimal im Monat das Haus verlassen und 47 % der Kinder unterernährt sind.
Fünf Jahre Taliban-Herrschaft
Am 15. August 2021 eroberten die Taliban Kabul in einer Blitzoffensive nach dem angekündigten Abzug der NATO- und US-Streitkräfte und beendeten damit zwei Jahrzehnte internationaler militärischer Präsenz. Fünf Jahre später inszenierten die Taliban eine Jubiläumsfeier in der Hauptstadt mit Fahnen, Reden und Militärkonvois. Außer Russland erkennt kein Land die Taliban als legitime Regierung Afghanistans an; die Vereinten Nationen bezeichnen sie nur als „faktische Behörden“. Das 20-jährige westliche Militärengagement forderte einen verheerenden Tribut: mehr als 2.300 getötete US-Soldaten, 59 getötete Bundeswehrangehörige, über 46.000 getötete Zivilisten und fast 70.000 getötete afghanische Sicherheitskräfte.
Frauen unter dem Islamischen Emirat
Die Taliban haben Frauen und Mädchen über fünf Jahre systematisch ihrer Rechte beraubt. Weiterführende Schulen und Universitäten sind für sie geschlossen, und sie wurden aus weiten Teilen des Arbeitslebens verdrängt. Eine UN Women-Umfrage unter über 2.000 Menschen in ganz Afghanistan ergab, dass 52 % der Frauen ihr Zuhause nur zweimal oder weniger pro Monat verlassen, während 96 % der Männer täglich das Haus verlassen. Sieben von zehn Frauen gaben an, dass sich ihre psychische Gesundheit im vergangenen Jahr verschlechtert habe, und 65 % sagten, ihr Leben sei schlechter verlaufen als sie es zuvor erwartet hatten. Schätzungsweise 22 Millionen Frauen und Mädchen leben im Land.
- Frauen, die ≤2x/Monat das Haus verlassen
- 52 %
- Männer, die täglich das Haus verlassen
- 96 %
- Frauen: Leben schlechter als erwartet
- 65 %
- Frauen: psychische Gesundheit verschlechtert
- 70 %
Humanitäre Krise verschärft sich
Afghanistan steht vor einem sich zuspitzenden humanitären Notstand. Das Welternährungsprogramm berichtete, dass 47 % der Minderjährigen im ersten Quartal 2026 unterernährt waren. Fast 40 % der Bevölkerung könnte in den Wintermonaten von akuter Ernährungsunsicherheit bedroht sein, und mindestens 3,7 Millionen Kleinkinder sind akut unterernährt. Das UNHCR teilt mit, dass in den letzten fünf Jahren fast 3,9 Millionen Menschen aus dem Iran und Pakistan freiwillig oder unter Druck zurückgekehrt sind, und seit September 2023 sind fast 5,9 Millionen Rückkehrer eingetroffen. Die Weltbank stellt fest, dass die afghanische Wirtschaft zwar im letzten Jahr gewachsen ist, die Afghanen pro Kopf jedoch aufgrund des massiven Zustroms von Rückkehrern deutlich ärmer geworden sind.
Evakuierung und Exil
Der Fall Kabuls löste chaotische Evakuierungen aus. Najeeb Ferotan, der acht Jahre lang für das Medienzentrum der Bundeswehr in Masar-i-Scharif gearbeitet hatte, verbrachte elf Tage am Flughafen, um herauszukommen. Er beschrieb, wie amerikanische Soldaten über die Menge schossen und Pfefferspray einsetzten. Am 26. August 2021 zündete ein Selbstmordattentäter am Abbey Gate Sprengstoff, tötete 169 Afghanen und 13 US-Soldaten. Die Bundeswehr evakuierte in elf Tagen 5.347 Menschen. Ferotan, der heute in Nordrhein-Westfalen lebt, erinnerte sich an die Szene.
Jeder versuchte, sich selbst zu retten. Niemand achtete auf andere.
Deutschlands diplomatisches Dilemma
Deutschland hat seine Botschaft in Kabul seit fünf Jahren geschlossen und ist auf Informationen aus zweiter Hand angewiesen, anstatt auf eine eigene Lagebeurteilung. Die Schweiz eröffnete 2024 ein humanitäres Verbindungsbüro in Kabul, und die EU unterhält dort ein Vertretungsbüro. Berlin hat talibanischen „Konsularbeamten“ erlaubt, die afghanischen diplomatischen Vertretungen in Deutschland zu kontrollieren, und handelt damit faktisch Kooperation bei Abschiebungen gegen ein gewisses Maß an Anerkennung. Deutschland ist das führende EU-Land bei Abschiebungen nach Afghanistan. Kritiker argumentieren, die Regierung habe sich gegenüber dem Druck der Taliban angreifbar gemacht, während sie eine sachliche Diskussion über die Realitäten vor Ort vermeide.
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Frauen, die Widerstand leisten
Trotz der Einschränkungen arbeiten einige Frauen weiter. Rukia Resai, 21, gründete vor vier Jahren eine Seifenfabrik in Herat, nachdem die Taliban ihr das Studium verboten hatten. Ihr Unternehmen beschäftigt heute acht Menschen. Sie sagte, die Arbeit habe die psychische Gesundheit ihrer Familie verbessert.
Insgesamt hat sich die psychische Gesundheit unserer gesamten Familie durch diese Arbeit verbessert.
Ghoncheh Karimi ist eine weitere Unternehmerin, die sich den Verboten widersetzt. Internationale Hilfsorganisationen bezeichnen ihre Programme als einen Tropfen auf den heißen Stein gemessen am Ausmaß der Not.


