- 19.10.UEFA-Schreiben mit 42 Fragen wird an die FIFA geschickt
- 2.11.Frist für die schriftlichen Antworten der FIFA und die dazugehörigen Unterlagen
- 18.11.Frist für die Einreichung von Kandidaturen für die FIFA-Präsidentschaftswahl
Der Brief und seine Frist
UEFAs Generalsekretär Theodore Theodoridis hat sich mit 42 Fragen an FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström gewandt, gestellt im Namen der europäischen Mitglieder des FIFA-Rats. Das auf den 19. Oktober datierte Schreiben verlangt schriftliche Antworten und alle dazugehörigen Unterlagen bis Montag, 2. November. Die Fragen folgen auf eine Sitzung des FIFA-Rats am 15. Oktober in Zürich, bei der die Ratsmitglieder aufgefordert wurden, Fragen schriftlich einzureichen, die bei der nächsten Sitzung im Dezember beantwortet werden sollen. DFB-Präsident Bernd Neuendorf bezeichnete die in Zürich gegebenen Antworten als dünn. Theodoridis argumentiert, der Rückzug des Plans, Infantinos Eingeständnis von Fehlern und seine Zusagen einer Governance-Reform erklärten weder, wie die Entscheidungen zustande kamen, noch, warum der Rat zum richtigen Zeitpunkt übergangen wurde. Zudem schreibt er, jede Weigerung, Informationen offenzulegen, müsse im Einzelfall begründet werden.
„Diese Fragen müssen jetzt beantwortet werden. Sie können nicht bis zur nächsten Sitzung des FIFA-Rats aufgeschoben werden.“
Der FFE-Plan und die Frage Kushner
Die Fragen kommen auf den Plan Fifa Forward Enterprise zurück, der den Verkauf eines 20-Prozent-Anteils an einem Unternehmen vorsah, das die Weltmeisterschaft und andere Wettbewerbe betreibt, an private Investoren für mehr als vier Milliarden Dollar. Die FIFA legte den Plan Ende Juli offen, etwa zwei Wochen nach dem WM-Finale in den Vereinigten Staaten. In der Nacht zum 1. August zog Infantino ihn zurück, nachdem drei Kontinentalkonföderationen, darunter die UEFA, ihn abgelehnt hatten. Die UEFA erklärte im August, sie habe wegen des Plans das Vertrauen in ihn verloren und werde bei der FIFA-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr einen glaubwürdigen Alternativkandidaten unterstützen. Das Schreiben fragt, warum der exklusive Status als Lead-Investor an Joshua Kushner ging, den Bruder von Jared Kushner, den Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, und wie diese familiären Verbindungen zum Friedenspreisträger im Hinblick auf Interessenkonflikte bewertet wurden. Es fragt außerdem, wie die Bewertung festgelegt wurde und warum überhaupt privates Kapital gesucht wurde.
Balogun, der Friedenspreis und Trump
Im Fall Folarin Balogun verlangt die UEFA alle zugehörigen Dokumente, einschließlich der vollständigen schriftlichen Begründung für die zur Bewährung ausgesetzte Sperre von einem Spiel, die es dem US-Stürmer erlaubte, bei der Achtelfinalniederlage der US-Nationalmannschaft gegen Belgien mitzuspielen. Das Schreiben fragt zudem nach einem Telefonat zwischen Infantino und Trump, bevor während des Turniers die Rote Karte für Balogun aufgehoben wurde. Zum Friedenspreis, der an Trump vergeben wurde, fragt die UEFA, welche Rolle Infantino bei der Schaffung der Auszeichnung spielte und ob unabhängige Auswahlverfahren oder objektive Kriterien angewandt wurden. Der Tagesspiegel berichtet, die UEFA wolle außerdem detaillierte Antworten zu Infantinos persönlichem Vergütungspaket, zum Umgang mit dem Disziplinarfall während der Weltmeisterschaft und zur operativen Unabhängigkeit der Rechts-, Wahl- und Ethikkommissionen der FIFA.
Das Schweigen der FIFA und die kommenden Termine
Die FIFA hat auf das Schreiben bislang nicht reagiert; laut BBC wurde sie um eine Stellungnahme gebeten. Im September warf die FIFA der UEFA vor, Infantino zu schikanieren und eine Desinformationskampagne im Zusammenhang mit den geplatzten WM-Übernahmeplänen zu führen. Dem Tagesspiegel zufolge hat die UEFA zudem bei US-Bundesgerichten beantragt, Vorladungen zu genehmigen, die die Vorlage von Dokumenten und eidesstattlichen Erklärungen zu dem aufgegebenen Plan erzwingen sollen. Die nächsten Termine sind der 2. November, an dem die UEFA ihre Antworten erwartet, und der 18. November, der Frist für Kandidaturen gegen Infantino bei der FIFA-Präsidentschaftswahl.