
TVE-Nachrichtenrat lehnt Interview mit Pedro Sánchez in der koproduzierten Sendung Mañaneros 360 ab
Personalvertreter des spanischen öffentlich-rechtlichen Senders TVE fordern die Absage eines geplanten Interviews mit Ministerpräsident Pedro Sánchez in einem extern koproduzierten Morgenmagazin.
Streit um externe Produktion
Der TVE-Nachrichtenrat (Consejo de Informativos de TVE) lehnte die Entscheidung formell ab, den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez im Morgenmagazin Mañaneros 360 auftreten zu lassen. Die Sendung wird auf La 1 ausgestrahlt und von der öffentlich-rechtlichen Anstalt gemeinsam mit der kommerziellen Produktionsfirma La Cometa TV im Rahmen der Magazinprogrammabteilung des Senders koproduziert. Interne Personalvertreter erklärten, dass politische Interviews auf höchster Ebene ausschließlich von der internen Nachrichtenabteilung von RTVE und nicht von externen Auftragnehmern produziert werden müssen. Der Rat stützte seinen rechtlichen Einspruch auf Artikel 35.2 des RTVE-Rahmenmandats (Mandato Marco), der eine 100%ige interne Produktion für Nachrichtensendungen, institutionelle Inhalte und Eigenwerbematerial auf allen öffentlichen Kanälen vorschreibt. Die RTVE-Unternehmensführung lehnte eine Stellungnahme zur Erklärung des Rates ab.
Einwände des Rates und redaktionelle Kritik
Die Personalvertreter erfuhren erstmals während der zweiten Ausgabe der Abendnachrichten (Telediario 2) am Montag, dem 7. September 2026, von dem Interview. In einer internen Nachricht an die Mitarbeiter vom Dienstag, dem 8. September 2026, erklärte der Rat, dass ihm nicht bekannt sei, wer die Platzierung des politischen Interviews bei einer externen Produktionsfirma genehmigt habe. Das Gremium forderte sowohl die spanische Regierung als auch die RTVE-Führung auf, den Ausstrahlungsplan vor Mittwoch rückgängig zu machen.
Der Nachrichtenrat verurteilte die Entscheidung in seiner offiziellen Erklärung.
Der TVE-Nachrichtenrat möchte seine Ablehnung dieses politischen Interviews zum Ausdruck bringen, das von einer externen Produktionsfirma durchgeführt wird, umso mehr in einer so komplexen Zeit wie der jetzigen. Es handelt sich um ein beispielloses Ereignis in der Geschichte von RTVE und von äußerster Schwere.
Das Gremium bekräftigte seine anhaltende Ablehnung der redaktionellen Linie koproduzierter Magazinsendungen. Es stellte fest, dass die Mitarbeiter bereits in der vorherigen Saison Einwände gegen die Auslagerung von Nachrichtenformaten erhoben hatten, darunter Mañaneros, Malas Lenguas und Directo al Grano.
Interviewaufstellung und Sendungsdetails
Die Live-Übertragung ist für Mittwoch, den 9. September 2026, um 11:00 Uhr aus den Prado del Rey-Studios des öffentlich-rechtlichen Senders geplant. Das Interview wird gleichzeitig auf La 1 und der digitalen Plattform RTVE Play ausgestrahlt. Die Befragung wird von Jesús Cintora geleitet, der Mañaneros 360 gemeinsam mit Adela González moderiert, nachdem Javier Ruiz zu La Séptima gewechselt ist. Cintora wird von Esther Palomera begleitet, die gemeinsam mit Gonzalo Miró die La-2-Sendung Malas Lenguas moderiert. Die Ausstrahlung ist Sánchez' erstes Fernsehinterview seit der Migrationskrise in Ceuta, nach einem Radioauftritt eine Woche zuvor bei Cadena SER mit dem Journalisten Aimar Bretos. In der vorherigen Fernsehsaison absolvierte Sánchez seinen wichtigsten öffentlichen Auftritt in der intern produzierten Sendung Telediario 2 mit der Moderatorin Pepa Bueno.
- RTVE kündigt während der Abendnachrichten an, dass Pedro Sánchez in Mañaneros 360 auftreten wird.
- Der TVE-Nachrichtenrat gibt eine Erklärung ab, in der er das extern koproduzierte Interview ablehnt.
- Geplante Live-Übertragung des Interviews aus den Prado del Rey-Studios.
Debatte über die Auslagerung der Nachrichtenredaktion
Der Streit zwischen dem Nachrichtenrat und der Senderführung folgt auf monatelange interne Spannungen hinsichtlich der Strategie für das Tagesprogramm. Formate wie Mañaneros 360 und Malas Lenguas haben im vergangenen Jahr dazu beigetragen, die Einschaltquoten des öffentlich-rechtlichen Senders zu steigern. Die Mitarbeiterdelegierten bestehen jedoch darauf, dass die Beauftragung von Interviews mit dem Ministerpräsidenten an Unterhaltungs- und Tagesmagazinabteilungen die gesetzlich vorgeschriebene Nachrichtenredaktion umgeht. Der Rat bestand darauf, dass politische Rechenschaftsinterviews unter der direkten Kontrolle des öffentlich-rechtlichen Personals bleiben müssen, und forderte RTVE auf, die üblichen Produktionsregeln der Nachrichtenredaktion einzuhalten.


