
US-Richter erklärt Trumps IRS-Vergleich für ungültig: 10-Milliarden-Dollar-Klage war bösgläubig eingereicht, um dem Präsidenten und seiner Familie Steuerimmunität zu gewähren
Ein US-Bundesrichter in Florida hat den Vergleich, den Präsident Donald Trump mit der Steuerbehörde Internal Revenue Service erzielt hatte, für ungültig erklärt. Er befand, die 10-Milliarden-Dollar-Klage, die ihn hervorgebracht hatte, sei ein Scheinverfahren gewesen, das darauf abzielte, dem Präsidenten und seiner Familie Steuerimmunität zu verschaffen.
Die Klage und der Vergleich
Präsident Donald Trump verklagte gemeinsam mit seinen Söhnen Eric und Donald Trump Jr. im Januar die IRS auf 10 Milliarden Dollar. Die Klage behauptete, die Behörde habe es versäumt, die Offenlegung von Trumps vertraulichen Steuerunterlagen während seiner ersten Amtszeit zu verhindern. Die Daten wurden zwischen 2018 und 2020 von Charles Littlejohn, einem IRS-Auftragnehmer, der später zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weitergegeben. Im Mai erzielten Trumps persönliche Anwälte einen Vergleich mit dem Justizministerium. Diese Vereinbarung gewährte Trump, seinen Familienangehörigen und ihren Unternehmen eine umfassende rückwirkende Immunität gegenüber IRS-Steuerprüfungen. Außerdem wurde ein 1,8 Milliarden Dollar schwerer, von Steuerzahlern finanzierter „Anti-Waffenisierungs“-Fonds eingerichtet, um mutmaßliche Opfer politisch motivierter Regierungsermittlungen zu entschädigen. Der Fonds wurde im letzten Monat nach heftiger Kritik, unter anderem von einigen republikanischen Senatoren, aufgegeben, und ein Richter in Virginia blockierte seine Verwendung.
Ein Fall ohne Gegner
Richterin Kathleen Williams vom US-Bezirksgericht in Miami erließ eine 56-seitige Entscheidung, die den Vergleich für ungültig erklärte und feststellte, dass der zugrunde liegenden Klage jegliche rechtliche oder tatsächliche Grundlage fehlte. Williams befand, dass Trump und die IRS nie wirklich gegnerische Parteien waren, da der Präsident sowohl die Steuerbehörde als auch das Justizministerium kontrolliert. In der Entscheidung heißt es, die Klage sei „zu einem unzulässigen Zweck eingereicht worden – um der gerichtlichen Legitimität für einen ‚Vergleich‘ zu verhelfen, der keine tragfähige rechtliche oder tatsächliche Grundlage hatte.“ Die Richterin zitierte ihre eigene Feststellung, dass die Parteien „zusammengearbeitet haben und nie wirklich gegnerisch waren“, ein direkter Verstoß gegen die verfassungsrechtliche Anforderung, dass ein echter Fall oder eine echte Kontroverse bestehen muss, damit ein Bundesgericht eine Zivilsache verhandeln kann.
Diese Angelegenheit wurde zu einem unzulässigen Zweck eingereicht – um der gerichtlichen Legitimität für einen ‚Vergleich‘ zu verhelfen, der keine tragfähige rechtliche oder tatsächliche Grundlage hatte.
Williams hatte den Fall ursprünglich geschlossen, nachdem Trump die Beschwerde zurückgezogen hatte. Sie eröffnete ihn neu, nachdem 35 ehemalige Bundesrichter einen Antrag gestellt hatten, in dem sie behaupteten, das Gericht sei „getäuscht“ worden, weil die Kläger den gleichzeitigen Vergleich mit dem Justizministerium bewusst verschwiegen hatten.
Was die Richterin untersagte
Williams verbot Trump, seinen erwachsenen Söhnen und der Trump Organization, sich in künftigen gerichtlichen oder behördlichen Verfahren auf den Vergleich zu berufen. Dies macht die Klausel, die der IRS die Prüfung früherer Steuererklärungen der Trump-Familie und ihrer Unternehmen untersagte, faktisch zunichte. Die Richterin ordnete außerdem an, dass eine Kopie ihrer Entscheidung der Anwaltskammer des Staates New York und der Anwaltskammer des District of Columbia zugestellt werde, wo der amtierende Generalstaatsanwalt Todd Blanche und der stellvertretende Generalstaatsanwalt Stanley Woodward zugelassene Mitglieder sind. Sie verwies einen von Trumps privaten Anwälten, der zur Genehmigung des Vergleichs beigetragen hatte, wegen möglicher disziplinarischer Maßnahmen an die Anwaltskammer von Florida.
Blanche und die Senatsanhörung
Die Entscheidung fällt wenige Tage vor Blances geplanter Bestätigungsanhörung vor dem Justizausschuss des Senats. Blanche war zuvor Trumps persönlicher Strafverteidiger, bevor er amtierender Generalstaatsanwalt wurde. Williams bezeichnete frühere Aussagen, die Blanche gegenüber Senatoren über den Vergleich gemacht hatte, als irreführend. Er hatte behauptet, die Vereinbarung könne von einem Gericht nicht überprüft werden, da der Fall bereits zurückgezogen worden sei, doch Williams stellte fest, dass eine Überprüfung tatsächlich möglich war. Die Financial Times berichtete, dass Blanche voraussichtlich intensiv zu seiner Unabhängigkeit vom Weißen Haus und seiner Rolle bei dem IRS-Deal befragt werden wird.
Der flagranteste Korruptionsakt der amerikanischen Geschichte.
Reaktionen und nächste Schritte
Das Justizministerium reagierte nicht sofort auf Anfragen zur Stellungnahme. Ein Sprecher von Trumps Anwaltsteam ging nicht direkt auf die Entscheidung ein, wiederholte aber die Behauptung, dass Trumps Steuerunterlagen rechtswidrig veröffentlicht worden seien. Die oppositionellen Demokraten, angeführt vom Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, hatten den Vergleich bereits als „Schlüsselfonds für Kriminelle“ verurteilt, und Schumer nannte ihn „den flagrantesten Korruptionsakt der amerikanischen Geschichte.“ Der deutsche Sender N-tv wies darauf hin, dass auch einige republikanische Abgeordnete der Regierung Selbstbereicherung und die Zweckentfremdung von Steuergeldern für politische Verbündete vorwarfen. Williams' Entscheidung ist der jüngste Fall, in dem die Gerichte die Motive des Präsidenten und seiner Regierung in Frage stellen.

