
Katja Wolf und Thüringer Minister treten in Revolte gegen Sahra Wagenknecht aus der BSW-Partei aus
Vizeministerpräsidentin Katja Wolf, drei Kabinettsminister und Landtagsabgeordnete sind in Erfurt aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht ausgetreten. Sie bewahren ihre Koalition mit CDU und SPD, brechen aber mit der Bundesparteigründerin.
Der Bruch in Erfurt
Am Freitag gab die Thüringer Vizeministerpräsidentin und Finanzministerin Katja Wolf einen förmlichen Bruch mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bekannt, begleitet von allen drei Landesministern der Partei und einer Gruppe von Landtagsabgeordneten. Der kollektive Rücktritt folgt auf monatelange öffentliche Auseinandersetzungen mit der Bundesparteigründerin Sahra Wagenknecht über die Thüringer Koalitionsregierung. Wolf bestätigte, dass fast der gesamte Thüringer Landesvorstand aus der Partei ausgetreten sei, einschließlich des Co-Vorsitzenden Gernot Süßmuth, der erklärte, die Partei sei nicht mehr zu retten. Ein für Sonntag geplanter Sonderparteitag wurde zwei Tage vor seinem angesetzten Termin abgesagt. Wolf und die Fraktionsvorsitzende Sigrid Hupach bekräftigten, dass die Abgeordneten beabsichtigten, im Landesparlament zusammenzubleiben und weiterhin gemeinsam mit der Christlich Demokratischen Union (CDU) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) zu regieren.
Katja Wolf erläuterte die Entscheidung bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Erfurt.
Wir waren und sind noch immer vom Gründungskonsens der BSW überzeugt. Aber heute hier stehend müssen wir feststellen, dass die Partei sich von diesem Gründungskonsens entfernt hat.
- Ein Abgeordneter tritt aus der BSW-Partei aus
- Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt verlassen die Partei und die Fraktion
- Sahra Wagenknecht kritisiert frühere Austritte bei einem Wahlkampfauftritt in Halle
- Katja Wolf, alle drei Minister und der Landesvorstand erklären ihren Parteiaustritt
Eskalation um Koalitionsstrategie
Die Spaltung zwischen der Landesführung und der Bundeszentrale in Berlin dreht sich um die Regierungsbeteiligung und die Strategie gegenüber anderen politischen Lagern. Wagenknecht lehnte das Dreierbündnis in Thüringen wiederholt ab und plädierte stattdessen für einen überparteilichen Regierungschef, der mit wechselnden Mehrheiten regiert, die auch die Alternative für Deutschland (AfD) einschließen würden. Die Bundesführung hatte die Thüringer Abgeordneten formell angewiesen, ihre Unterstützung für Ministerpräsident Mario Voigt zurückzuziehen und die Landesregierung zu verlassen. Wolf und ihre Kollegen wiesen diese Anweisung zurück mit der Begründung, dass ihr Mandat praktisches Regieren und nicht parlamentarische Lähmung erfordere.
Wolf lehnte jede Zusammenarbeit mit der extremen Rechten während ihrer Rede am Freitag ab.
Wir wurden nicht für Flirts mit Rechtsradikalen gewählt.
Sitzzahlen und parlamentarische Mathematik
Die Austritte verändern das Stimmenverhältnis im 88 Sitze umfassenden Thüringer Landtag, wo die Regierungskoalition zuvor genau 44 Sitze in einer Pattsituation mit der Opposition hatte. Anfang der Woche trat ein Abgeordneter aus der Partei aus, am Mittwoch folgten die Abgeordneten Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt, die sowohl die BSW-Partei als auch deren Fraktion verließen und die Fraktion von 15 auf 12 Mitglieder reduzierten. Am Freitag erklärten zehn der verbleibenden zwölf Abgeordneten ihren Austritt aus der BSW-Partei, blieben jedoch in der Fraktion. Zusammen halten die CDU, die SPD und die zwölf Mitglieder der ehemaligen BSW-Fraktion 41 Sitze, vier Stimmen unter den 45 Sitzen, die für eine parlamentarische Mehrheit erforderlich sind. Ministerpräsident Voigt bekräftigte sein Bekenntnis, mit dem bestehenden Kabinett weiterzuregieren.
Voigt äußerte sich zum Bündnis gemeinsam mit Wolf und Innenminister Georg Maier.
Heute ist ein Tag der Klarheit.
- CDU, SPD und ehemalige BSW-Fraktion
- 41 Sitze
- Die Linke
- 12 Sitze
- Mehrheitsschwelle
- 45 Sitze
Reaktionen aus Berlin und der Opposition
Sahra Wagenknecht reagierte scharf auf den Massenrücktritt bei einem Wahlkampfauftritt in Halle (Saale) vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wagenknecht behauptete, der Zeitpunkt der Austritte sei bewusst gewählt, um der Bundespartei vor den anstehenden Regionalwahlen maximalen Schaden zuzufügen. Sie erklärte, Wolf und ihre Verbündeten hätten seit den zwei Jahren nach der Landtagswahl im Team CDU agiert, und fügte hinzu, die Landesliste sei von Personen besetzt worden, die sich nicht an die Erwartungen der Wähler gebunden fühlten. In Erfurt beschrieben Oppositionsparteien die Situation anders. Christian Schaft, der Fraktionsvorsitzende der Linken, deren 12 Sitze seit 2024 informelle Unterstützung für ausgewählte Gesetze geleistet haben, forderte neue Gespräche und erklärte, die Koalition habe in ihrer ursprünglichen Form zu funktionieren aufgehört.
Christian Schaft gab seine Einschätzung zur Regierungsvereinbarung nach den Ankündigungen ab.
Mit heute ist aus unserer Sicht die Regierungskoalition zerbrochen.


